„Kunden sind uns mit Abstand die liebsten“
Achimer Geschäfte öffnen ihre Läden wieder für Publikumsverkehr
Achim - Einbahnstraßendurchgang, Abstandshinweise und Handdesinfektion im Eingangsbereich – auf diese Weise vorbereitet starten Achims Einzelhändler nach knapp fünf Wochen Öffnungsverbot in die Phase der Lockerungen, die Bund und Länder Mitte vergangener Woche beschlossen haben. Kernpunkt der Verordnung ist die Wiedereröffnung kleiner Ladengeschäfte mit einer Größe bis zu 800 Quadratmetern, die am Montagvormittag prompt erste Käufer in die Innenstadt lockte.
Hinweisschilder informieren Kunden in der Buchhandlung Hoffmann über die besonderen Auflagen: Eintritt nur nach Aufforderung, Mindestabstand von anderthalb Metern, gerne mit Mundschutz, sowie eine maximale Anzahl von drei Kunden in den Geschäftsräumen. Die Inhaber Veit Hoffmann und Iris Hunscheid sowie die Mitarbeiterinnen zeigen sich sehr erleichtert über die wiedergewonnene Freiheit: „Das persönliche Gespräch mit unseren Kunden hat mir wirklich sehr gefehlt, und im abgedunkelten Ladengeschäft zu arbeiten, ist mir echt schwergefallen“, beschreibt Iris Hunscheid die Erfahrungen der zurückliegenden Wochen.
Von einem Tag auf den anderen hatte sich der Buchladen in einen Versandhandel verwandelt. Bestellungen wurden telefonisch entgegengenommen und eigenhändig oder per Lieferdienst zu den Kunden gebracht. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von unseren tollen Kunden erhalten“, resümiert die Fachhandelsexpertin, „manche haben sogar extra mehr bestellt". Auf diese Weise habe das Einzelhandelsgeschäft weiterhin Umsätze generiert und musste für die Beschäftigten keine Kurzarbeit anmelden.
Veit Hoffmann hatte dennoch Soforthilfe beantragt, zu viel erhaltende Mittel werde man zurückerstatten, wenn die Höhe der Umsatzeinbußen beziffert werden könne. „Wir sind wirklich froh über die schnelle Hilfe“, erklärt Iris Hunscheid, beklagt aber im Namen ihrer Berufskollegen, dass die Summe oftmals eins zu eins an die Vermieter weitergereicht werden musste, weil diese nur selten ein Entgegenkommen gezeigt hätten.
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„Wir freuen uns riesig“, sagt auch Ulrike Elfers von Aktiv Sport und Freizeitmode Olav Heym. Fast 30 Jahre habe sie beinahe täglich mit Kunden in Kontakt gestanden und musste von heute auf morgen darauf verzichten. Sie habe den Austausch schmerzlich vermisst. Neben der Verkaufsberaterin begrüßt interessierte Kunden dort nun neuerdings auch ein Handdesinfektionsspender, außerdem werden Mund- und Nasenschutz sowie Einweghandschuhe auf Wunsch angereicht und eine Acrylglasscheibe trennt den Kassenbereich vom Verkaufsraum.
Inhaber Olav Heym hatte für seine Angestellten bis zum gestrigen Tag Kurzarbeit beantragt und auch die Soforthilfen in Anspruch genommen, um die Schließung einigermaßen überbrücken zu können. Glücklicherweise sei der Start am Montag für Achimer Verhältnisse wieder ganz normal verlaufen und er hoffe, dass die Lockerungen nun beibehalten werden können. Die Zeit habe er für den Wechsel von Winter- auf Sommerkollektion und für einen ausgiebigen Frühjahrsputz genutzt.
Auch der Verkaufsraum im Modegeschäft Enterprise empfängt Besucher mit den strahlenden Farben der Frühjahrs- und Sommerkollektion in neugestalteten Regalwänden. Besonders aber strahlen die Gesichter von Inhaber Jens-Uwe Buse und Verkaufsberater Daniel Ballin. „Unsere Kunden sind uns mit Abstand die liebsten“, kommentieren die Bekleidungsprofis die besonderen Auflagen und Hygienehinweise. Die Stimmung sei gut und der Zeitpunkt perfekt. „Ich hoffe, dass die Achimer nun Nachholbedarf haben und die neue Einkaufsmöglichkeit kräftig nutzen“, sagt Buse.

