Corona lässt Tourismus einbrechen

Reisebüro Kühl aus Langwedel demonstriert mit Bündnis in Hannover

Schaufenster-Botschaft: „Wir sind für Sie da & zählen auf Sie! Buchen Sie nach Corona in Ihrem Reisebüro Kühl“ – so richtet sich Geschäftsinhaberin Rieke Kühl, die zurzeit im Homeoffice ist, an die Kunden. Ab 4. Mai hat der Laden wieder geöffnet. Foto: Duncan
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Schaufenster-Botschaft: „Wir sind für Sie da & zählen auf Sie! Buchen Sie nach Corona in Ihrem Reisebüro Kühl“ – so richtet sich Geschäftsinhaberin Rieke Kühl, die zurzeit im Homeoffice ist, an die Kunden. Ab 4. Mai hat der Laden wieder geöffnet.

Langwedel - Mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat eine Branche ganz besonders zu kämpfen: die Touristik. Das betrifft auch Rieke Kühls Reisebüro in Langwedel. Seit 2011 betreibt sie mit zwei Mitarbeiterinnen das Ladenlokal an der Hauptstraße 1.

Um die Politik auf den Notstand dieses Wirtschaftszweigs aufmerksam zu machen, nimmt Kühl am heutigen Mittwoch zusammen mit etwa 200 weiteren Touristikbeschäftigten an einer Demonstration in Hannover teil. Der Veranstalter, das Aktionsbündnis Rettet die Touristik (unter anderem Reisebüros, mittelständische Reiseveranstalter, Busunternehmen und Mitarbeiter von IT-Firmen), rechnet bundesweit mit rund 10 .000 Teilnehmern. Auch Nachbarländer wollen in den nächsten Tagen nachziehen, sofern die öffentlichen Versammlungen genehmigt werden.

Die Reisebranche ist Kühl zufolge besonders stark durch die Krise beeinträchtigt. Die Stornierungen begannen nicht erst im März, sondern bereits Ende Februar. „Wir sind die ersten, die von der Krise betroffen waren, und die letzten, die betroffen sein werden“, sagt Rieke Kühl und ergänzt: „Selbst wenn wir wieder öffnen, ist der verlorene Umsatz nicht wieder aufzuholen. Die Touristik wird nach Corona nicht mehr sein wie vorher.“

Dass die Branche nicht nur aus großen Konzernen besteht, darauf möchte das Aktionsbündnis das Augenmerk lenken. Staatliche Hilfe konzentrierten sich bisher weitgehend auf prominente Konzerne wie TUI und Lufthansa. Fast unbeachtet blieben dagegen die zehntausenden klein- und mittelständischen Unternehmen, ohne die das Reisegeschäft nicht funktionieren würde. Mit den vielen Kundenanfragen zu Stornierungen und Umbuchungen würden die Reisebüros alleine gelassen, erzählt Kühl. „Damit haben wir für jede Reise 200 Prozent Arbeit“ – während auf der anderen Seite die Einnahmen gleich Null seien.

Viele der Reisen, die in die Krisenzeit fallen, seien bereits Mitte vergangenen Jahres gebucht worden. Daher sei es für die Reisebüros bisher auch keine Option gewesen, etwa durch Kurzarbeit Ausgaben herunterzufahren. „Bis jetzt war das wegen der vielen Umbuchungen und Rückabwicklungen nicht möglich“, berichtet Reiseverkehrskauffrau Kühl. Und Rücklagen? In der seit Jahren kränkelnden Branche (Insolvenzen von Fluglinien, Aschewolke etc.) ebenfalls Fehlanzeige, vermutet Kühl.

Drei wesentliche Forderungen verfolgt das Aktionsbündnis Rettet die Touristik: 1. Arbeit bezahlt bekommen, etwa indem die Provisionen in den Reisebüros bleiben, 2. einen deutschen Reise-Rettungsfonds, 3. zeitnahe Soforthilfen ohne Rückzahlungen.

Damit, dass der Tourismus-Motor schnell wieder anspringt, rechnet Rieke Kühl nicht: „Ich traue mich nicht, zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose abzugeben.“ Vieles hinge von Reiseempfehlungen und Einreiseverboten ab. Für den Sommer erwartet sie daher „erdgebundene Reisen in Deutschland oder den Nachbarländern – aber wir hoffen natürlich, dass auch Flugreisen bald wieder möglich sind“.

Maximal 220 Personen wurden zur Demonstration in Hannover zugelassen. Das Tragen von Mundschutz sei keine Pflicht, jedoch müssten die Abstandsregeln beachtet werden. Kühl selbst wird mit Kollegen aus ganz Niedersachsen in Touristenkluft protestieren. In den sozialen Netzwerken tauschen Teilnehmer des Aktionsbündnisses ihr Profilbild gegen den Spruch „Wir sind Touristik“.

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