Genehmigungsurkunde erhalten
Jetzt auch Auffangstation
Dörverden - Das Wolfcenter in Barme ist neben dem Wildpark Lüneburger Heide in Hanstedt-Nindorf die landesweit zweite Auffangstation für frei lebende Wölfe. Jetzt wurde den Betreibern, Christina und Frank Faß, im Beisein von Vertretern von Polizei, Jägerschaft, Kreisveterinäramt und Naturschutz von der Staatssekretärin des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Almut Kottwitz, die dafür erforderliche behördliche Genehmigungsurkunde überreicht.
Das Wolfcenter ist damit berechtigt, sich um verletzte oder vom Rudel getrennte Tiere zu kümmern. Es besitzt laut Kottwitz die allerbesten Voraussetzungen, um die Aufgaben einer Auffangstation zu leisten. Fass, der zudem Sprecher im niedersächsischen Arbeitskreis Wolf ist, verfüge als Wolfsexperte über die entsprechenden Kenntnisse, was den speziellen Umgang mit Wölfen und deren Pflege und Bedürfnisse angehe. Die dafür baulichen Voraussetzungen hat das Wolfcenter auf eigene Initiative geleistet und auch die Kosten in Höhe von über 20.000 Euro selbst getragen.
In einem von den Besuchern weder begehbaren noch einsehbaren Bereich wurde eine ausbruchssichere Freilauf-Box mit vielfältigen technischen Kontrollmöglichkeiten für die Tag- und Nachtüberwachung geschaffen. Zudem besteht die Möglichkeit, einem sich in der Auffangstation befindlichen Wolf die Genesung bei Dunkelheit zu ermöglichen. Fass: „Das käme beispielsweise bei einem sehr nervösen Tier in Frage.“ Wie zuvor schon die Staatssekretärin betonte auch Faß, dass die Auffangstation eine akute Lösung sei und daher einzig der kurzfristigen Aufnahme von verletzten oder kranken der hochgradig geschützten Tiere diene. Ziel müsse es immer sein, diese so schnell wie möglich wieder in die Freiheit zu entlassen.
„Der Kontakt mit Menschen ist nicht vorgesehen und wird sich immer nur auf das Notwendigste beschränken. Die Vorgabe lautet: So kurz wie möglich und so gut wie nötig.“ Faß rechnet im übrigen nicht damit, dass die Station stark frequentiert werde. „In den vergangenen 20 Jahren wurden rund 100 verunglückte Wölfe gezählt, und fast alle sind dabei zu Tode gekommen.“ Er erinnerte dabei an den Wolf, der im Januar auf der A1 bei Uphusen verendete und zog zum Vergleich auch aktuelle Zahlen von Schalenwild heran. Faß: „Landkreisweit sind bei Verkehrsunfällen etwa 1200 Tiere zu Tode gekommen, und bundesweit lassen täglich etwa 600 Rehe, Hirsche und Wildschweine ihr Leben.“
„Angesichts der aktuellen Situation über die wachsende Population von frei lebenden Wölfen in Niedersachsen ist es dennoch sinnvoll, eine zweite Auffangstation anzubieten“, so Kottwitz, die dem Ehepaar Faß für ihr diesbezügliches ehrenamtliches Engagement dankte. Aber sie verhehlte auch die Brisanz des Themas nicht, zumal es die Bevölkerung in zwei Lager spalte. „Das Thema ist hoch sensibel. Und im Grunde ist alles, was wir als Landesregierung zum Thema Wolf machen, verkehrt.“ Abschließend sagte Kottwitz, dass das Land jetzt über insgesamt 21 anerkannte Auffangstationen für verletzte und kranke Wildtiere verfüge. Darunter so bekannte Einrichtungen wie das Artenschutzzentrum des Nabu in Leiferde oder die Seehundaufzuchtstation in Norddeich.
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