Von Shutdown keine Rede

Corona in Verden: Arbeitsmarkt bleibt vom Virus bisher unberührt - Bauarbeiter werkeln weiter

Mailyn Steinke, Florian Wulff und Jürgen Schulz-Karstens (v.l.) richten den provisorischen Schalter im VWE-Gebäude ein. 
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Mailyn Steinke, Florian Wulff und Jürgen Schulz-Karstens (v.l.) richten den provisorischen Schalter im VWE-Gebäude ein.

Auch wenn das gesellschaftliche Leben zu einem guten Teil lahmgelegt ist, kann von einem Shutdown der Wirtschaft im Landkreis noch keine Rede sein. Aufstecken ist offenbar keine Option, stattdessen versuchen die Unternehmen, die Einschränkungen mit Kreativität zu bewältigen.

Verden – Handel und Gastronomie setzen verstärkt auf Außerhaus- oder Lieferangebote, der Bau boomt weiter und das Personenbeförderungsgewerbe wie die Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE) mit ihrer Tochter Allerbus richtet sich auf die neuen Bedingungen ein. Zumindest so gut es eben mit Bordmitteln geht. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Agentur für Arbeit im zurückliegenden Monat noch keine nennenswerten Effekte der Corona-Pandemie auf dem Arbeitsmarkt beobachten konnte. Allerdings haben die Nachfragen von Unternehmen nach Kurzarbeit stark zugenommen.

Seit gestern stieg die Zahl der nachgewiesenen Covid-19-Patienten auf 73. Das Gesundheitsamt im Kreishaus meldete 15 neue bestätigte Fälle. Zugleich aber wurden insgesamt 13 Patienten geheilt aus der Quarantäne oder aus der Klinik entlassen, sodass aktuell 60 Personen in Behandlung sind, sieben davon stationär. Bei den Neuerkrankten handelt es sich um sieben Frauen und acht Männer. Sieben Personen kommen aus dem Südkreis, acht Personen aus dem Nordkreis, meldet der Landkreis.

Ein Grafik zu allen Corona-Fällen, Stand: 31. März.

Die Entwicklung der Fallzahlen und die Einschränkungen zum Eindämmen der Infektionsraten haben den träger reagierenden Arbeitsmarkt noch kaum beeinflusst. Dennoch habe sich die Epidemie schon stark auf die Arbeit in den Agenturen ausgewirkt, berichtet der Sprecher Daniel Bestvater. Die massiv angestiegene Anzahl der Anfragen zum Kurzarbeitergeld und der steigende Informationsbedarf der Arbeitnehmerkunden habe dazu geführt, dass die Abläufe in den Agenturen umgestellt wurden. Die Häuser der Agentur bleiben unterdessen für den Publikumsverkehr geschlossen, Termine sind abgesagt und persönliche Arbeitslosmeldungen gehören vorerst der Vergangenheit an. Betroffene müssen das telefonisch oder über die E-Services auf www.arbeitsagentur.de erledigen. „Unsere Kundinnen und Kunden können uns neben der bekannten Hotline 0800/4555500 nun auch in allen Landkreisen unter der zusätzlichen Rufnummer 04231/809700 erreichen“, betont der Leiter der Agentur Nienburg-Verden, Christoph Tietje.

Bauwirtschaft zeigt sich bislang deutlicher immuner gegen die Krise

An geringer Beschäftigung leiden derweil die Bauarbeiter im Kreisgebiet nicht. In der Branche wird weitergewerkelt, meldet die Gewerkschaft IG Bau, und das nahezu ohne Einschränkungen für die 1 .960 Bau-Beschäftigten im Kreis. „Natürlich trifft Corona auch den Bau hart. Das Abstandhalten macht die Hand-in-Hand-Arbeit nicht leichter, ist aber ein Muss. Trotzdem zeigt sich die Bauwirtschaft bislang insgesamt deutlich immuner gegen die Krise als viele andere Branchen“, betont Inge Bogatzki von der IG Bau Land Bremen und Umzu. Zugleich appelliert die Gewerkschafterin an die Arbeitgeber, die strikte Einhaltung der Hygieneregeln sicherzustellen.

Die Aufforderung, Abstand zu halten, können auch Besucher der VWE nicht übersehen. Mag sonst der Publikumsverkehr auf dem Gelände des Busunternehmens selbst eher selten sein, könnte sich das jetzt ändern. „Wir verkaufen hier die Fahrkarten, damit die Leute nicht schwarzfahren müssen“, erklärt Jürgen Schulz-Karstens. Der VWE-Mitarbeiter ist nicht nur Leiter der Zahlstelle an der Moorstraße, sondern auch Hygienebeauftragter. Deshalb ist er maßgeblich an dem Projekt beteiligt, im Eingangsbereich des Bürogebäudes einen provisorischen Fahrkartenschalter auf zubauen. Die VWE löst damit das Dilemma der Fahrgäste auf, die den Bus zur Arbeit oder zum Einkauf nehmen müssen, beim Fahrer in Corona-Zeiten aber keine Karte mehr lösen können.

Provisorischer Schalter im VWE-Gebäude eingerichtet

Ab heute, so erklärt Schulz-Karstens, sollen die Fahrgäste ihre Tickets auch im Betriebsgebäude kaufen können. Damit könnten dann die Kontrolleure in den Bussen auch wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Gestern bereiteten Sachbearbeiter Florian Wulff und Azubi Mailyn Steinke den Schalter vor. Heute soll noch eine Plexiglasscheibe für Mitarbeiter aufgehängt werden, die hinter den Schutz schlüpfen, wenn die Fahrgäste am Eingang klingeln. Auch für Kunden, die bargeldlos zahlen wollen sei gesorgt, versicherte Schulz-Kartens.

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