„Wenn er das Virus bekommt, stirbt er“

Katja Tecklenburg hat Angst um Sohn Sam und kritisiert Corona-Verharmlosung

Sam (12) zählt wegen seiner Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Foto: Tecklenburg
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Sam (12) zählt wegen seiner Vorerkrankungen zur Risikogruppe.

Ottersberg - Zumeist jüngere Leute, die sogenannte Corona-Partys feiern, schlagen die Warnungen vor zu viel Nähe zu Mitmenschen angesichts der Corona-Pandemie in den Wind. In den Sozialen Medien verbreiten manche auch ihre Thesen. Tenor: Weg mit den über 80-Jährigen, dann werden wenigstens die Rentenkassen entlastet.

Ein solches Verhalten und Verbreiten seniorenfeindlichen Denkens geht der Ottersbergerin Katja Tecklenburg-Karhoff gehörig gegen den Strich. „Das kotzt mich an!“ Ebenfalls über Facebook zum Beispiel macht sie bei einer Aktion mit, die „Risikogruppen ein Gesicht“ geben soll. Das sind für sie neben den älteren Mitbürgern („zur Risikogruppe zählen auch schon die über 60-Jährigen – und die zahlen in der Regel noch in die Rentenkassen ein“) auch die behinderten Menschen.

Zum Beispiel ihr Sohn Sam, der unter dem Down-Syndrom leidet. „Sam hat Trisomie 21, zählt somit automatisch zu der vorerkrankten Risikogruppe“, berichtet die Mutter. Zusätzlich hat der heute Zwölfjährige, der zu früh geboren wurde, ein kleines Loch im Herzen. Und er war wegen zweier Lungenentzündungen schon in akuter Lebensgefahr. Einmal platzte sogar der Blinddarm und die Lungen kollabierten. „Der Arzt sagte uns damals: Entweder er überlebt die Nacht oder er stirbt“, erinnert sich Katja Tecklenburg-Karhoff mit Grausen an eine von mehreren lebensbedrohenden Situationen. Und darum schließt sie sich in den Sozialen Netzwerken einem Beitrag an und bittet in freundlichen Worten, das Virus nicht zu verharmlosen, „bloß weil es für dich harmlos ist“ und dass sich die Leute an die „Ausgangsregelungen halten, damit die Maßnahmen bald greifen“.

Appell an Social-Media-Nutzer wegen Corona-Gefahr

Und weiter: „Darf ich dich bitten, Rücksicht zu nehmen und deinen Beitrag zu leisten, dass mein Sohn noch älter werden kann. Und ganz viele andere Kinder, die noch so vieles erleben möchten? Danke! Du bist heute mein Held! Danke, dass du nicht über Menschen urteilst, in deren Schuhe du Gott sei Dank nicht gehen musst.“

Sam lebt mit seinen Eltern und den fünf und sechs Jahre alten Schwestern bereits seit 16 Tagen in einer Schutzquarantäne. Die Mutter ist in großer Sorge um ihren Sohn. Für sie ist klar: „Wenn Sam das Coronovirus bekommt, wird er sterben.“ Für sie ist nicht auszudenken, dass es womöglich zu solchen Situationen wie gegenwärtig in Italien kommt und auch hier von den Ärzten entschieden werden muss, wer durch das Beatmungsgerät weiter versorgt werden darf und wer nicht. „Wenn hier Sam liegt – und im Bett nebenan ein 20-jähriger Gesunder, ist klar, dass der nicht überlebt, der die Pflegekassen ohne hin schon erheblich belastet.“

Seit Jahren kämpft Katja Tecklenburg für die Teilhabe ihres Sohnes. So ist er seit Kurzem Mitglied der Jugendfeuerwehr. „Die erleben das als Bereicherung.“

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