Erst 4500 Stimmzettel-Rückläufer

Bürgermeisterwahl in Ottersberg: Wahlbeteiligung liegt noch unter 50 Prozent

Briefwahl ist bis Sonntag 18 Uhr möglich. Der Postkasten am Rathaus wird mehrmals täglich geleert. Foto: Woelki
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Briefwahl ist bis Sonntag 18 Uhr möglich. Der Postkasten am Rathaus wird mehrmals täglich geleert.

Ottersberg - Ordnungsamtschef Eckhard Bruns ist in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner bei Funk und Fernsehen weit über die Ortsgrenzen hinaus. Denn in Ottersberg spielt sich gerade Historisches ab: Wegen der Coronavirus-Ansteckungsgefahren wählt eine Gemeinde ihren Bürgermeister erstmals nicht sonntags in Wahllokalen, sondern allein und ausschließlich per Briefwahl. Mehr Infektionsschutz geht nicht, aber das bedeutet rechtliches Neuland und einen Riesenaufwand für den federführenden Wahlorganisator Bruns und sein Team.

10 .500 Bürgerinnen und Bürger haben Anfang April ihre Wahlunterlagen per Post erhalten – und noch bis jetzt Sonntag 18 Uhr Zeit, die roten Wahlbriefe mit Wahlschein und dem separat im blauen Umschlag beizulegenden Stimmzettel zurückzugeben. Entweder auf dem Postweg, was allerdings langsam knapp wird, oder per Einwurf direkt in den Briefkasten am Haupteingang des derzeit für den Publikumsverkehr geschlossenen Rathauses an der Grünen Straße.

Der Briefkasten wurde eigens mit einem großen Auffangbehälter präpariert und wird mehrmals am Tag geleert. Alles in allem dürfte es aber ruhig ein bisschen mehr sein, meint Bruns. Die Zahl der bisherigen Wahlbrief-Rückläufer schätzt er auf rund 4.500 – also noch deutlich unter 50 Prozent. „Das ist gar nicht so viel“, und deshalb schwant Bruns „keine überwältigende Wahlbeteiligung“, höchstens vielleicht bis zu 60 Prozent. „Wir hoffen, dass noch was kommt“, wünscht sich der Wahlorganisator jetzt einen regen Endspurt bei der Briefwahl.

Wer tritt Nachfolge von Horst Hofmann an?

Das wünschen sich auch die beiden Bürgermeisterkandidaten Reiner Sterna (CDU) und Tim Willy Weber (FGBO). Beide haben in einem durch Corona arg erschwerten Wahlkampf alles getan, um für sich und die Wahl zu werben. Immerhin geht es um nicht weniger als die basisdemokratische Entscheidung, wer ab 1. Juli in Nachfolge von Horst Hofmann als oberster Bürger für sechs Jahre an der Spitze des Fleckens Ottersberg stehen, die Kommunalverwaltung führen und die Geschicke der Gemeinde politisch lenken soll. Jeder Wähler hat dafür eine Stimme und kann sein Kreuz entweder bei Sterna oder bei Weber machen.

Keine ehrenamtlichen Wahlhelfer zählen Stimmen aus

Die Wahlbriefe sammeln Bruns und seine Mitstreiter in Umzugskartons. Bislang vier gefüllte Kartons stehen sicher verwahrt im Tresorraum des Rathauses. Am Sonntag werden sie in die Aula der Wümmeschule verfrachtet. Hier richtet die Verwaltung das Briefwahlauszählungszentrum ein. „Auf ehrenamtliche Wahlhelfer haben wir verzichtet, um deren Gesundheit nicht zu gefährden“, sagt Bruns. Stattdessen seien 30 Freiwillige aus den Reihen der kommunalen Beschäftigten akquiriert worden, die am Sonntag in zwei Schichten und „coronatechnisch“ unter strikten Auflagen Wahlbriefe öffnen und Stimmen auszählen. Bruns zufolge werden dafür um die 15 Einzelarbeitsplätze mit ausreichend Abstand eingerichtet, Laufwege festgelegt, Gesichtsmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Sonntag um 10 Uhr soll und darf die Vorprüfung beginnen: Die bis dahin eingegangenen roten Wahlbriefe werden geöffnet, die Wahlscheine auf Korrektheit geprüft und die blauen Umschläge mit den enthaltenen Stimmzetteln verschlossen in Wahlurnen versenkt. Dieses Prozedere „nimmt den meisten Raum ein“, so Bruns, „jeder Helfer bekommt einen großen Stapel, der sorgsam abzuarbeiten ist“. Im Laufe des Tages werden – das letzte Mal um 18 Uhr – weitere noch eingehende Wahlbriefe aus dem Briefkasten des Rathauses gefischt und auf die selbe Weise vorsortiert.

Auszählung der Stimmen beansprucht voraussichtlich viel Zeit

Kurz nach 18 Uhr beginnt die eigentliche Auszählung. Die Urnen werden ausgekippt, die blauen Umschläge geöffnet, die Stimmzettel entnommen und ausgewertet. „Wir wollen bis zehn, halb elf fertig werden“, plant Bruns, der Vorsitzender des Briefwahlvorstands ist. Hakt es irgendwo beim Auszählen, „müssen wir das notfalls am Montag zu Ende führen“.

Für die bei der Stimmenauszählung zwingend herzustellende Öffentlichkeit plant der Wahlvorstand, die beiden Flügeltüren zur Aula als „Guckfenster“ zu öffnen. Betreten werden darf der Saal aus Infektionsschutzgründen nicht, und Besucher werden Bruns zufolge gebeten, sich nicht zu lange aufzuhalten, um mögliche Staubildungen zu vermeiden. Zwischenergebnisse werden nicht verkündet: „Wir können keine große Show bieten.“

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