Verordnung regelt Neustart

Coronavirus-Pandemie bremst Fahrschulen aus - doch nun nimmt Niedersachsen den Fuß vom Pedal

Könnten wieder starten: Alex und Klaus Kobisch von der gleichnamigen Fahrschule. Foto: wienken
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Könnten wieder starten: Alex und Klaus Kobisch von der gleichnamigen Fahrschule.

Die Wirtschaft stöhnt unter der Pandemie. Auch die Fahrschulen müssen um ihre Existenz kämpfen. „Leider hat man uns ein bisschen vergessen, offensichtlich fehlt in der Politik dafür die Lobby“, mutmaßt Klaus Kobisch von der gleichnamigen Verdener Fahrschule. Auch der Fahrlehrerverband Niedersachsen schlug Alarm und forderte eine Lockerung der Maßnahmen. Diese sind nun in der neuen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen enthalten.

Update vom 10. Mai: In der Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vom 8. Mai werden nun auch die Fahrschulen des Landes genannt. Nach der ersten Lockerung für den Theorieunterricht können ab dem 11. Mai in den niedersächsischen Fahrschulen auch wieder der Praxisunterricht sowie praktische Prüfungen für den Auto- und Lkw-Führerschein stattfinden. Dabei gelten Hygieneauflagen, wie beispielsweise, dass alle Insassen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen müssen.

Originalartikel vom 8. Mai: Verden – Nur wenn der Motor läuft, kann eine Fahrschule Geld verdienen. Doch seit sieben Wochen stehen wegen der Pandemie die Maschinen still. Bei Fahrlehrer Klaus Kobisch und Sohn Alex sind es zehn Autos, drei Lkws, fünf Anhänger und zehn Motorräder. Ein umfangreiches Paket, das Geld kostet. Sieben Fahrlehrer und vier Bürokräfte sorgen im Normalfall dafür, dass der Betrieb läuft. Derzeit ist allerdings Kurzarbeit angesagt. Absoluter Stillstand. „Wir werden uns von keinem Mitarbeiter trennen“, verspricht Klaus Kobisch.

Corona-Krise in Niedersachsen: Fahrschulverband schlägt Alarm

Geld verdient wird in den Fahrschulen zwar derzeit nicht, doch Senior und Junior Kobisch wollen trotzdem nicht jammern. „Erst einmal sind wir natürlich froh, dass in unserer Region die Pandemie bislang vergleichsweise glimpflich verlaufen ist. Wir gucken jetzt nach vorn, und da gibt es aus unserer Sicht mittlerweile wieder deutlich mehr Handlungsspielraum“, so Klaus Kobisch. „Und den fordern wir ein.“

Der Fahrlehrer, seit über 39 Jahren im Job, verweist in einem Gespräch mit unserer Zeitung auf die Aussagen seines Landesverbandes Niedersachsen. Dessen Vorsitzender, Dieter Quentin, schlägt Alarm. So dürfen Fahrschüler in Niedersachsen zwar den Theorieunterricht besuchen und Motorrad-Fahrstunden nehmen, Fahrunterricht mit dem Auto indessen sei, anders als in anderen Bundesländern, noch untersagt. Ein Problem mit Folgen nicht nur für die Fahrschulen, so fürchtet der Verband. 

„Nicht mehr lange, dann startet das neue Ausbildungsjahr. Viele junge Menschen werden für ihr neues Berufsleben einen Führerschein brauchen, den sie aber nicht machen können“, kritisiert Quentin. Er will daher deutliche Lockerungen der verhängten Maßnahmen und verweist zudem auf die stark rückläufigen Infektionszahlen und umfassende Hygiene-Konzepte in den Einrichtungen.

Fahrschule in Verden rüstet sich für Fahrunterricht

Das Duo Kobisch sieht sich für den praktischen Fahrunterricht bestens gerüstet, könnte sofort loslegen. „Wir sind in der Lage, mit dem geringstmöglichen Risiko zu arbeiten.“ Der Aufwand, der dafür in Kauf genommen wird, ist immens: „Acht Stunden Arbeit mit Maske, nach jeder Fahrstunde zehn Minuten lüften und das Fahrzeug komplett desinfizieren, dabei deutlich geringere Einnahmen“, so Kobisch. Den Fahrlehrern sei sehr bewusst, welche Verantwortung sie nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die ihrer Fahrschüler haben. 

„Deshalb werden wir die Schutzmaßnahmen mit der gleichen Gewissenhaftigkeit einhalten, mit der wir bei der Ausbildung der uns anvertrauten Fahrschüler arbeiten“, so Vorsitzender Quentin. Der Landesverband sieht nach Schätzungen etwa 400 der 1 200 Fahrschulen vor dem wirtschaftlichen Aus, wenn nicht gehandelt wird. „Ein Schaden, der vermeidbar wäre“, betont Quentin. Er und die Fahrlehrerschaft hoffen, dass ab kommenden Montag in Niedersachsen wieder alle Führerscheinklassen ausgebildet werden dürfen. „Das würde uns freuen“, so Kobisch Senior und Junior.

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