Lebenswerk im Schaufenster
Fachwerk-Enthusiast sucht Nachfolger: „Wellenlänge muss stimmen“
Blender – Kann man es ermessen? Kann man die vielen Stunden nachempfinden, die Helmut Waltring in sein Fachwerkdorf investiert hat? Er hat Häuser in traditioneller Bauweise umgesetzt, die an anderer Stelle nicht mehr erwünscht waren – und doch so viel zu erzählen haben vom Leben.
Der 79-Jährige hat sein Ensemble in Blender am Sonntag wieder geöffnet. Und viele Menschen begrüßt, die sich für sein Lebenswerk interessieren. Denn er bietet es für Null Euro an – in der Hoffnung, dass jemand sein Lebenswerk fortsetzt.
Aber ist unter diesen vielen Gästen jemand dabei, der Hand in Hand mit ihm in die Zukunft geben kann? „Die Wellenlänge muss stimmen“, sagt der 79-Jährige. An diesem Sonntag führt er eine ganze Reihe von Interessierten über sein Grundstück. Darunter ein junges Paar, das Interesse an seiner Nachfolge bekundet. „Die Chemie stimmt“, freut sich der 79-Jährige, der ein halbes Jahrhundert an seinem Anwesen gearbeitet hat.
Auch wenn er es nicht sagt: Es ist diese Arbeit, die er anerkannt wissen will. In dem Wissen: Wer auch immer sein Lebenswerk fortsetzt, muss arbeiten. Handfest. Dafür sorgen, dass auf den historischen Pferdestall ein Dach kommt.
Und mehr: Der neue Besitzer muss für ein Reetdach auf dem doppelten Häuslingshaus sorgen, das per se eine absolute Besonderheit ist. Doppelte Häuslingshäuser, das ist eine absolute Seltenheit. Helmut Waltring weiß das. Und auch, dass ein Nachfolger für sein Lebenswerk nicht so einfach zu finden ist.
Hunderte Reaktionen bei Facebook
Dass er sein Lebenswerk für 0 Euro anbietet, sorgt für wahnsinnige Aufmerksamkeit. 1375 Menschen reagieren allein bei Facebook auf diese Offerte. Ernsthaftes Interesse hat ein Handwerker, der sich ganz genau auf dem Anwesen umschaut, und mit seiner Familie großes Interesse zeigt. „Aber die Frau sagt ja gar nichts“, stellt Helmut Waltring beim Besichtigungstermin fest. Man merkt: Es ist ihm an diesem Tag viel zu viel Rummel.
So viel Lebenskraft hat er gegeben. So viel Liebe. Natürlich ist er höflich genug, auch dem Vereinssprecher von „Baukultur in Deutschland“, Albin Homeyer, eine Stimme zu geben. Ja, die Chemie stimmt eigentlich. Aber: „Dahinter ist ein Verein.“ Und genau das liebt Helmut Waltring nicht.
Überhaupt stellt er an diesem Tag klar: „Die Wellenlänge muss stimmen.“ Zu viele Menschen sind an diesem Tag einfach in seinen Alltag eingebrochen. Es ist schwer: Bisher hatte er nur Menschen zu einer Besichtigung eingeladen. Jetzt aber kommen ernsthafte, auch unsympathische Besucher.
Vereine nicht erwünscht für Fachwerk-Ensemble
Einfach ist es nicht: Wer kennt sich aus? Albin Homeyer ist Vertreter des Vereins „Baukultur in Deutschland“. Bewahren, was dem Verfall ausgeliefert ist, möchte dieser Verein erreichen. Verein? Helmut Waltring redet zufrieden mit Albin Homeyer. „Die Chemie stimmt“, sagt er. Doch ein Verein? Ein Ausschluss-Kriterium.
Man spürt, wie sehr der 79-Jährige jemanden braucht, der in seinem Sinne sein Lebenswerk fortsetzt. Hand in Hand mit ihm arbeitet – wie der Handwerker, der zum Besichtigungstermin seine Familie mitgebracht hat – im Gedanken der ein oder andere. Aber alles passt nicht an diesem Tag. Helmut Waltring braucht mehr Alternativen – und lädt Menschen ein, sich unter Telefon 04233/8054 mit ihm in Verbindung zu setzen. Und Zeit mitzubringen: Es geht um ein Lebenswerk. Darüber muss man reden. Und sich Zeit lassen dabei.
