Stolze Leistung
„Eine Million Schafe gezählt“: Niedersachse fährt 100.000 Kilometer auf einem „ganz normalen“ Fahrrad
Jochen Poetukat ist nicht um die Welt gefahren. Aber er hat in etwas mehr als zehn Jahren trotzdem 100.000 Kilometer auf seinem ganz normalen Fahrrad zurückgelegt – ohne Spezialausrüstung.
Langwedel – „Als Schüler musste ich jeden Tag von Tüchten nach Achim mit dem Rad zur Schule. Als das vorbei war, hab‘ ich mir geschworen: Nie wieder!“, sagt Jochen Poetukat und schmunzelt. „Na, ja. Als Rentner hat man dann ja aber Zeit ...“ Und die Lust am Radfahren hatte er da schon längst wieder entdeckt.
Man schrieb den 15. Juli 2014, als Jochen Poetukat bei Fahrrad Warnke und Wolfgang Wegner in Verden-Walle im Laden stand. Er brauchte ein neues Fahrrad. „Das alte hatten sie ihm in Budapest geklaut – und die nächste Radtour war ja schon geplant“, wirft Ehefrau Elisabeth Poetukat ein.
Mann aus dem Kreis Verden hatte sich ursprünglich 50.000 Kilometer vorgenommen
Da stand also in Walle dieses ganz normale Trekkingrad der Marke „Green‘s“, das ihm sofort gefallen hat. „Von der Marke hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Ist aber aus Deutschland.“ Und zwar eines aus dem Süden der Republik, von der Firma Winora-Staiger. Das Rad wird gekauft, schon mit einem Vorsatz: „50.000 Kilometer hatte ich mir vorgenommen.“ Als die am 13. November 2020 voll waren, „wollte ich auch die 100.000 Kilometer schaffen.“ Das hat Jochen Poetukat, und zwar am 15. April 2025. Alles mit ein und demselben Rad, dem man diese Laufleistung nicht wirklich ansieht.
Gut, der Aufkleber von Fahrrad Warnke ist fast nicht mehr zu lesen. Das Rad war dort jedes Jahr zur Inspektion. „Da war ich immer sehr, sehr zufrieden mit.“ Wolfgang Wegner hat sich nicht allein um neue Batterien für den Tacho gekümmert, er hat auch immer den Kilometerstand notiert und bestätigt. Das „Green‘s“ hat ein paar Verschleißteile ersetzt bekommen. „Viermal neue Reifen, zweimal ein neues Tretlager.“ Bei 80.000 Kilometer hat er sich einen neuen Sattel gekauft, vorher war es ein Ledersattel. Sämtliche Hoffnungen, den klassischen Sitz irgendwann doch einmal zum vollen Wohlgefallen einzufahren, hatten sich zerschlagen.
6.000 Kilometer im Jahr sind für den Niedersachsen kein Problem
Jochen Poetukat fährt definitiv etliche Kilometer mit dem Rad. So 6.000 im Jahr sind kein Problem. 2023 war das Spitzenjahr mit 23.000 Kilometern. Doch, er hat auch ein Auto und den dazugehörigen Führerschein. Nur, dass der Wagen meistens in der Garage steht.
Die 99.999 Kilometer hat der Völk‘ser, der schon zumindest im Ort dafür bekannt ist, fast immer mit einer roten Jacke unterwegs zu sein, am 14. April voll gemacht. „Das war geplant“, verrät seine Frau. „Er ist an dem Tag ein paar Mal vor dem Haus auf und ab gefahren.“ Allgemein ist Poetukat aber nicht nur allein unterwegs, sondern mit zwei Gruppen Gleichgesinnter.
„Eine Million Schafe gezählt“ – Radfahrer aus Kreis Verden über seine Touren im Norden
Eine fährt große Wochentouren. In die Lüneburger Heide etwa oder den Main-Radweg, den Elbe-Radweg. „Da hatten wir tolle Begebenheiten.“ Wie das Weinfest am Main-Radweg zum Beispiel. Den Ostseeradweg sind sie gefahren und den Nordseeradweg. „Da haben wir eine Million Schafe gezählt. Sonst war da nicht so viel.“
Dann ist da noch die Truppe aus Völkersen am Montagmorgen. „Die fahren das ganze Jahr“, sagt Elisabeth Poetukat. „Bei Wind und Wetter.“ Ihr Mann sagt: „Ja, aber wenn das stark regnet, fahren wir nicht.“ Das gilt aber nur, wenn es zur geplanten Startzeit schüttet. „Stimmt. Sonst ist das egal.“ Wenn es unterwegs regnet, dann tut es das eben.
Der einzige aus seinen Radfahrer-Gruppen, der kein E-Bike fährt
Die Völk‘ser Radler sehen zu, dass sie um 13 Uhr immer wieder zu Hause sind. 30 bis 90 Kilometer lang sind ihre Touren. Das hängt vom Wetter und der Jahreszeit ab. Bis zu zwölf Leute sind unterwegs. Eines ist ihnen ganz wichtig: Es muss unterwegs ein Café angesteuert werden. Was nicht immer so einfach zu machen ist. So viele Leute müssen erst einmal Platz finden. „Und in der Corona-Zeit gab es dann lange Schlangen.“ Weil sie sich einzeln anstellen mussten.
Jochen Poetukat ist in beiden Gruppe der einzige, der noch nicht mit elektrischer Unterstützung fährt. Er und sein „Green‘s“ kommen ohne Strom aus. Der 77-Jährige hat es noch nicht einmal ausprobiert. Warum auch? Er will sein Fahrrad mit der Acht-Gang-Nabenschaltung erst einmal weiterfahren.