Preis sorgt für Diskussionen
„Da muss man schon einen Knall haben“: Flasche Schampus an der Wurstbude für 555 Euro
Eine Wurstbude in Westerland auf Sylt hat neben Klassikern wie Thüringer und Pommes auch Champagner im Sortiment. Nicht gerade zum Schnäppchenpreis.
Westerland/Sylt – Die Nordseeinsel Sylt hat sich bis heute ihren Ruf als Insel der Reichen und Schönen erhalten. Kein Wunder also, dass es bei „Otto von Wurst“ in Westerland auch Schampus gibt. Denn anders als Austern mit Ketchup, die Baulöwe Lugner unlängst in List schlürfte, sind Currywurst und Champagner voll im Trend. Doch der Preis für die Flasche Rosé Champagner an der Wurstbude sorgt bei so manchem für Schnappatmung.
Wurstbude auf Sylt verkauft Flasche Champagner für 555 Euro
Der kleine Imbiss in der Friedrichstraße, Ecke Neue Straße wirkt eher unscheinbar. Ein weißes Gebäude mit Verkaufsluke, davor ein paar Stehtische. Hier gibt es Bratwurst nach Thüringer Art für 4,50 Euro, die Pommes dazu kosten 3,95 Euro. Und auch die Bierpreise, die auf Sylt schon mal bei acht Euro liegen können, sind mit 2,95 für eine 0,33-Liter-Flasche moderat.
Doch einige Positionen auf der Speisekarte fallen aus dem Rahmen: an der Wurstbude in der Westerländer Innenstadt gibt es auch Champagner. Wer sich den zu seiner Bratwurst gönnen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Eine kleine Flasche Moët & Chandon (0,375 Liter) schlägt mit 43 Euro zu Buche. Den klassischen Schampus der Marke Dom Pérignon gibt es für 279 Euro pro 0,75-Liter-Flasche, eine Flasche Rosé Champagner kostet stolze 555 Euro. Dafür kann man eine Menge Wurst essen und Bier trinken.
Preis für Champagner führt zu Diskussionen: „Rundet man dann auf 600 Euro auf?“
„Wenn man zur Bratwurst eine Flasche Dom Pérignon Rosé bestellt, gibt man dann passend oder rundet man auf 600 auf?“, fragt jemand scherzhaft in einer Sylter Facebook-Gruppe – und löst damit eine ziemliche Diskussion aus. „Wer, bitte, isst eine Bratwurst und bestellt sich dazu eine Flasche Champagner? Das kann wohl nur in Deutschland passieren! Keinerlei Ahnung von gutem Essen“, wundert sich ein User auf Facebook.
Viele sehen den Post mit Humor und finden, die Kombi Bratwurst und Dom Pérignon sei schon mal cool, da sollte man locker aufrunden. „Natürlich gibt man dann 600 Euro, was soll der Geiz“, scherzt eine Userin. Doch es gibt auch Empörung über die Schampus-Preise an der Wurstbude, die perfekt in das Klischee von Sylt als Promi-Insel passen. „Ist das ein Fehler? Oder gehört das so?“, fragt eine Nutzerin verwundert. Ein anderer findet: „Da muss man schon einen Knall haben. Für 550 Euro kann man Schöneres und gutes tun. Spende dann lieber das Geld für die Tafel.“
Schampus an der Wurstbude? Das gibt es nicht nur auf Sylt
Currywurst mit Champagner – was nach „typisch Sylt“ klingt, gibt es auch anderswo in Deutschland. Zum Beispiel im legendären „Bier‘s Kudamm 195“ in Berlin. In dem Familienbetrieb in Wilmersdorf war schon Harald Juhnke Stammgast. Auch hier können die Gäste zur Currywurst mit hausgemachter Sauce ein Gläschen Schampus schlürfen – zu ähnlichen Preisen wie auf der Nordseeinsel Sylt.
Aber auch in einigen Nobel-Hotels ist der Trend angekommen. In einer Hotelbar in Aachen wird jeden Donnerstag „Currywurst & Champagner nonstop“ angeboten. Und in Nürnberg ist schon die Currywurst mit Preisen bis zu 100 Euro Luxus, die ein Nürnberger seit Ende 2022 in seiner „Currywurst Bar“ am Nürnberger Hauptmarkt brutzelt. Klar, dass es dort zur „Couple Deluxe“-Variante mit Kaviar Topping, vier Austern und Trüffel Pommes auch eine kleine Flasche Champagner gibt.
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