Gesellschaftliche Verpflichtung

Schulstart unter straffen Hygienemaßnahmen - Schulleiter: „Ich arbeite seit Wochen im Krisenmodus“

Der geöffnete Bibelgarten schafft Platz in den Pausen. Eine Lehrkraft, hier Schulleiter Christian Piechot, achtet auf die Abstandsregeln. Foto: wennhold
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Der geöffnete Bibelgarten schafft Platz in den Pausen. Eine Lehrkraft, hier Schulleiter Christian Piechot, achtet auf die Abstandsregeln.

Verden - Noch ist die Situation entspannt an der Campusoberschule in Verden. Doch der Schein trügt. Die wenigen Schüler, die sich in der Pause in zwei Schichten auf dem Schulhof oder im Garten hinter der Aula verteilen, haben zu Hause gelernt, noch manchen Kraftakt unternommen, um sich in dem einen oder anderen Fach um eine Note zu verbessern. Jetzt geht es in die heiße Phase, um am Ende ein brauchbares Zeugnis mit nach Hause zu bringen.

Schulleiter Christian Piechot: „Sie finden die Situation ganz schön blöd, aber es nützt ja nichts. Wir tun hier alles, um sie zu unterstützen.“ Es wird auch alles getan, um sie vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, was in diesen Tagen noch überschaubar ist. Die Herausforderungen werden größer, wenn immer mehr Schüler zurückkehren. „Es ist jetzt so etwas wie der erste Probelauf.“ Eltern und Schüler haben schriftlich bekommen, welche Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssen, auf dem Schulhof achtet eine Lehrkraft darauf, dass sich die Schüler nicht zu nahe kommen. Es funktioniert.

Was dem Schulleiter aber neben allen anderen Einschränkungen besonders leidtut: „Es wird keine Zeugnisübergabe im üblichen Rahmen geben, der Abschlussball fällt aus und die Feier beim Domweihumzug auch. Wie die Verabschiedung von der Schule am Ende aussehen wird, ist noch ein großes Fragezeichen. Fünf zehnte Klassen, drei neunte Klassen und eine zehnte Abschlussklasse an der Hauptschule sind betroffen.

Vom Krisenmodus, dem Rahmenhygieneplan und der Notbetreuung

Noch häufiger werden Piechot und das Kollegium in Dienstbesprechungen per Videokonferenz darüber sprechen, wie der Schulbetrieb gemäß dem Rahmenhygieneplan des Landes Niedersachsen und den Vorgaben des Gesundheitsamtes aussehen kann. Einen Rahmen gibt es: „Ich arbeite seit Wochen im Krisenmodus.“ Zusammen mit dem Kollegium hat Piechot auch überlegt, wie Schülern geholfen werden kann, die eher die Aufmerksamkeit der Lehrkraft benötigen als andere. „Die kommen in die Notbetreuung.“

Wer keinen Computer oder ein Tablet zu Hause hat, bekommt etwas Adäquates von der Schule gestellt. In der aktuellen Situation wirkt es für den Schulleiter außerdem beruhigend, dass schon vor der Pandemie vorbereitet worden war, dass künftig alle Schüler ab der siebten Klasse mit einem Tablet ausgestattet werden sollen.

Noch gibt es viel Platz am Domgymnasium

Für Schulleiterin Dr. Dorothea Blume ist die Lage im Augenblick noch überschaubar. Weil es in diesem Jahr wegen der Umstellung von G8 auf G9 nur eine kleine Gruppe von Schülern gibt, die in die Abiturprüfungen gehen, hat sie viel Platz, um die Abstandsregeln einhalten zu können. „Wir sind ja eine Riesenschule und haben 47 Schüler, die sich jetzt mit ihren Lehrern auf die Prüfungen vorbereiten können.“ Die Betreuung sei aber auch schon vorher per Internet sehr intensiv gewesen.

Gestern stand zunächst die ausführliche Belehrung über die Regeln bei den Abiturprüfungen an, die sich zum Teil mit den Regeln in Corona-Zeiten decken. Die Prüfungen werden ausnahmsweise auch nicht in der Aula stattfinden, sondern wegen der wenig optimalen Belüftung dort in mehreren Klassenzimmern. Ein kompletter Trakt soll dafür reserviert werden.

Laufpläne für Schüler erarbeiten: Treppen um Altbau als Einbahnstraßen

Gleichzeitig arbeite die Schule daran, Laufpläne zu erarbeiten. Blume: „Das ist vor allem im Altbau notwendig. Dort werden Treppen nur einspurig sein.“ Außerdem sollen zunächst vorrangig Klassenräume genutzt werden, die mit einem Waschbecken ausgestattet sind, damit die Hände problemlos zwischendurch gewaschen werden können. „Wir machen vieles zum ersten Mal und müssen sicher immer wieder nachsteuern.“

Gefreut hat sich die Schulleiterin über die positive Einstellung ihrer Abiturienten, die auf alle festlichen oder feuchtfröhlichen Feierlichkeiten verzichten müssen: „Sie haben sich gewünscht, dass wir, wenn alles vorbei ist, noch einmal zusammenkommen.“ Wie die Zeugnisübergabe dann am 10. Juli vonstattengehen wird, ist noch nicht ganz klar, aber: „Ich werde alles dafür tun, dass es schön wird.“

Berufsbildende Schulen: Eine Hälfte kommt, die andere nicht

Auch die Berufsbildenden Schulen in Dauelsen befinden sich laut Schulleiter Norbert Mäteling in einer Phase des Herantastens. Viele Videokonferenzen und Telefonate habe es gegeben, um sich über die Einhaltung des Rahmenhygieneplans des Landes Niedersachsen abzusprechen. Bei über 30 Schulformen sei das ein nicht ganz einfaches Unterfangen gewesen. Gestern seien die ersten 100 Schüler des Beruflichen Gymnasiums gekommen, um sich auf die Abiturprüfungen vorzubereiten. Eine noch überschaubare Gruppe. Werden immer mehr Klassen in die Schule zurückkehren, sollen Maßnahmen wie unterschiedliche Anfangszeiten für Entzerrung sorgen. Die Schulalltage werden ähnlich wie die an den anderen Schulen aussehen: eine Hälfte kommt, die andere bleibt zu Hause. „Wir sind uns des Ernstes der Lage sehr bewusst und sehen es als gesellschaftliche Verpflichtung an, unsere Schüler und uns selbst hinsichtlich der Hygieneregeln in die Pflicht zu nehmen.“

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