„Fahren auf Sparflamme“

Taxiunternehmen in der Corona-Krise: Beförderungspflicht bleibt bestehen

Drei Taxen vor dem Verdener Bahnhof. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Fahrer momentan mit Warten. Foto: sommerfeld
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Drei Taxen vor dem Verdener Bahnhof. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Fahrer momentan mit Warten.

Verden - „Seit 14 Tagen steht alles“, sagt Hartmut Kahrs und meint damit nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch seine Taxis. Er ist Mitinhaber des gleichnamigen Verdener Taxiunternehmens und hat sich mit den Folgen der Vorgaben, die die Landesregierung zur Bekämpfung der Corona-Epidemie erlassen hat, auseinanderzusetzen. Wie seine Mitbewerber muss Kahrs sich so gut wie möglich an die neue Situation anpassen. Die Gespräche wurden per Telefon geführt.

„Die Barzahler bleiben weg, und das reißt eine Lücke“, sagt Kahrs. Zwei weitere Verdener Taxiunternehmer sehen es genauso. Normalerweise steigen Geschäftskunden, Senioren und Reisende, die zum Flughafen wollen und von dort kommen, ein. Nachts nutzen Kneipengänger den Service. „Die Züge sind fast leer, es kommt niemand aus dem Bahnhof heraus, denn die Leute sollen ja zu Hause bleiben“, hat Sascha Böschen, Inhaber von Taxi Böschen, beobachtet. Olaf Köhler, Geschäftsführer von Köhler Transfer und Services, fügt hinzu: „Das Nachtgeschäft läuft gar nicht.“

Taxi Kahrs ist momentan auf Kranken- und Kurierfahrten angewiesen, beispielsweise vom und zum Arzt, zur Bestrahlung und zur Chemotherapie. Dennoch fehlen 60 Prozent des Umsatzes, sagt Kahrs.

Taxiunternehmen reduzieren Fahrer und fahren auf Sparflamme 

Sieben Fahrer beschäftigt das Unternehmen, die einen Bus und sechs Autos steuern. „Jetzt sind sie umschichtig unterwegs: tagsüber vier und nachts einer“, berichtet Kahrs. Die restlichen Fahrten übernehmen er und Inhaberin Karin Kahrs.

Taxi Böschen ist gewöhnlich mit 15 Wagen im Einsatz, jetzt verkehren nur fünf. „Ich sitze nachts auf dem Sofa und warte darauf, dass jemand anruft“, beschreibt Sascha Böschen die Situation. Sein Umsatz ist auf ein Viertel geschrumpft: „Wir fahren auf Sparflamme.“

Ähnlich sieht es bei Taxi Köhler aus. „Unsere Busse für den Schülerverkehr stehen, und von unseren elf Wagen sind tagsüber sechs, nachts ist nur einer im Einsatz“, sagt Olaf Köhler. Am Tag sind seine Leute überwiegend für Krankenfahrten unterwegs: „Das hat sich nicht geändert.“

Schreiben des Landkreises: Beförderungspflicht bleibt auch nachts bestehen

Die Unternehmen haben Beförderungspflicht. „Wir müssen da sein, egal, was kommt, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche“, formuliert es Kahrs und merkt an: „Die Fahrer sitzen direkt neben ihren Fahrgästen und haben keine Möglichkeit, Abstand zu halten.“

Auf die Beförderungspflicht weist der Landkreis hin. „Wir haben beantragt, uns nachts von der Betriebspflicht zu entbinden, und jetzt kam das Schreiben vom Landkreis, dass wir nachts ein Auto bereitstellen müssen, was uns in dieser Situation nicht wirklich hilft“, ergänzt Köhler.

Die Kosten laufen weiter, beispielsweise schlagen Versicherungen mit rund 2 .500 Euro pro Auto im Jahr zu Buche. Um sie zu minimieren, will Kahrs finanzielle Hilfe von Bund und Land in Anspruch nehmen: „Das hilft, den Verlust zu begrenzen.“ Er ist zuversichtlich: „Wir lassen den Kopf nicht hängen, es wird weitergehen.“

Unternehmen wollen Hilfe von Bund und Land in Anspruch nehmen

Sascha Böschen hat Kurzarbeitergeld beantragt. „Das ist ein Verwaltungsaufwand, den wir vorher nicht kannten, und wir müssen uns erst in die Materie einarbeiten“, sagt er. Das Hilfspaket von Bund und Land will er ebenfalls nutzen: „Wir informieren uns, wie das geht.“

Bis das Geld auf dem Firmenkonto eingegangen ist, ändert er den Dienstplan: Seine festangestellten Fahrer arbeiten umschichtig, die Minijobber von April an nicht mehr. Und: „Wer Urlaub machen will, nimmt Urlaub.“ Er appelliert an seine Fahrer: „Die Mitarbeiter müssen einsichtig sein: Jeder muss zurückstecken, dann könnte es klappen, dann meistern wir die Krise. Wir versuchen das Beste.“

Ab heute gibt es bei Taxi Köhler Kurzarbeit. „Aber nicht für alle gleichermaßen“, schränkt Olaf Köhler ein. Heißt: „Bei Taxifahrern und Mitarbeitern in der Verwaltung ändert sich nicht viel, dagegen haben die Busfahrer frei. Wir haben uns auf drei Monate eingerichtet.“

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