Wegen Coronavirus
Zirkusfamilie strandet in Bassen und erlebt selbstlose Großzügigkeit
Bassen - Immer mal wieder kommt jemand mit Kartoffeln oder Äpfeln als Geschenk vorbei, erzählt Ronny Trumpf. Und manchmal, wenn die Familie morgens aufsteht, hängt eine Tüte Brötchen am Zaun vor den Wohnwagen, dazu ein Päckchen Frischkäse und eine kleine Nachricht: „Guten Appetit!“ Die Bassener unterstützen die im Ort gestrandete Zirkusfamilie großherzig. „Die Leute sind so toll. So herzliche Menschen haben wir noch nie erlebt. Wir sind so dankbar für die ganze Hilfe“, sagen Ronny und Katja Trumpf gerührt.
Vor gut zwei Wochen berichtete unsere Zeitung über die siebenköpfige Artistenfamilie, die gerade aus dem Winterquartier in Langwedel aufgebrochen war, als ihre Tour auch schon wieder zu Ende war: Wegen der Corona-Pandemie wurden alle Gastspiele abgesagt. Keine Auftritte, keine Einnahmen, kein Fahrtziel – mittellos gestrandet in Bassen.
Die Gemeinde Oyten stellte den Parkplatz der Grundschule an der Dohmstraße als Stellplatz zur Verfügung und legte Wasser- und Stromversorgungsleitungen von der benachbarten Kita zu den Wohnwagen der Familie. Die lebt von der Hand in den Mund und bat um Spenden aus der Bevölkerung. Vor allem fehlte es an Gas zum Heizen und Kochen sowie an Lebensmitteln. Der Hilferuf löste ein großes Echo aus.
Ein Öl- und Gasunternehmen lud acht Gasflaschen vor der Wagenburg ab. „Das reichte erstmal für sechs Tage“, erzählt Katja Trumpf dankbar. Jetzt kommt die Familie mit dem Gas dank der Frühlingstemperaturen sowieso länger hin: „Es ist kein Dauergas mehr nötig, um in den Wohnwagen nicht zu frieren“, sagt die Familienmutter erleichtert. Menschen aus dem Ort und der Nachbarschaft brachten und bringen Sach- und Lebensmittelspenden: Obst und Gemüse, beim örtlichen Discounter gekaufte Gutscheine zum Einlösen, Schokohasen für die Kinder ... Und den eigenen Kindern zu klein gewordene Kleidung, über die sich jetzt die Nachwuchsartisten Justin (18), Samuel (14), Steven (10), Jake (7) und Vienna (5) freuen. Sogar einen Tretroller und ein Kinderfahrrad bekam die Familie geschenkt.
Zirkusfamilie hat kein festes Zuhause und ist auf Unterstützung angewiesen
„Seid glücklich, dass ihr hier gestrandet seid – hier ist der Zusammenhalt noch stark“, habe ein Bassener zu ihm gesagt. Und jetzt weiß Ronny Trumpf, was er gemeint hat: „Das alles hier, so lieb und so herzlich, das werden wir nie vergessen, egal wohin wir fahren.“
Erstmal fahren Trumpfs wegen des Coronavirus nirgends hin: Gastspiele sind nicht in Sicht, und irgendwo ein festes Zuhause haben sie nicht. Sorgenvoll blickt Ronny Trumpf auf die Zeit, wenn die Schule wieder losgeht: Dann werden sie den Parkplatz wohl freimachen müssen. „Wir hoffen, dass uns die Gemeinde Oyten dann mit einem anderen Stellplatz helfen kann.“ Oder vielleicht ein Privatmensch, denn „wir brauchen nur eine kleine Wiese und haben außer Tauben und einem kleinen Hund ja auch keine Tiere“, hofft Ronny Trumpf auf eine spätere Stellmöglichkeit.
Artisten möchten sich mit Gratis-Vorstellung bedanken
Am allerliebsten würden die Artisten natürlich weiterziehen: „Wir sitzen auf heißen Kohlen. Wir haben ja nichts zu tun außer trainieren, neue Nummern einstudieren und die Wagen in Ordnung halten.“ Aber bis öffentliche Veranstaltungen mit Publikum in Zeiten von Corona wieder möglich sind, wird es noch eine Weile dauern. Als Erstes will die Familie Trumpf dann eine Gratis-Vorstellung in Bassen geben: „Als kleines Dankeschön für die Menschen, die uns so sehr helfen.“ Katja Trumpf denkt dabei nicht nur an die Sachspenden, sondern auch an die ihrer Familie in Bassen entgegengebrachte Offenheit und Herzlichkeit: „Es ist leider selten, dass unsere Art zu leben so akzeptiert wird.“
Kontakt
Wer die in Bassen festsitzende Artistenfamilie Trumpf unterstützen möchte, erreicht Ronny Trumpf unter Telefon 0176 / 36092000.