Stadtwerke zu Gaspreisen und möglicher Entlastung: „Ein täglicher Kampf für uns“

Rechnen mit einer deutlichen Entlastung für Kunden: Stefan Miebach (von links), Bereichsleiter Energieein- und -verkauf, Marketingleiterin Janina Neuhaus, Jens Bühring, Bereichsleiter für Verbrauchsabrechnung, Vorstandssprecher Sven Feht und Aufsichtsratsvorsitzender Herfried Meyer.
+
Rechnen mit einer deutlichen Entlastung für Kunden: Stefan Miebach (von links), Bereichsleiter Energieein- und -verkauf, Marketingleiterin Janina Neuhaus, Jens Bühring, Bereichsleiter für Verbrauchsabrechnung, Vorstandssprecher Sven Feht und Aufsichtsratsvorsitzender Herfried Meyer.

Achim – Der Gaspreis kennt in diesem Jahr nur eine Richtung, und zwar steil nach oben. Ab dem 1. Januar 2023 zahlen die Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Achim einen Arbeitspreis in Höhe von 26,42 Cent pro Kilowattstunde – ein Jahr zuvor waren es nur 8,22 Cent. Der Preis hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.

Einige der etwa 25.000 Kundinnen und Kunden des Achimer Energieversorgers haben in den sozialen Netzwerken und in Leserbriefen in dieser Zeitung vor allem ihrem Unmut darüber Luft gemacht, dass die Kunden der Stadtwerke in der Nachbarschaft zum Teil deutlich weniger bezahlen müssen: 16 Cent beispielsweise zahlen die Kunden der Stadtwerke Verden ab 1. Januar, sogar nur 13 Cent die Kunden der Stadtwerke Bremen.

Von einer großen Kündigungswelle ist bei den Stadtwerken in Achim dennoch nichts zu spüren, erklärt Vorstandssprecher Sven Feht. Im Gegenteil: Lediglich 200 Kunden haben ihm zufolge dem örtlichen Grundversorger bislang den Rücken gekehrt. „Insgesamt haben wir 2022 sogar mehr Kunden gewonnen als verloren“, betonte Feht im Pressegespräch. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Herfried Meyer (SPD), dem Bereichsleiter für den Energieein- und -verkauf, Stefan Miebach, sowie Jens Bühring, Bereichsleiter für Verbrauchsabrechnungen, stand Feht Rede und Antwort.

Vorstandssprecher: Situation für alle belastend

Der Vorstandssprecher betonte dabei, dass die Situation für alle belastend sei, für ihn genauso wie für seine Mitarbeiter, die wie er zum Teil sogar in ihrer Freizeit auf die hohen Preise angesprochen werden.

Sven Feht sagte, er verstehe zwar die Sorgen der Menschen, ärgere sich aber über zum Teil „unsachliche Kritik“: „Wir werden aktuell gepeinigt für eine Einkaufspolitik, die uns 15 Jahre lang zu einem der günstigsten Versorger in Deutschland gemacht hat. Wir kaufen marktnah ein, und das führt zwangsläufig zu Schwankungen in den Preisen. Sie sind schnell oben, aber auch schnell wieder unten. In einem normalen Markt ist unser Vorgehen langfristig günstiger“, behauptet Feht, der zudem klarstellt: „Wir bereichern uns nicht. Wir versuchen alles, um unsere Kunden verlässlich mit Gas zu versorgen. Das ist uns bisher gelungen, trotz immenser Probleme und finanzieller Risiken. Das ist ein täglicher Kampf für uns, aber wir stehen stabil da. Das gilt für viele andere Energieversorger nicht.“

Zum Zeitpunkt des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine habe es durchaus die Überlegung gegeben, anders als gewohnt längerfristig einzukaufen. „Aber damals war es schwer, überhaupt noch an Gas zu kommen“, erklärt Sven Feht, der nach der Erfahrung in diesem Jahr trotzdem die Einkaufspolitik anpassen will: „Wir werden künftig die Einkaufszeiträume etwas verlängern. Wir arbeiten bereits mit externen Beratern zusammen“, so Feht, der eine Entspannung des Marktes beobachtet: Es gebe auf der einen Seite wieder mehr mögliche Gaslieferanten, zusätzlich würden die nun steigenden Temperaturen dafür sorgen, dass der Einkaufspreis sinkt. Davon sollen bald auch die Kunden profitieren: „Wir haben bereits Teilmengen für die Zeit ab dem 1. Mai 2023 eingekauft und gehen davon aus, dass wir die Preise dann wieder senken können“, stellt Sven Feht in Aussicht.

Er rechnet fest damit, dass die Maßnahmen der Bundesregierung, wie die am vergangenen Freitag, 16. Dezember, beschlossene Erdgas-, Wärme- und Strompreisbremse, die Menschen in dieser schwierigen Situation deutlich entlasten werden.

