Bürokratie und technische Probleme
Handel in Zeiten der Corona-Krise: Kleinunternehmen fühlen sich im Stich gelassen
Die Corona-Pandemie bringt viele in knifflige Situationen. Doch vor allem Kleinunternehmen fühlen sich angesichts der Krise vom Land im Stich gelassen. Zwar wurden bereits Fördermittel zugesagt, doch an die zu kommen, stellt sich mehr als schwierig heraus.
Riede / Landkreis - Die Buchhändler in der Region beklagen angesichts der Corona-Krise Umsatzrückgänge von bis zu 95 Prozent. Sie sehen sich, wie etwa der Fischerhuder Verleger und Buchhändler Wolf-Dietmar Stock, gezwungen, die Hilfsmaßnahmen von Bund und Land in Anspruch zu nehmen. Doch viele wissen nicht, an welche Stelle sie sich in Niedersachsen wenden sollen. Andere ärgern sich über die bürokratischen oder technischen Hürden, so etwa die Achimer Buchhandlung Hoffmann. Der Landesverband Nord im Börsenverein des deutschen Buchhandels kritisiert zum Beispiel, dass das Antragsverfahren in Niedersachsen im Vergleich zu Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zu kompliziert sei.
Katrin Göstemeyer von der Bücherkiste in Riede würde sich schon freuen, auf den Internetseiten der landeseigenen NBank überhaupt zum Zuge zu kommen, um Mittel aus dem Programm für Kleinunternehmen und Soloselbstständige in Anspruch zu nehmen. Doch trotz häufiger Versuche kam sie nach erfolgter Registrierung nicht weiter, konnte sie keine Formulare herunterladen geschweige denn diese ausgefüllt der Förderbank übermitteln. Die Server sind einfach zu überlastet. Am Freitagmittag bat die Bank, sich nicht mehr zu registrieren, weil das Portal zu überlastet sei.
Steuerberater raten von Zuschüssen ab
Darüber hinaus kursieren verwirrende Informationen. Steuerberater hätten sogar davon abgeraten, sich um einen Zuschuss zu bemühen. Denn zunächst müssten Kreditmittel ausgeschöpft und das Privatvermögen herangezogen werden, hat Göstemeyer gehört.
Zwar seien ihre Umsätze im März noch nicht so dramatisch eingebrochen, aber für April und Mai schwant der Bücherkisten-Inhaberin Böses. „Der ganze Schulwarenbedarf fällt ja auch weg.“ Zudem blieben ja die laufenden Kosten bestehen, etwa die Gehälter für ihre drei Teilzeitmitarbeiter, die Leasinggebühren für den Kopierer und Ähnliches. Katrin Göstemeyer hat darum ihr Online-Angebot ausgeweitet und übernimmt die Portokosten auch unterhalb von 20 Euro. Zudem profitiert sie noch etwas von der treuen Kundschaft, die den lokalen Einzelhandel stärkt und bestellte Bücher einfach kontaktarm abholt.
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Bernd Pütz, Pressesprecher der NBank, stellte auf Nachfrage dieser Zeitung in Aussicht, dass am Freitag „über einen zweiten Kanal“ eine vereinfachte Registrierung und Antragsstellung für Kleinunternehmen möglich sein würde. Zudem würden diese Anträge rasch bearbeitet und ebenso schnell das Geld ausgezahlt. Bedingung sei lediglich, geltend zu machen, dass die Corona-Krise den Zuschussbedarf hervorgerufen habe. Kredite und oder Privatvermögen würden dabei keine Rolle spielen. Sonst würden die Mitarbeiter „ja noch übermorgen“ an den Anträgen sitzen, wenn sie die Voraussetzungen nachprüfen müssten.
Darüber hinaus könnten ab nächster Woche auch Bundesmittel in Anspruch genommen werden. Interessierte sollten sich dazu auf den Seiten der NBank informieren, so Pressesprecher Pütz.
