Ohne Masken und Desinfektionsmittel
Ohne Schutz keine Behandlung: Badener Zahnärztin beklagt schlechte Versorgung
Baden - „Der Gesundheitsminister hat irgendwie vergessen, dass es uns gibt“, sagt Dr. Stefanie Mauer. Denn in den Gesetzespaketen zur Unterstützung des Gesundheitswesens bei der Bewältigung der Corona-Epidemie, die die Bundesregierung Ende März beschlossen hat, würden Zahnärzte nicht erwähnt, kritisiert Mauer, die nach eigenen Angaben stellvertretend für ihre Kollegen in der Stadt spricht.
Zwingend notwendige Schutzausrüstungen gingen an Krankenhäuser und Physiotherapeuten, Zahnärzte stünden bald mit leeren Händen da. „Wir benötigen für unsere Arbeit die Schutzmaske FFP 3, und die ist bundesweit vergriffen“, sagt Mauer. Diese sei die einzige Maske, die vor einer Ansteckung mit dem Virus schütze.
Vor allem Zahnärzte sind ihr zufolge einem besonderen Risiko ausgesetzt, da sich das Virus über Tröpfcheninfektion verbreite. Gefährlich sei vor allem der bei der Behandlung entstehende Aerosolnebel, ein Gemisch aus Speichel und Wasser, arbeiten Arzt und Fachpersonal doch nur maximal 40 Zentimeter vom geöffneten Mund des Patienten. „Wir können selbst bei einer ganz normalen Behandlung nie mit Sicherheit wissen, ob der Patient mit Corona infiziert ist. Aus diesem Grund benötigen wir entsprechende Schutzkleidung.“
Obwohl sie und ihre Achimer Kollegen die Praxen nur noch für akute Fälle und Schmerzpatienten geöffnet hielten und Behandlungen wie Prophylaxe oder professionelle Zahnreinigungen verschoben hätten, gingen die Bestände langsam zur Neige. Nicht nur Schutzmasken seien davon betroffen, sondern auch Desinfektionsmittel.
Immer mehr Scheinfirmen bieten Ausrüstung zum Schutz vor Corona an
In einer eigens dafür gegründeten WhatsApp-Gruppe hielten sich die Achimer Zahnärzte über das Thema auf dem Laufenden. Täglich erhalte sie neue Werbeangebote für die Ausrüstung, berichtet Mauer. Mittlerweile tummelten sich jedoch viele schwarze Schafe auf dem Markt, und es sei kaum noch nachvollziehbar, welche Firmen seriös seien und hinter welchen Angeboten sich Scheinfirmen versteckten. Mittlerweile haben die Achimer Dentisten auch ihre Interessenvertretung, die Kassenzahnärztliche Vereinigung, eingeschaltet. Diese sei zurzeit in Gesprächen mit der Bundesregierung, um eine Lösung für das Problem zu finden, sagt Mauer.
Die Medizinerin sieht vor allem aber die Bundesregierung in der Pflicht, die behandelnden Ärzte in dieser Ausnahmesituation der Corona-Pandemie vernünftig auszustatten. „Bei weniger Schutzausrüstung ist die Behandlung von Patienten nicht mehr gewährleistet. Es muss eine zentrale Lösung geben.“ Nur so könnten Hamsterkäufe und Betrügerein ausgeschlossen werden, ist sie überzeugt.
Appell an Kollegen: Verzicht auf alle nicht notwendigen Behandlungen
Zudem wünscht sich Mauer eine Deklaration von Versorgungszentren für an Covid-19-Erkrankte über die Krankenhäuser hinaus. „Diese Praxen müssen dann mit entsprechenden Schutzausrüstungen ausgestattet werden. Das dient dem Schutze aller.“ Sei dies nicht möglich, fordert sie eine entsprechende Ausrüstung für alle Zahnarztpraxen.
Außerdem appelliert sie an ihre Kollegen, sparsam mit dem vorhandenen Material umzugehen und auf zurzeit nicht dringend notwendige Behandlungen zu verzichten, auch wenn die Zahnärzte dadurch auch Umsatzeinbußen in Kauf nehmen müssten. „Der eine oder andere Kollege bohrt noch immer fleißig weiter, das geht überhaupt nicht.“