Wertstoffhof-Tourismus?
Corona-Wettlauf bei den Abfallhöfen
Ausgerechnet im eher kleinen Segment der Abfallhöfe kommt es zu einem bedenklichen Wettlauf. Nachdem der Landkreis Diepholz Montag mit der Wiederöffnung von Abgabestellen vorgeprescht war und einen Mülltourismus auszulösen drohte, zog gestern der Landkreis Verden mit einer behutsamen Variante nach. Sie gilt allerdings erst ab kommender Woche. Gleichzeitig ist die Zahl der Corona-Patienten kreisweit erneut gesunken.
Verden/Achim – Im Landkreis Verden zahlen sich die Kontakt-Beschränkungen immer mehr aus. Nach dem Scheitelpunkt vergangenen Freitag beginnt sich die Lage jetzt auch langfristiger zu entspannen. Die Zahl der Corona-Patienten sank gestern jedenfalls erneut, zwar nur leicht, aber immerhin. „Von einer Entspannung kann allerdings noch keine Rede sein“, heißt es aus dem Kreishaus. Grund: Auch gestern bestätigte das Gesundheitsamt neue Infektionsfälle, insgesamt gleich sechs an der Zahl. „Das belegt deutlich, die Gefahr ist längst noch nicht gebannt.“
Mit Stand vom gestrigen Dienstag, 14 Uhr, sind insgesamt 106 Menschen vom Covid-19-Virus erfasst. 50 davon konnten der Mitteilung aus dem Gesundheitsamt zufolge als genesen aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden. Davon allein gestern acht. Die Zahl der Patienten in den Kliniken erhöhte sich leicht. Sieben Personen befinden sich in stationärer Behandlung, eine mehr als noch am Montag. Bei den Neuerkrankten handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer. Drei Personen kommen aus dem Südkreis, drei aus dem Nordkreis. Bislang ist eine Person verstorben.
Wertstoffhöfe öffnen in Kirchlinteln, Beppen und Oyten
Einwohner hatten ihren Grünschnitt einfach vor die Tore von Abfallhöfen gekippt, manche sogar Sträucher und Büsche aus dem heimischen Garten irgendwo in der freien Natur abgeladen. Schon vergangene Woche lösten die Berge, die rund ums eigene Haus anfielen, Schlagzeilen aus. Jetzt preschte der Landkreis Diepholz vor. Ein Testlauf am Wochenende sei positiv verlaufen. Zumindest einige Abfallhöfe würden wieder geöffnet, hieß es gestern. Der Region Verden/Achim droht damit nach dem Baumarkt-Tourismus der vergangenen Woche und vielen Verdener Autokennzeichen vor Bremer Baumärkten also eine nächste Belastungsprobe der Kontaktsperren. Diesmal der Wertstoffhof-Tourismus. Da helfe es wahrscheinlich wenig, dass die Diepholzer darauf hinweisen, es dürfe nur Müll aus dem Kreis Diepholz angeliefert werden, glauben Beobachter. „Sowas wird leicht ignoriert.“
Eine Lage, die auch Landrat Peter Bohlmann schon gestern Morgen bekannt war, wie er auf Nachfrage bestätigte. Jetzt also schnell die Wertstoffhöfe, acht an der Zahl kreisweit, in jeder Kommune einer, jetzt also schnell alle öffnen? „Der Landkreis Diepholz verfügt über große Anlagen, die möglicherweise besser mit dem zu erwartenden Zulauf fertig werden“, sagt Bohlmann, „wir sind im Landkreis Verden eher dezentral aufgestellt. Kleinere Anlagen, die dann aber direkt vor Ort zur Verfügung stehen.“ Genau das birgt jedoch Risiken, so der Landrat. Allerdings wolle der Landkreis Verden alles tun, die Corona-Krise nicht noch weiter zu verschärfen. „Wir werden deshalb drei Wertstoffhöfe öffnen, die in Beppen, in Oyten und in Kirchlinteln.“ Dies allerdings nicht mehr vor Ostern. „Der Zulauf wäre viel zu groß.“ Geplant ist die Eröffnung jetzt für den kommenden Mittwoch, 15. April.
Mit Blick auf einen möglicherweise starken Kundenandrang werde der Landkreis bis einschließlich des darauffolgenden Sonnabends verlängerte Sonderöffnungszeiten anbieten. Die drei Abfallhöfe seien soweit hergerichtet, dass eine Annahme unter Einhaltung der Hygienevorschriften möglich sei. „Die Höchstmengen sind pro Anlieferung auf einen Pkw mit Anhänger begrenzt.“ Die Abfallhöfe in Verden, Langwedel, Ottersberg, Achim und Hülsen bleiben bis auf Weiteres geschlossen.
Vollautomatische Waschstraßen ab heute offen
Eine ähnliche Situation wie seit gestern bei den Wertstoffhöfen und in der vergangenen Woche bei den Baumärkten hat sich auch bei den Auto-Waschstraßen ergeben. In der Kreisverwaltung seien mehrere Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, so Bohlmann, die Bremer Waschanlagen seien geöffnet, während Autofahrer im Landkreis Verden vor verschlossenen Türen stünden. „Auch ein problematischer Zustand. Wieder ein potenzieller Corona-Tourismus“, sagt der Landrat. Er habe sich daher an das niedersächsische Sozialministerium gewandt, diese Problematik zu beheben. Gestern Nachmittag kam die Antwort: Vollautomatische Waschstraßen dürfen ab dem heutigen Mittwoch wieder öffnen. Die Nutzung des Staubsaugers vor der Waschstraße sei aber weiter verboten.
Irritationen bei der Auto-Zulassung: Landkreis wehrt sich
Irritationen lösen gegenwärtig die Öffnungszeiten der Verdener Kfz-Zulassungsstelle aus. Von Willkür war in Sozialen Medien die Rede. Einwohner beklagten, sie könnten ihr dringend für die Fahrten zur Arbeitsstätte benötigtes Auto nicht zulassen. Die Kreisverwaltung wehrt sich. „In dringenden Fällen ist ein Notbetrieb sichergestellt“, betont Landrat Bohlmann. Im gegenwärtigen Notbetrieb seien Zulassungen für Rettungsdienst und Feuerwehr, der Daseinsvorsorge beispielsweise bei Pflegediensten und in dringenden wirtschaftlichen und existenziellen Fällen nach vorheriger Absprache möglich. Somit reiche der kurze Nachweis, dass der Antragsteller dringend auf die Zulassung seines Fahrzeugs angewiesen sei.
