Wahlbeteiligung bei fast 68 Prozent

Bürgermeisterwahl zu Zeiten von Corona - Weber siegt mit 51,56 Prozent

Fifty-fifty verhießen die Stimmzettelstapel.
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Fifty-fifty verhießen die Stimmzettelstapel.

Ottersberg - Ottersberg hat gewählt: Tim Willy Weber wird neuer hauptamtlicher Bürgermeister des Fleckens und am 1. Juli Horst Hofmann auf dem Chefsessel des Rathauses nachfolgen. Bei der als Briefwahl organisierten Direktwahl schenkten 3.511 Wählerinnen und Wähler mit 51,56 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen dem 48-jährigen Politikwissenschaftler und jetzigen FGBO-Ratsfraktionsvorsitzenden ihr Vertrauen. Auf Webers Kontrahenten, CDU-Kandidat Reiner Sterna, entfielen 3.299 Stimmen (48,44 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei sehr beachtlichen fast 68 Prozent.

„Toll“, freute sich Wahlsieger Weber über das Ergebnis, das jedoch denkbar knapp ausgefallen sei: „Deshalb bin ich einfach erstmal dankbar.“ Schade, dass es keine Wahlparty geben dürfe – „aber die wird nachgeholt“, versprach Weber. „Drei sehr intensive Monate“ lägen hinter ihm, und das müsse jetzt erstmal „alles sacken“.

„So kurz vor dem Ziel“ an 212 Stimmen Differenz zu scheitern, das sei bitter, äußerte sich Wahlverlierer Reiner Sterna enttäuscht. Es sei eine knappe Wahl gewesen, bei der er nun den Kürzeren ziehe. „Jetzt schauen wir nach vorne auf die Kommunalwahlen 2021“, sagte der CDU-Politiker und Posthausener Ortsbürgermeister, „ich mache weiter und werde nichts hinschmeißen.“

Briefwahl-Auszählung unter Corona-Bedingungen: An Einzelarbeitsplätzen mit viel Abstand öffnen die Wahlhelfer am Abend die Stimmzettel-Umschläge.

Insgesamt beteiligten sich 7.036 Bürgerinnen und Bürger an der Wahl – 226 Stimmabgaben waren ungültig. Die Auszählung der Stimmen am Sonntagabend ging flotter als gedacht – bereits kurz nach 20 Uhr verkündete Ordnungsamtschef und Briefwahlvorstand Eckhard Bruns in der Schulaula das Ergebnis. Als Gemeindewahlleiter bedankte sich Bürgermeister Horst Hofmann bei beiden Kandidaten für den „fairen Wahlkampf“, gratulierte Wahlsieger Weber und überreichte mit der gebotenen Distanz Blumen.

Wahlsieger Tim Willy Weber (li.) nahm aus den Händen seiner Frau Silvia Gauss die Blumen von Gratulant Horst Hofmann (re.) entgegen. Händeschütteln ist in Corona-Zeiten tabu. Am 1. Juli folgt Weber, gewählt für sechs Jahre, Hofmann im Amt als Ottersberger Bürgermeister.

Es war ein Wahlsonntag, wie es ihn landesweit noch nicht gegeben hat. Wegen des gebotenen Infektionsschutzes während der Corona-Epidemie ging die Bürgermeisterwahl als reine Briefwahl über die Bühne. Eine Ausnahmesituation, für die nicht mal das Landeswahlgesetz vorgegebene Lösungen parat hatte. Für die Rechtssicherheit hatte die Ottersberger Wahlleitung die briefliche Direktwahl akribisch bis ins Detail vorbereitet. 10. 379 Bürgerinnen und Bürger hatten ihre Wahlbriefe per Post zugestellt bekommen und schickten in den vergangenen drei Wochen in großer Zahl die Unterlagen samt dem jeweils extra einzutütender Stimmzettel retour.

Ein respektvoller Handschlag von Wahlverlierer Reiner Sterna (li.) und Sieger Weber musste trotz Corona sein.

Viele ließen sich mit ihrer Wahlentscheidung bis zum letzten Moment Zeit: 90 rote Wahlbriefe fischte der stellvertretende Gemeindewahlleiter Christian Heinrich bei der letzten Leerung des Rathaus-Briefkastens um 18 Uhr noch aus dem Auffangbehälter. Zuvor hatten die Wähler am Sonntag nach Heinrichs Beobachtung teils Schlange vor dem Briefkasten gestanden. Offenbar wollten viele nicht mit der guten Tradition, direkt am Wahlsonntag ihre Stimme abzugeben, brechen. Und „manche haben bis zur letzten Minute gewartet“, sagte Bürgermeister Horst Hofmann mit einem Schmunzeln. Höchstes Lob zollte Hofmann dem örtlichen Postboten, der in Eigeninitiative am Sonntag nochmal die gelben Briefkästen der Post leerte – und auch noch 30 offenbar zu spät abgeschickte Wahlbriefe fand, die er ans Rathaus weiterleitete. Am Ende strahlten alle Beteiligten über mehr als 7.000 abgegebene Wahlzettel – eine Beteiligung, die gegen Ende der Woche so noch nicht erwartet worden war.

Herzen und küssen durfte den frisch gewählten neuen Bürgermeister Weber am Abend nur seine Frau Silvia.

Kurz nach 18 Uhr legten in der Aula die 20 Stimmenzähler aus Reihen der Gemeindebediensteten los – unter strengen hygienischen Bedingungen an Einzelarbeitsplätzen auf Abstand. Nochmal kurz die Schultern gelockert und die Lesebrillen geradegerückt, dann startete das große Sortieren: Die Stimmzettel wurden aus den blauen Umschlägen geholt, entfaltet und jeweils auf zwei Stapeln gesammelt – einer für Sterna, einer für Weber. Schnell zeichnete sich ab, dass es eng werden würde. An allen Tischen das gleiche Bild: Ein Zettel rechts, ein Zettel links – „es sieht nach fifty-fifty aus“, meinte Wahlleiter Hofmann. Er sollte fast Recht behalten, aber nur fast. Mit 51,56 Prozent Wählerzuspruch jubelte am Ende des Abends Tim Willy Weber.

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