Dennis Volk: Durch Eigeninitiative Verluste verteilen / Folgen der Corona-Krise abmildern

Nachhaltige Schäden für die Kultur

Dennis Volk nutzt die Leere in seinem Terminkalender für kreative Alternativen. Gleichzeitig ruft er dazu auf, nach der Krise öfter mal einen Künstler für die private Feier oder ein Firmenjubiläum zu engagieren. Fotos: Schmidt
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Dennis Volk nutzt die Leere in seinem Terminkalender für kreative Alternativen. Gleichzeitig ruft er dazu auf, nach der Krise öfter mal einen Künstler für die private Feier oder ein Firmenjubiläum zu engagieren. Fotos: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. Normalerweise würde Dennis Volk alias Mister Piano mit einem seiner Showprogramme Zuschauer in ganz Deutschland und auch außerhalb der Landesgrenzen begeistern. Mit seinem Walking Piano, Rolling Piano, Doppel-Piano oder der Laserharfen-Lichtershow wird der Tastenakrobat inzwischen weltweit zu allerlei festlichen Anlässen wie Neueröffnungen, privaten Feiern oder Galaveranstaltungen gebucht.

Die Realität zeichnet aktuell ein anderes Bild: Bevorstehende Events in einem Designer-Outlet in Roermont in den Niederlanden, ein Firmenjubiläum in Karlsruhe sowie ein vier- bis siebentägiges Engagement in einer Shoppingmall in Dubai, das kurz vor Vertragsabschluss gestanden habe, wurden wegen der Corona-Krise abgesagt.

Damit geht es dem Klaviervirtuosen wie vielen Künstlern in pandemischen Zeiten – Auftritte werden ersatzlos gestrichen, Einnahmen brechen über einen ungewissen Zeitraum hinweg fast vollständig weg. Just von einer USA-Reise zurückgekehrt erreichte ihn noch während der Fahrt zu einer Darbietung nach Kassel am 13. März die erste telefonische Absage, seitdem folgen beinahe täglich weitere. „Bis in den Oktober hinein reichen die Ausfälle“, beklagt der Achimer. Ein Verdienstausfall von nahezu hundert Prozent trifft den Musiker hart. „Eine dreimonatige Lücke im Auftragsbuch wäre noch zu verkraften, aber danach wird die Situation schmerzlich“, erklärt der Künstler,

Zudem bedauerlich: Die verbrauchten Rücklagen fehlen in Zukunft für wichtige Investitionen in Material und Ausstattung. „Das Luxusgut Kultur wird nachhaltig geschädigt“, ist sich der Achimer sicher. Seine Auftraggeber – Firmen wie Privatpersonen – werden noch lange auf ihr Geld schauen und sich gut überlegen, ob sie einen Pianospieler engagieren.

Viele Musiker und kleine Agenturen werden das wohl nicht überstehen, sei zu befürchten. Schließlich habe das bereits die weltweite Finanzkrise 2008 gezeigt, als das Showbusiness noch gut ein Jahr später Umsatzeinbußen von 75 Prozent verzeichnete. „Mich schockiert dabei die Selbstverständlichkeit, mit der manche Auftraggeber die Buchung absagen, ohne eine konstruktive Lösung zu bieten“, erklärt Volk.

Nur selten werde ein Ausfallhonorar angeboten. „Viele wollen das Engagement verschieben“, beschreibt er Lösungsangebote, „aber das geht nicht so einfach.“ Die Terminlage werde eng, und zerteilen könne er sich nicht. Der Verdienst und die gesamte Planungsleistung seien verloren, ähnlich wie in einem Restaurantbetrieb, wo ein Tisch nicht doppelt belegt werden könne oder die Gäste später auch nicht doppelt so viel essen. „Und vielleicht existieren die Agenturen und Künstler zum Nachhol-Event gar nicht mehr.“ Das hält Dennis Volk durchaus für möglich.

