Lernbetrieb läuft schrittweise an

Oberschulrektor Lerdon: Wümmeschüler halten Maskenempfehlung vorbildlich ein

Abstand halten und Mundschutz tragen – in Corona-Zeiten sind diese Gebote auch auf dem Schulhof Pflicht. Nur eine Schülerin darf im Gesicht textilfrei bleiben. Der Maskenpflicht steht eine andere – nicht ansteckende – Erkrankung entgegen, wie sie per ärztlichem Attest bescheinigen kann. Fotos: Duncan
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Abstand halten und Mundschutz tragen – in Corona-Zeiten sind diese Gebote auch auf dem Schulhof Pflicht. Nur eine Schülerin darf im Gesicht textilfrei bleiben. Der Maskenpflicht steht eine andere – nicht ansteckende – Erkrankung entgegen, wie sie per ärztlichem Attest bescheinigen kann.

Ottersberg - Viele Wochen blieben die Flure der Schulen weitgehend leer, die Schultore geschlossen – eine Maßnahme, die die Bundesregierung aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus verhängt hatte. Nun läuft der Schulbetrieb auf Grundlage des Bund-Länder-Beschlusses stufenweise wieder an. Seit Montag, 27. April, können die Abschlussjahrgänge wieder die Klassen betreten. Dort läuft der Unterricht aber zunächst im Schichtbetrieb. An der Wümmeschule Ottersberg nutzen insgesamt 53 Schüler (43 Zehntklässler und zehn Neuntklässler) wieder die Klassenräume, berichtet Oberschulrektor Dominik Lerdon.

Denn in knapp drei Wochen beginnen die schriftlichen Prüfungen für den erweiterten Realschulabschluss und den Realschulabschluss beziehungsweise den Haupt- und Förderschulabschluss. „Wir sind sonst vierzügig. Aber dieses Jahr haben wir in Jahrgang 10 nur zwei Klassen, was mir in der aktuellen Situation zugegebenermaßen sehr gelegen kommt“, erläutert Lerdon.

Wegen der Ansteckungsgefahr hat das Niedersächsiche Kultusministerium ein Hygienekonzept erstellt. Es ruht auf den drei Pfeilern Mindestabstand, Mundschutz und Händewaschen. Demnach dürfen pro Klasse maximal 15 Schüler gleichzeitig unterrichtet werden. Darum wurden die Klassen geteilt. Welche Schülerinnen und Schüler an welchen Tagen in die Schule kommen, wird per IServ, dem Niedersächsischen Bildungsserver, mitgeteilt. Begrenzt wird auch die Gruppengröße auf dem Schulhof, weshalb die Pausen zeitversetzt in Kleingruppen genommen werden.

Kein Zeigestock, sondern Abstandshalter: Schulleiter Dominik Lerdon und eine Lehrkraft mit einem 1,5 Meter langen Holzstab, der Schülern die Distanz in Erinnerung rufen soll.

Im Unterricht liegt der Fokus auf Deutsch, Mathe und Englisch. Die restlichen Fächer sollen die Schüler im „Lernen zu Hause“ bearbeiten, das in Niedersachsen am 22. April für alle Jahrgänge verbindlich begonnen hat.

In den Gängen und auf dem Schulhof empfiehlt das Kultusministerium das Tragen von Mund-Nasen-Schutz. „Das tun alle anstandslos beim Betreten der Schule“, berichtet Lerdon erfreut. Das gelte auch für die Busfahrt.

In den Klassen herrsche krisenbedingt wieder Frontalunterricht, die Schüler sitzen an Einzeltischen mit Abstand zueinander. Dafür könne dort auf das Tragen von Mundschutz verzichtet werden, sagt Lerdon. Die Türen der Klassenzimmer stehen offen, um Luftzirkulation zu ermöglichen und das Anfassen von Türklinken zu vermeiden. Ebenfalls Pflicht beim Eintritt in die Schule ist das Händewaschen. „Hier haben wir hervorragende Bedingungen“, so Lerdon. Genügend Waschbecken, Seifenspender und Hygienespray seien vorhanden.

Überall in der Schule: Merkblätter mit Regeln.

Die Lehrkräfte müssten jedoch verstärkt darauf schauen, wie die Schüler sich jenseits des Klassenraums verhalten: „Das große Problem, was wir festzustellen, ist das Einhalten der Mindestabstandsregeln“, weiß Lerdon. Das gelte sowohl für den Weg zum Waschbecken als auch für die klassische Cliquenbildung auf dem Schulhof. So gehe von der Schule eine Signalwirkung aus für junge Leute, die sich seit Wochen fast nur im Kreise der Familie bewegt haben, wo sie keine Abstandsgebote beachten mussten. Auf der Schul-Homepage, mittels Elternbriefen und persönlicher Ansprache appelliert der Schulleiter an das Verantwortungsgefühl der Wümmeschüler: „Ihr seid diejenigen, die entscheiden, ob es nach dem 18. Mai weitergehen kann oder nicht.“ Denn dann könnten noch sukzessive etwa 100 Schüler dazukommen.

Im „Lernen zu Hause“ sei der schulinterne Bildungsserver IServ „die Kommunikations- und Arbeitsebene, die hier intensiv genutzt wird“. Während die Wümmeschule schon seit Jahren auf digitalen Lösungen setzt, hat Lerdon seit Beginn der Corona-Krise eine Steigerung der Datenmenge um 500 Prozent festgestellt. Auch die Verfügbarkeit von PC oder Smartphone in den Familien werde oft unterschätzt. Ein Beispiel: Schüler, die zu Hause keinen Drucker haben, hätten die Aufgabenblätter abgeschrieben und mit Lösungen in den Schulpostkasten geworfen.

Einbahnstraße: Der Schulgang ist nur in einer Richtung zu passieren.

Laut Lerdon freuen sich viele übrigens, wieder zurück in der Schule zu sein. Neben den sozialen Kontakten bestehe so auch die Möglichkeit, direkte Nachfragen an die Lehrer zu stellen. „Denn wir haben nicht sofort mit den Prüfungsvorbereitungen begonnen, sondern erst mal Unterrichtsstoff aufgeholt. Wer etwas anderes behauptet, lügt sich in die Tasche“, ist Lerdon überzeugt.

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