Risikoeinschätzung ändert sich ständig

Altenheime unterhalten Bewohner: Videoanrufe und kunterbunte Blumengrüße

Mal was anderes: In der kreiseigenen Einrichtung staunt Erna Borchers über die Möglichkeit, mit ihrer Tochter sowie mit ihrem Enkel und dem Urenkel, beide aus Hongkong zugeschaltet, von Angesicht zu Angesicht zu skypen. Fotos: Niemann
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Mal was anderes: In der kreiseigenen Einrichtung staunt Erna Borchers über die Möglichkeit, mit ihrer Tochter sowie mit ihrem Enkel und dem Urenkel, beide aus Hongkong zugeschaltet, von Angesicht zu Angesicht zu skypen.

Dörverden - Es ist der Albtraum jeder Heimleitung: Eine unwissentlich mit dem Coronavirus infizierte Pflegekraft steckt die in der Einrichtung lebenden Senioren an. Infolge dessen müssten diese dann vollkommen isoliert werden, was vermutlich aber kaum zu schaffen wäre, zumal wenn Schutzausrüstung fehlt. Senioreneinrichtungen wie Casa Verita und die beiden kreiseigenen Häuser Haus am Hesterberg in Dörverden und Haus in der Bürgerei in Thedinghausen treffen natürlich Vorbereitungen für den Ausnahmezustand, hoffen aber zugleich inständig, dass der nicht eintritt.

„Zum Umgang mit dem Virus wird die Situation täglich neu bewertet, auch der innerbetriebliche Pandemieplan wird fortwährend ergänzt“, sagt Elke Lindhof, die die kreiseigenen Heime leitet. Auf Weisung des Landes seien zum Schutz der Bewohner auch weitere Bestimmungen in Kraft getreten. Beispielsweise dürften die Einrichtungen vorerst bis einschließlich 18. April keine neuen Bewohner mehr aufnehmen. „Nur Einrichtungen, die eine 14-tägige vollständige Separierung neuer Bewohner gewährleisten können, sind von der Regelung ausgenommen.“

In Kraft getreten ist laut Lindhof auch die nächste Stufe der internen Notfallplanung. „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, um das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten. In beiden Häusern wird ab sofort in kleineren Teams gearbeitet, was bedeutet, dass auf den Stationen zeitgleich weniger Mitarbeiter tätig sind, die aber mehr Stunden arbeiten.“ Personalinterne Besprechungen fänden überwiegend kontaktlos über E-Mail oder Telefon statt. Zu den nochmals verschärften Anti-Corona-Maßnahmen zähle weiter, dass das Team jetzt unter Infektionsschutz arbeite und einen Mund- und Nasenschutz trage. Lindhof: „Eine Notwendigkeit, die manchen Bewohner irritiert, aber auch hier geht ein größtmöglicher Risikoausschluss vor.“

Dankbar für jeden guten Tag in Corona-Krise

Lindhof ist klar, dass es keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion gibt. „Wir alle, die wir hier arbeiten, haben ja noch ein Privatleben. Auch finden weiterhin Arztbesuche statt, sodass die Gefahr einer symptomfreien Ansteckung bleibt.“ Die Lage sei ernst, aber nicht hoffnungslos, und deshalb würden viele mögliche Szenarien durchgespielt. „Ich habe eine gute Truppe und ich bin zuversichtlich, dass wir die Herausforderung schaffen“, sagt Lindhof. Sie sei für jeden Tag dankbar, der gut verlaufe.

Und wie ist die Stimmung unter den Senioren? „Die Bewohner vermissen natürlich ihre Angehörigen und die Kontakte nach draußen, sind aber überwiegend entspannt“, meint Lindhof. Beide Häuser hätten zwar die Gruppenangebote wegen des Coronavirus reduziert, böten dafür aber mehr Einzelbetreuung an.

Über eine Blumenspende, die Abwechslung in den doch sehr isolierten Alltag gebracht hat, freut sich die Seniorenpflege Casa Verita.

Auch begegneten Angehörige den Besuchsverboten auf teils sehr kreative Weise. „Es werden Briefe geschrieben, kleine Päckchen vorbeigebracht und natürlich viel telefoniert.“ Und vor ein paar Tagen habe man die Möglichkeit für einen Videotreff geschaffen, damit die Bewohner mit ihren Lieben auch mit Sichtkontakt telefonieren könnten.

In der Seniorenpflege Casa Verita in Dörverden zeichnet sich organisatorisch ein nahezu identisches Bild. Auch hier ist die Stimmung unter den Bewohnern nach Einschätzung von Einrichtungsleiterin Elke Salle gut. „Zum Monatsbeginn haben mich die Bewohner überlistet und mit einem Ständchen in den April geschickt“, erzählt sie. Von den meisten erfahre sie großes Verständnis. „Sie fühlen sich gut aufgehoben und geschützt“, versichert sie. Dankbar ist sie den Mitarbeitern, die via Facebook einen überaus erfolgreichen Aufruf mit der Bitte um Mundschutz gestartet haben. „Es haben mich bereits mehrere Anfragen von Menschen erreicht, die für uns nähen wollen“, so Salle erfreut.

Berührt hätte sie, dass nicht wenige Menschen ihre Bereitschaft signalisiert hätten, sich im Notfall sowohl in der Pflege als auch in der Hauswirtschaft bei Casa Verita zu engagieren. Ein großes Dankeschön gehe auch an den Hagebaumarkt in Hoya, der mit einer Pflanzenspende zur guten Stimmung beigetragen habe.

Salle: „Ein Mitarbeiter hat uns eine großzügige Ladung blühender Beetpflanzen mitsamt Pflanzkästen angeliefert. Die Bewohner haben nicht lange gefackelt und die Pflanzen in einer gemeinsamen Aktion in die Erde gebracht.“

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