Sabine Krauss-Lembcke seit 40 Jahren
Hebamme berichtet über Geburtsvorbereitung in der Epidemie: „Es ist nicht dasselbe“
„Wir können die jungen Eltern und ihre Babys nicht im Stich lassen.“ Für Sabine Krauss-Lembcke hat sich daran auch mit den Kontakteinschränkungen nichts geändert. Gestern war Internationaler Hebammentag und dazu meldet sich die freiberufliche Geburtshelferin zu Wort. Sie berichtet, wie sie und ihre Kolleginnen in diesen Epidemie-Zeiten trotzdem Schwangere und Frauen mit ihren Kindern nach der Geburt begleiten, wie manches schwieriger wurde, wie sich aber auch Chancen eröffnen.
Verden – Als das Coronavirus die Republik ausbremste und auch im Landkreis plötzlich für Stillstand sorgte, war für die Praxis von Sabine Krauss-Lembcke auf einen Schlag alles anders. „Keine Kurse mehr“, musste die Hebamme feststellen, obwohl sie genau wusste, dass eine Reihe von werdenden Müttern sich mit der fachlichen Unterstützung auf die Geburt vorbereiten wollten und junge Mütter nach Rückbildungskursen suchen. Aber das, wie vieles andere, konnte das Gesundheitsamt nicht mehr zulassen.
Die Frauen hatten sich schon zu Kursen angemeldet. Sie erwarteten ihr Kind oder hatten es geboren. „Da musste ich in der Praxis einiges umstellen“, sagt Krauss-Lembcke. 40 Jahre Jahre arbeitet sie in Verden mittlerweile und hat viele Erfahrungen mit den natürlichen Vorgängen von Schwangerschaft und Geburt gemacht. Technik hat dabei eine eher kleine Rolle gespielt. Das musste sie jetzt ganz schnell ändern, am Computer die passenden Programme finden und einrichten. Jetzt kann sie Geburtsvorbereitung zumindest per Video vermitteln und bietet die Rückbildungskurse online an. „Das waren neue technische Erfahrungen“, deutet die 62-Jährige an, dass sie einen Kraftakt bewältigen musste. Jetzt kann sie auf der Internet-Seite in roter Schrift feststellen: „Die Betreuung von Schwangeren und frisch entbundenen Müttern findet statt.“
Online ist nicht die Lösung für alles
So richtig glücklich ist Sabine Krauss-Lembcke mit der Online-Lösung aber nicht. „Es ist nicht dasselbe“, sagt sie. Oft genug hatte sie Frauen helfen können, nachdem sie per Abtasten herausfand, was los war. Aber auch die Betreuung nach der Entbindung ist online nicht ideal, sagt sie.
Eigentlich gebe es so viele gute Angebote im Landkreis. Vom Café Kinderwagen über die Familienwerkstatt bis hin zu den Familienhebammen des Kreisfachdienstes Jugend und Familie. Aber die können jetzt auch nicht oder nur eingeschränkt und meist telefonisch agieren. „Dabei zeigt die erfolgreiche Arbeit, dass diese Angebote notwendig sind“, sagt Krauss-Lembcke.
Wochenbettbetreuung wird immer wichtiger für junge Eltern
Trotzdem seien junge Eltern wie eh und je unsicher und suchen Rat, wie sie mit dem Baby umgehen sollen. „Für die Eltern in Not sind wir dann wieder doch die Ansprechpartner“, hat die Hebamme erlebt. Deshalb ist sie überzeugt, dass die Wochenbettbetreuung gerade in dieser Zeit eher wichtiger geworden ist.
Andererseits sieht Krauss-Lembcke auch gewisse Vorteile der Kontaktbeschränkungen. Noch nie seien die jungen Familien nach der Geburt so in Ruhe gelassen worden, wie in diesen Wochen. Nicht nur der Besuch der Familienhebammen falle aus, auch die Omas und Opas, Onkel und Tanten kommen nicht, um das Neugeborene zu begutachten. Das sei bedauerlich, bewahre die jungen Eltern aber auch vor einem Schwall von althergebrachten Tipps aus der Großelterngeneration. „Was sie brauchen, ist Unterstützung im Alltag, aber keine Elternkonkurrenz“, weiß die Hebamme aus vielen Jahren Erfahrung. Allzu oft habe sie da von Anregungen erfahren, die dem Ideal von fürsorglichem Umgang mit dem Neugeborenen und Achtsamkeit in der ganzen kleinen Familie widersprechen. Die Rolle sei für Eltern neu und dieser Stress komme zu wirtschaftlichen und anderen Sorgen in der Krise hinzu. „Eine aufsuchende Betreuung wäre gerade jetzt wichtig“, sagt Sabine Krauss-Lembcke.