Projektidee vorgestellt
„Besser essen“: Digitale Ernährungsschule findet Zuspruch bei Politik
Achim – Was steckt in einer Mahlzeit und wo kommen die Zutaten her? Bildung im Bereich einer gesunden Ernährung zu vermitteln, ist das erklärte Ziel des Achimer Vereins „Besser essen“, den Wolfgang Golasowski und Wolfgang Mindermann im April 2019 gegründet haben. „Und wir wissen, dass Kinder und Jugendliche sich unter anderem über bewegte Bilder informieren“, so Golasowski.
Das will sich das Duo zunutze machen und plant daher, Schulkindern das Thema über digitale Medien näherzubringen – und dies mithilfe von Fördergeldern zu realisieren. Ihre Projektidee stellte Golasowski erstmals im Schulausschuss des Stadtrats vor.
Für die digitale Ernährungsschule zeigten sich die Mitglieder des Gremiums offen. Nicht ganz nebensächlich dürfte dabei gewesen sein, dass die Stadt Achim finanziell nicht beteiligt wäre: Unter der Bedingung, dass der Verein selbst 5 000 Euro bereitstellt, wären über das Förderprogramm des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung „RIGE“ Mittel in Höhe von 45 000 Euro drin. Da der Verein nicht antragsberechtigt ist, müsste die Stadtverwaltung den Förderantrag stellen. „Es kostet die Stadt nichts: 90 Prozent werden über die Förderung getragen, der Rest läuft über den Verein“, fasste Golasowski zusammen.
Aus dem Off meldete sich auch Wolfgang Mindermann zu Wort: Per Radiobotschaft berichtete er, wie die Projekt-idee Gestalt annahm. Warum es sinnvoll sei, sich seine Mahlzeiten aus frischen und regional produzierten Zutaten zusammenzustellen, lasse sich gleichermaßen ökologisch und ökonomisch begründen. Anschließend zeigte Wolfgang Golasowski ein vom Verein produziertes „begehbares Video“. Darin lädt ein etwa zehnjähriges Mädchen die Zuschauer zu einem Küchenrundgang ein. Ähnlich wie bei Google Street View kann sich der User per Mausklick durch den Raum „bewegen“ und sich etwa den Inhalt des Kühlschranks ansehen. Auf dem Tisch liegen diverse Gemüsesorten bereit, die sich für eine ausgewogene und vitaminreiche Mahlzeit eignen würden. Über Menüpunkte in Form von Sprechblasen ist es möglich, Landwirten aus der Region – ein Video zeigt den Parzivalhof in Quelkhorn – beispielsweise bei der Kartoffelernte zuzusehen. „Damit die Kinder merken, dass die Champignons nicht aus der Dose kommen“, erläuterte Wolfgang Golasowski.
Achims Erster Stadtrat Daniel Moos gab ein positives Signal – sofern die Schulen ebenfalls dahinterstehen.
Paul Brandt (SPD) lobte die „konsequente Fortsetzung für die IGS“, die sich bereits mit dem Neubau der Mensa und dem pädagogischen Mittagstisch auf den Weg gemacht habe, Ernährungsbildung in den Schulalltag zu integrieren. Er fragte auch nach dem zeitlichen Rahmen.
Isabel Gottschewsky (CDU) äußerte Bedenken, dass die Stadt auf den Kosten sitzenbleiben könne, falls das Projekt nicht die angestrebten Fördermittel erhält. Auch die Form schien ihr nicht ganz zuzusagen: „Warum müssen die Kinder das über Filmchen lernen?“, fragte sie. Das bereits etablierte Projekt des Landfrauenvereins „Vom Hof auf den Teller“ beinhalte Besuche in landwirtschaftlichen Betrieben und gemeinsames Kochen. Sie regte an, einmal jährlich Hofbesuche zur Pflicht zu machen, statt Kinder am Zukunftstag ins Büro zu schicken.
„Wir haben einen Teil der 5 000 Euro schon zusammen. Ein Risiko besteht nur, falls wir etwas abliefern, was nicht dem Beantragten entspricht“, beschwichtigte Golasowksi. Nicht immer seien Hofbesuche mit Schulklassen möglich. Besonders auf Höfen mit Viehhaltung werde dies durch erhöhte Hygieneauflagen erschwert. Der Verein „Besser essen“ lege Wert darauf, die Filme an lokalen Schauplätzen zu drehen, sodass ein späterer Besuch möglich sei. Innerhalb des Jahres 2023 sollte das Antragsverfahren laufen.
Dorothee Danél (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf die Barrierefreiheit: Ein Vorlesen des Textes würde sehbehinderten Menschen den Zugriff auf die Inhalte ermöglichen. Laut Golasowski habe der Verein dies bereits bedacht. „Ich würde mich freuen, wenn Achim bei der Förderung in Sachen Ernährung zum Hotspot werden würde“, warb er für das Projekt.
Die Leiterin der Integrierten Gesamtschule (IGS) Achim, Kerstin Albes-Bielenberg, berichtete, dass Hofbesichtigungen über das Bundesprogramm „Startklar“ bereits liefen. „Es ist wichtig, die Mensa als Lernort einzubeziehen“, sagte sie. Ernährung sei ein wesentlicher Aspekt der Bildung.
Obgleich keine Beschlussempfehlung vorgesehen war, ließ die Ausschussvorsitzende Petra Geisler (SPD) per Handzeichen abstimmen. Bei sechs Ja-Stimmen und drei Enthaltungen der CDU goutierte das Gremium die Projektidee. „Das ist nur ein Stimmungsbild, kein Beschluss“, stellte Geisler nach einem Hinweis von Isabel Gottschewsky klar. Als nächstes steht das Thema im Finanzausschuss am 1. Dezember auf der Tagesordnung.