Abstand muss gewährleistet sein

Zu eng für Strafprozesse: Landgericht überlegt Stadthalle anzumieten

Einer der mit Acrylglas umgestalteten Säle am Landgericht Verden. Fotos: Bruns
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Einer der mit Acrylglas umgestalteten Säle am Landgericht Verden.

Verden – Das Landgericht Verden stellt konkrete Überlegungen an, die Verdener Stadthalle für Gerichtsverhandlungen anzumieten. „Wir sind in enger Abstimmung mit dem niedersächsischen Justizministerium und dem Oberlandesgericht Celle, ob eine Anmietung erfolgen kann. Es sind aber noch Details zu klären“, bestätigte der stellvertretende Gerichtssprecher Nicolai Sauer auf Nachfrage.

Derzeit stehen am Landgericht Verden zwei umgestaltete Säle zur Verfügung. Wie bereits berichtet, wurden zwischen den Sitzplätzen Acrylglasscheiben aufgestellt. „Ich fühle mich wie in einem Aquarium“, scherzte kürzlich eine Staatsanwältin. Mit einem Spiegelkabinett verglich es ein Verteidiger.

Verhandlungen mit einer überschaubaren Anzahl an Verfahrensbeteiligten sind somit trotz Kontaktverbotes möglich, doch bei Strafprozessen mit mehreren Angeklagten und besonderen Sicherheitsvorkehrungen, wird es schlichtweg zu eng. Denn bei inhaftierten Angeklagten sind immer mindestens zwei Wachtmeister im Saal. Müssen sich mehrere Untersuchungshäftlinge in einem Prozess verantworten, vervielfacht sich entsprechend die Anzahl der Wachtmeister. Mit Richtern, Staatsanwalt, Nebenkläger und Sachverständigen können es schon mal schnell 20 bis 30 Anwesende bei Sitzungen werden. Besucher nicht eingerechnet.

Auf die zu klärenden Details ging Sauer nicht weiter ein, dass es dabei auch um die zahlreichen Sicherheitsaspekte geht, ist naheliegend. Beispielsweise: Wo bleiben inhaftierte Angeklagte während kürzerer Sitzungspausen? Wie lässt sich eine Tätertrennung gewährleisten? Wie werden Ein- und Ausgänge gesichert?

Vielleicht wird in der Stadthalle bald Recht gesprochen.

Groß genug ist die Stadthalle, und da alle bis Ende August geplanten Veranstaltungen verlegt worden sind, gibt es reichlich freie Termine. Stadthallenleiterin Silvia Voige hat sich gefreut über die Anfrage des Landgerichts. „Dass wieder etwas stattfindet und man der Justiz helfen kann“, sagt sie auf Nachfrage.

Die ganzen Regelungen rund um Corona seien auch für das Veranstaltungsgeschäft ein echtes Problem. „Für uns ist ungünstig, dass die Behörden nur mit zwei Wochen Vorlauf planen. Mehr Klarheit würde helfen“, so Voige weiter.

Bei der Justiz läuft das anders. Da sind Ladungsfristen vorgeschrieben und Sitzungstermine werden im Vorfeld festgelegt. Der Sitzungsplan gibt vor, welches Drama verhandelt wird.

In der Stadthalle steht momentan als nächste Veranstaltung der Profiler Axel Petermann am 5. September mit „Die Diagramme des Todes“ auf dem Programm. Angekündigt mit „Tatort-Feeling“ hautnah. Dies gibt es vielleicht schon ab Anfang Mai, sofern alles klappt und Urteile im Namen des Volkes dann in der Stadthalle gesprochen werden.

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