Viele Bäume sind gefallen
Freilicht-Theatersaison ist zu Ende, bevor sie angefangen hat
Daverden - Irgendetwas ist anders. Ja, gut. In diesen Zeiten der Corona-Krise sowieso. Aber auch im Daverdener Holz und auf der Freilichtbühne ein Stückchen oberhalb der Alten Aller. Es ist so hell. Das bekannte grüne Dach gibt es nicht mehr. Was einer der Gründe ist, warum Volker Penczek und Günter Kothe nicht gerade strahlen wie der helle Sonnenschein persönlich.
Penczek als Vorsitzender der Theaterabteilung und Kothe für den Förderverein der Bühne wollten gern die Sanierungsarbeiten auf der idyllisch gelegenen Spielstätte erläutern und müssen jetzt die Absage auch der plattdeutschen Theatersaison in Daverden verkünden. Am 8. August hätte Premiere sein sollen. Am 29. Mai hätte das Märchenstück beginnen sollen. „Hätte, hätte, Corona.“ Mal wieder.
„Der Vorstand hat entschieden, dass die komplette Saison abgesagt wird“, sagt Volker Penczek seufzend. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 100 Jahre TSV Daverden, 100 Jahre Theater im Verein, 70 Jahre Freilichtbühne. Die hatte man zum Jubiläumsjahr extra herausgeputzt.
Zum Teil nicht freiwillig. Drei richtig große alte Buchen mussten gefällt werden. Jedes Jahr kommen Baumkletterer auf die Bühne, asten den Bestand aus. Das Publikum darf ja auf keinen Fall gefährdet werden. In einem Winter vor drei, vier Jahren stürzte ein Baum auf die Bühne, ohne großen Sturm. Die Daverdener wurden noch aufmerksamer, ließen die Bäume rundum überprüfen. Ergebnis: Drei sind durch die Trockenheit so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie wegmussten. „Wir haben wirklich keinen Baum weggenommen, der nicht wirklich wegmusste“, sagt Volker Penczek.
Nebenan im Daverdener Holz musste auch ausgelichtet werden, der Borkenkäfer und die Trockenheit hatten zugeschlagen, viele Bäume mussten gefällt werden.
Zum Jubiläumsjahr ging man auf der Bühne selbst daran, die ersten drei Zuschauerreihen wieder vernünftig herzurichten, die Sitzhöhen auf ein vernünftiges und gleiches Maß anzupassen. Die Seiten der Zuschauerarena wurden mit großen Steinmauern befestigt.
Die Sanierung hat natürlich gekostet, etwas über 43.000 Euro. Davon hat die Gemeinde 13.000 Euro bezahlt, das Amt für regionale Landesentwicklung gab 19.000 Euro. 7000 Euro zahlte der Förderverein der Freilichtbühne Daverden, den Rest die Bühne selbst.
Die Einschränkungen für Veranstaltungen mit vielen Menschen gelten noch bis Ende August. Selbst wenn sie vorher gelockert werden sollten, wie bringt man 300 bis 350 Menschen auf den Zuschauerplätzen unter? Das ist der Zuschauerschnitt in Daverden. Mit viel Abstand? Da stellt sich die typische Freulichtbühnenatmosphäre garantiert nicht ein.
Die Schauspieler haben sich bis jetzt per Videokonferenz in ihr Stück eingelesen. Das ist auch nicht optimal. Jetzt mit der Absage haben nicht nur die Fans der Bühne Planungssicherheit, sondern auch die Darsteller.
„Ein paar Restarbeiten sind noch zu machen“, überlegt Günter Kothe. „Die machen wir so nach und nach.“ Aber wenn, dann einer allein. Oder Zweiergrüppchen. „Richtige Arbeitsgruppen haben wir schon lange nicht mehr“, so Kothe.
„Außerdem ist hier so viel Platz, dass man sich aus dem Weg gehen kann“, sagt Volker Penczek und zuckt mit den Achseln.