Flüssige Mittel für die AWK: Bettenhausbau und neue Pläne
Das Verdener Bettenhaus der Aller-Weser-Klinik (AWK) wird teurer. Das Projekt soll 45 Millionen Euro kosten. Der Finanzausschuss des Landkreises hat das Millionenpaket befürwortet. AWK-Geschäftsführerin Marianne Baehr wünscht sich zudem ein Parkhaus für das Klinik-Gelände in Verden.
Verden – Das Verdener Bettenhaus wird teurer. Die Nachricht überrascht nicht angesichts der allgemein angespannten Lage auf dem Bau. Eher bemerkenswert fand Landrat Peter Bohlmann in der Sitzung des Finanzausschusses, dass die ursprünglich kalkulierten 37,3 Millionen Euro in fünf Jahren „nur“ um 18 Prozent gestiegen sind, während sonst auch schon jährliche Preissteigerungen von 15 Prozent beobachtet würden. Das Großprojekt am Verdener Standort der Aller-Weser-Klinik soll aktuell 45 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung der Mehrkosten, ein weiteres Bauprojekt und ein millionenschwerer Kapitalnachschuss sollen mit zehn weiteren Millionen aus der Kreiskasse möglich werden.
Den Löwenanteil an der Gesamtsumme, sechs Millionen Euro, braucht Geschäftsführerin Marianne Baehr, um die Klinik zahlungsfähig zu halten. Hintergrund sind erneut die schwierigen Budget-Verhandlungen mit den Krankenkassen und die verzögerte Abrechnung der Pflegekosten. Für die Finanzpolitiker des Kreistags mittlerweile ein bekanntes Problem, das immer wieder dazu führt, dass der Landkreis aushelfen muss. „Das Problem haben alle Krankenhäuser, egal welchen Träger sie haben“, musste auch Peter Bohlmann feststellen. Dass die Geschäftsführerin den Bedarf plausibel erklärt hat, bescheinigte Kämmerer Holger Piplat Marianne Baehr. Er rechnete damit, dass sich die Liquidität der Klinik nach und nach verbessern werde.
Eva Hibbeler (SPD) forderte, dass die Vergütung der Krankenhäuser reformiert werden müsse. Sie war sich mit Bodo Becker (CDU) einig, dass das Verfahren dafür verantwortlich ist, dass zu wenig Geld in den Häusern ankommt. Deswegen müssten die Träger, bei der AWK der Landkreis, immer wieder einspringen. Für den Grünen Lennart Quiring und seine Fraktion bestand dann auch kein Zweifel, dass der Nachschuss richtig und wichtig ist.
Um weitere 1,35 Millionen Euro, so beschlossen die Abgeordneten im Ausschuss, soll der Anteil erhöht werden, den der Landkreis an der Finanzierung des Bettenhauses trägt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Rat der Stadt Verden deren Anteil ebenfalls erhöht. Die 2017 vereinbarten Anteile der kommunalen Gesellschafter an der Finanzierung des Krankenhausbaues steigen dann auf je fünf Millionen Euro. Die Rechnung geht dabei davon aus, dass auch die Förderung des Landes um fünf Millionen erhöht wird.
Die Probleme der AWK-Geschäftsführerin als Bauherrin, halten Marianne Baehr nicht davon ab, zugleich ein weiteres Bauvorhaben anzugehen. Der Parkraum an der Klinik in Verden reicht nicht aus, vor allem nicht für die Mitarbeiter. Bei dem 24-Stundenbetrieb zeige sich der Engpass vor allem bei den Schichtwechseln. Stellplätze, die in der Fläche nicht zur Verfügung stehen, möchte Baehr dann eben in einem mehrstöckigen Parkhaus schaffen. „Vorgesehen ist eine Variante mit ca. 270 Stellplätzen auf insgesamt sieben versetzten und auf zwei Gebäudehälften verteilten Parkebenen“, schreibt sie in ihrem Antrag an den Landkreis.
Kosten von fünf Millionen Euro erwartet die Geschäftsführerin und bewirbt sich darum, dass sich Landkreis und Stadt die Summe teilen und als zinsloses Darlehen zur Verfügung stellen. Und weil der Zinsaufwand gering ist und die Grundstückskosten allenfalls kalkulatorisch wären, sei sogar mit einer geringen Rendite von 2,5 Prozent zu rechnen, informiert die Verwaltung.
„Wichtig ist, dass sich kein Risiko für die AWK ergibt“, betonte Peter Bohlmann. Die Idee zu dem Projekt sei aus der schwierigen Situation im Umfeld der Klinik entstanden. Nach rechtlichen Vorgaben würde weder die AWK weitere Stellplätze benötigen, noch das Domgymnasium. „Deshalb liegt das Hauptinteresse an dem Parkhaus bei der Stadt Verden“, meint Bohlmann.
Eine Zustimmung zu dem Kredit wäre Lennart Quiring leichter gefallen, wenn die Stadt Verden ein Konzept für die Verkehr und Parkraum an der Stelle hätte. Auch Bodo Becker fragte sich, ob es noch nicht genannte Gesichtspunkte gebe. Für das Zögern hatte Gerard-Otto Dyck (SPD) allerdings kein Verständnis. Ihm ging es darum, dass die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Klinik erhalten bleibt. Eva Hibbeler allerdings merkte an, dass in der Nähe ein Kreisel mit möglichen Auswirkungen auf die verkehrliche Lage geplant werde.
Eine Empfehlung für die Kreistagsentscheidung fiel in diesem Punkt dann auch nicht. Auf Vorschlag von CDU-Fraktionschef Wilhelm Hogrefe soll der Kreisausschuss das erledigen.