Aktuell ergreift er selbst die Initiative und sucht mit seinen Auftraggebern gemeinsam nach einer verträglichen Lösung. Dabei unterscheide er, ob eine Veranstaltung behördlich verboten wurde oder ob der Veranstalter aus Vorsicht und vorausschauend zurücktrete. Im letzten Falle bestehe sogar ein Anspruch auf eine 100-prozentige Erstattung. Mit einem Großteil seiner Stammkunden habe er gute Gespräche geführt und einen Ausweg gefunden. So konnte er in vielen Fällen eine 50-prozentige Ausfallgage aushandeln, die er später bei einem Nachholtermin auf sein Honorar anrechnet. Natürlich vorausgesetzt, er habe dann nicht bereits einen anderen Termin im Kalender stehen. „Dieses Vorgehen ist solidarisch und wird vielfach als fair empfunden. Wenn wir in dieser Form im Geschäft bleiben, wäre das absolut in Ordnung“, sagt Volk. „Wichtig ist, dass niemand alleingelassen wird.“

Gewiss werde er sich mit dem Thema Soforthilfe befassen, aber er wolle sich darauf nicht ausruhen. Insgeheim hoffe er natürlich, dass sich die Lage bald verbessert und noch in diesem Jahr wieder Veranstaltungen stattfinden können. Ansonsten müsse man kreativ werden: „Mit seinem Talent kann jeder Künstler etwas anstellen“, ist Dennis Volk überzeugt.

Und so könnten sich durch die Krise ganz neue Ideen und Vermarktungsstrategien entwickeln und vielleicht kehrt man gar nicht zu bekannten Wegen zurück. Er wünsche sich vor allem, dass Kleinkunst und Livemusik durch die Krise wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rückten und sich die aktuelle Streaming-Mentalität abschwäche. „Vielleicht buchen die Leute mal wieder einen Künstler für eine Feier, bevor der DJ zum Tanz auffordert“, hofft der Pianist.

Bis dahin werde er aber alle Register ziehen und insbesondere jetzt an später denken – die Dinge möglichst retten und die Verluste verteilen. Außerdem bilde ein Auftritt nur einen Teil seiner Arbeit, denn Bereiche wie Buchhaltung und Qualitätssicherung, Probe und Programmentwicklung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zählen ebenso dazu.

Zurzeit hat Dennis Volk rund dreieinhalb Stunden täglich mehr Zeit, weil er nicht im Flugzeug sitzt oder auf der Autobahn zu irgendeinem Event unterwegs ist. Die Zeit nutzt er für alternative Aktivitäten: Er spielt Coversongs und populäre Titelsongs aktueller Netflix-Serien für seinen YouTube-Kanal ein und fertigt Tutorials zum Nachspielen an.

Oder er unterstützt seine Lebensgefährtin Leslie Lynn bei der Entwicklung des Yama-Instituts, einem Verein zur Förderung der Lebenskunst. Der Verein soll einmal Workshops und Seminare für ein besseres Lebensgefühl bieten zur Stärkung von Körper, Geist und Seele. Die jüngste Idee: Yoga-Übungen für Kinder verpackt in kurze Tiergeschichten.

In ihrem neuen Domizil, einer ehemaligen Grundschule in Hoyerhagen, zeichnen Leslie Lynn und Dennis Volk Lehrvideos für soziale Netzwerke auf und entwickeln Programme für ein besseres Lebensgefühl durch gesunde Ernährung, Yoga, Meditation, Sport und Fitness.

Aktuelle Informationen zur Coronavirus-Krise:

- Informationen zum Schulausfall aufgrund des Coronavirus und den Beschlüssen der Landesregierung 

Maskenpflicht und DIY-Mundbedeckung: Das sollten Sie über Corona-Masken wissen

- Coronavirus: Wie sinnvoll sind Wegwerfhandschuhe für die Virenabwehr?

- Daten-Apps zum Coronavirus: Das kann die Stop-Corona-App - Was Kritiker und Befürworter zu der Technik sagen

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