Geschäft bietet auch Lieferservice an
Besuch im Westener Laden „Tante Emma“: Krise bringt neue Kunden
Westen – Auf rund 120 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es bei Lebensmittel & Geschenkideen Rosenbrock in Dörverden-Westen trotz Corona-Krise nahezu alles: Lebensmittel, Backwaren, Zeitschriften, Haushalts- und Eisenwaren, Geschenkartikel, Blumen und Pflanzen. Nur bei Toilettenpapier, Küchenpapier und Gummilitze müssen Inhaberin Karin Hans-Rosenbrock, ihre Tochter Babette Hans und Verkäuferin Brigitte Schmidt derzeit passen.
Das, so erzählt Karin Hans-Rosenbrock, sei auch bei ihnen schon seit Wochen permanent knapp und immer wieder schnell ausverkauft. „Mit Hamsterkäufen hat das aber nichts zu tun, da wir stark frequentierte Artikel nur in haushaltsüblichen Mengen verkaufen“, so die Chefin. Sie freut sich, dass der Laden gut angenommen wird und die Leute dankbar sind, dass sie ausreichend Ware bekommen und freundlich bedient werden.
Hans-Rosenbrock erzählt, dass in dem Gemischtwarenladen zwar nach wie vor überwiegend Stammkunden bedient würden, sie aber auch eine erhöhte Nachfrage von bis dato unbekannten Kunden festgestellt habe, von denen sie natürlich hoffe, dass sie auch nach der Krise wiederkämen. „Scheinbar kaufen manche Menschen lieber bei uns, als in den großen Geschäften.“
Und was kaufen die Kunden vorwiegend ein? „Das ist hier sicher genauso wie anderswo“, meint die Kauffrau und dass Billignudeln, Mehl, Backhefe und Klopapier seit Wochen die unangefochtenen Verkaufsschlager seien. „Das Sortiment wird aber insgesamt gut nachgefragt und dass ein Artikel fehlt, ist eher selten.“
Die Einhaltung der gesetzlichen Anstandsregeln sei kein Problem, meint die Chefin, die maximal drei Kunden gleichzeitig in den Laden lässt. „Für mehr Kunden ist die Fläche zu klein und die Gänge sind zu eng“, sagt sie und, dass Kinder ohne Begleitung zurzeit nicht bei ihnen einkaufen dürften. „Kinder grabbeln gerne mal etwas an. Und genau das wollen wir ja vermeiden.“ Hans-Rosenbrock ist froh, dass das Gros der Kunden sich diszipliniert und rücksichtsvoll verhält. „Ausreißer gibt es immer. Aber die sind wirklich selten“, meint sie. Aber wer sich nicht an die Auflagen halte, bekomme eine klare Ansage und im schlimmsten Fall auch Ladenverbot. „Aber wie gesagt, die meisten sind verständnisvoll und nett.“
Der Gesprächsbedarf bei der Kundschaft habe eindeutig zugelegt. Zwar sei die Krise Thema Nummer eins, aber es werde gerne über alles mögliche gesprochen und diskutiert. „Man redet mehr miteinander, um so den Mangel an Kontakten auszugleichen.“ Der Laden sei im Dorf aber ohnehin eine Art Anlaufstelle für Informationsaustausch bis Seelentrost.
Einen Lieferservice bietet der Gemischtwarenladen auch an. „Den Kundendienst hat es aber schon immer gegeben. Er wird vor allem von Senioren genutzt. Wir wollen, dass die Risikogruppe daheim bleibt und fahren ihre Bestellungen lieber aus“, sagt sie.
Konzept und Geschichte des Westener Ladens
Den Gemischtwarenladen in Westen gibt es seit 1898. Caroline Rosenbrock, geborene Hittmeyer, gründete das Gemischtwarengeschäft mit Landhandel. Ihr folgten der Kaufmann und Gärtner Wilhelm Rosenbrock und Willi Rosenbrock. Seit 1982 führt Karin Hans-Rosenbrock das Geschäft und seit 25 Jahren arbeitet ihre Tochter – sie hat ursprünglich Geologie studiert – im Laden mit. Ans Aufhören denkt Karin Hans-Rosenbrock nicht. „Und wenn, dann übernimmt meine Tochter. Aber so lange die Gesundheit stimmt, mache ich weiter“, sagt sie, wohl wissend, dass andere Frauen in ihrem Alter längst im Ruhestand sind. „Der Laden gehört einfach zu meinem Leben“, erzählt sie. Den anhaltenden Geschäftserfolg erklären Mutter und Tochter mit Kundenfreundlichkeit und Serviceleistungen. „Das Konzept macht es“, sagen beide und wollen ihr Geschäft nicht als Notnagel für vergessene Einkäufe verstanden wissen. Sie wollen den täglichen Bedarf ihrer Kundschaft decken und gehen gern auch auf deren spezielle Wünsche ein.