Energiepreisdeckel kommt im März und gilt rückwirkend

Der Energiepreisdeckel soll zum 1. März umgesetzt werden, rückwirkend ab Jahresbeginn. Bis dahin haben die Stadtwerke zwei Monate Zeit, um die 110 Seiten umfassenden Gesetzesvorgaben zu erfüllen und umzusetzen. „Unsere Kunden müssen nichts tun – von der Energiepreisbremse profitieren sie automatisch“, verspricht Feht.

Er erinnert daran, dass die Bundesregierung zuvor bereits den Energiekostenzuschuss für Erwerbstätige, Rentner, Studierende und Fachschüler, die Umsatzsteuersenkung auf Gaslieferungen von 19 auf 7 Prozent zum 1. Oktober 2022 und die Streichung der EEG-Umlage mit Wirkung ab 1. Juli 2022 beschlossen hatte. In diesem Monat nun folgte die Dezember-Soforthilfe. Der Abschlag für diesen Monat wird vom Bund übernommen.

Die Gaspreisbremse sorge im kommenden Jahr dafür, dass Kunden nur noch 12 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssen, allerdings nur für 80 Prozent des im September 2022 prognostizierten Verbrauchs auf Basis des Jahres 2021. „Das ist gut für die Kunden, weil das ein relativ kaltes Jahr war“, so Feht weiter.

Das neue Gesetz zur Entlastung der Bürger soll zum Energiesparen animieren. Ziel des Bundes ist es, dass Kunden 20 Prozent ihres Verbrauchs einsparen – umgerechnet sind das drei bis vier Grad Celsius weniger in der Wohnung. Wer mehr verbraucht, zahlt dafür den Preis, den die Stadtwerke Achim für die Zeit ab dem 1. Januar mitgeteilt haben.

Wer sparsam verbraucht hat, kann mit Rückzahlung rechnen

Den nächsten Abschlag zahlen Kunden aber erst im Februar, weil dieser im Januar wegen der dann laufenden Jahresverbrauchsabrechnungen nicht abgezogen wird. Im Februar schlägt zwar der volle Abschlag zu Buche, die Belastung soll sich nach Angaben der Stadtwerke aber bei vielen Kunden dadurch reduzieren, dass sie aufgrund der höheren Temperaturen in diesem Jahr weniger verbraucht haben als im kälteren Vorjahr. Wer sein Verbrauchsverhalten also entsprechend angepasst hatte, kann bei der Verbrauchsabrechnung für das aktuelle Jahr auf eine Rückzahlung hoffen. Ab März greift dann die Preisbremse, die bis mindestens Ende 2023, wahrscheinlich sogar bis zum 30. April 2024 laufen soll.

Wie sich diese Entlastung im Detail auswirkt und welchen Beitrag jeder einzelne mit seinem Heizverhalten leisten kann, zeigt eine Beispielrechnung der Stadtwerke: Für einen Kunden mit einem jährlichen Erdgasverbrauch von 10.000 Kilowattstunden ergibt sich wegen der Preisbremse demnach eine Ersparnis in Höhe von 1153,60 Euro. Er zahlt anstatt 2773,28 Euro pro Jahr nur noch 1619,68 Euro. Der sogenannte spezifische Gaspreis sinkt in diesem Beispiel von 27,73 Cent pro Kilowattstunde auf 16,20 Cent – ein Minus von 41 Prozent. Spart der Kunde 2000 Kilowattstunden ein, reduziert sich der spezifische Erdgaspreis auf 13,64 Cent pro Kilowattstunde.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Laut Auskunft der Stadtwerke gibt es für Wärmekunden ebenfalls einen Preisdeckel. Dieser liege bei 9,5 Cent pro Kilowattstunde. Und auch in puncto Stromverbrauchskosten habe der Bund Entlastungen für Haushalte und Unternehmen beschlossen. Analog zur Gas- und Wärmepreisbremse gilt für Strom das „Gesetz zur Einführung einer Strompreisbremse“, demzufolge der Strompreis für Haushaltskunden bis zu einem Jahresverbrauch von 30.000 Kilowattstunden pro Jahr auf 40 Cent pro Kilowattstunde brutto für 80 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauchs gedeckelt wird.

Vorstandssprecher Feht weist abschließend darauf hin, dass es wegen der zahlreichen Kundenanfragen bei telefonischen Anfragen derzeit zu längeren Wartezeiten kommen kann. Er rät deshalb dazu, sich auf der Internetseite www.stadtwerke-achim.de zu informieren. Marketingleiterin Janina Neuhaus hat dort die häufigsten Kundenfragen beantwortet und wird diese in den kommenden Tagen und Wochen regelmäßig ergänzen.

Um die Wartezeiten am Telefon zu verkürzen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten, werden die Stadtwerke zusätzlich für allgemeine Anfragen einen externen Dienstleister mit ins Boot holen.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Binge-Alarm aus Kanada: Serien, die man in Deutschland sofort streamen kann

Binge-Alarm aus Kanada: Serien, die man in Deutschland sofort streamen kann

Kommentare