Krise im Landkreis Verden

Corona: Galgenfrist für die Domweih

Dieses Jahr keine fünfte Jahreszeit? Die Stadt Verden zögert die Domweih-Entscheidung hinaus. Foto: Röttjer
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Dieses Jahr keine fünfte Jahreszeit? Die Stadt Verden zögert die Domweih-Entscheidung hinaus.

Seit zwei Wochen rückläufige Coronatendenzen im Landkreis Verden, und dennoch kein Ansatz von Entwarnung. Nachdem gestern die Patientenzahl erneut gesunken ist, wird Landrat Peter Bohlmann nicht müde, auf Einhalten der Kontaktsperren zu pochen. Gleichzeitig begibt sich die Stadt Verden bei der Domweih-Entscheidung in ein Zeitspiel.

Verden/Achim – Es hört einfach nicht auf. Auch am Donnerstag bestätigte das Gesundheitsamt zwei Fälle von Neuinfektionen. Betroffen seien ein Mann und eine Frau aus dem südlichen Landkreis Verden. Gleichzeitig konnten sechs Personen aus der häuslichen Quarantäne als genesen entlassen werden. Trotz dieser weiterhin deutlich rückläufigen Tendenz sieht Landrat Bohlmann keinen Grund zur Teilentwarnung. „Die Neuinfizierten belegen, es bestehen weiterhin Gefahren.“ Gleichzeitig sei eine wachsende Dunkelziffer nicht auszuschließen, was eine zweite Infektionswelle auslösen könnte.

Eigentlich ist die Sachlage seit Mittwochabend klar. „Bis in den August hinein werden alle Großveranstaltungen abgesagt. Haben wir alle gehört“, sagt Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann. Dazu gehöre die Domweih. Ganz so einfach sei es jedoch nicht. Mit Stand gestern ist das älteste Volksfest des Nordens für das Jahr 2020 noch nicht beerdigt. Der Zeitplan jetzt: „Wir warten die niedersächsische Corona-Verordnung ab. Sie wird für den kommenden Montag erwartet. So viel Zeit haben wir jetzt auch noch.“

Große Jahrmärkte seien verboten - also auch die Domweih?

Rechtliche Gründe sprechen für diese Taktik. „Ist in diesem Papier klar definiert, was unter dem Begriff Großveranstaltung zu verstehen ist, unmissverständlich also auch große Jahrmärkte wie die Domweih, dann wird der Publikumsmagnet offiziell durch übergeordnete Behörden gestoppt“, so Brockmann. Eine Art höhere Gewalt also, der man folge.

Schwieriger werde es, würde die niedersächsische Verordnung den Kommunen einen Ermessensspielraum einräumen. „Dann müsste der Verdener Stadtrat eine Entscheidung treffen.“ Und dazu müsse er erstmal zusammenkommen, was in Corona-Zeiten schwierig genug ist.

Er bringe Verständnis für beide Seiten auf, so Brockmann. Gewiss, ihm als Verdener blute das Herz, „aber was nützt es, wenn wir uns nachher auf dem Friedhof wiedersehen.“

Gleichzeitig erreichte die Stadtverwaltung ein dringender Appell des Schausteller-Verbandes. Man hoffe darauf, Verden werde nicht zu früh zu einer Absage kommen. „Viele Menschen hängen an den Volksfesten, das darf man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, argumentieren die Betreiber quer durch die Festmeile von Riesenrad bis Pizza-Stand. 

Domweih zuletzt zu Zeiten der Pest abgesagt

Hintergrund auch: Die Branche steht wirtschaftlich am Abgrund. „Eine ganze Reihe Unternehmen haben seit den Weihnachtsmärkten keine Einnahmen“, weiß ein Insider. Die Domweih mit ihren täglich tausenden Besuchern gilt als eines der Highlights im Jahreskalender der Kirmes-Beschicker. Das bestätigt auch deren Interesse an einer Teilnahme. „Wir haben 849 Bewerber verzeichnet und davon 141 zugelassen“, sagt der neue Marktmeister Patrick Düsselbach. Klartext: Verdens fünfte Jahreszeit ist sechsfach überzeichnet.

Käme es zum – wahrscheinlichen – Fall der Absage, dann ginge das Jahr 2020 in die Geschichte ein. Selbst in Kriegsjahren verzichtete die Region nicht auf ihr Volksfest. Historiker müssen schon weit in die 1035-jährige Tradition eintauchen, um Besonderheiten zu entdecken. „In den Pestjahren hat sie zweimal ausgesetzt.“

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