Konzert mit Stefan Jürgens fällt aus
Verein Verdener Jazz- und Blues-Tage: Absagen wegen Corona schmerzen
Gähnende Leere herrscht in allen Veranstaltungskalendern. Das betrifft auch den Verein Verdener Jazz- und Blues-Tage, der in diesem Jahr schon mehrere Veranstaltungen absagen musste. VAZ-Redakteurin Katrin Preuß sprach mit dem Vorsitzenden Volkmar Koy über die Folgen der Corona-Pandemie für den rührigen Verein.
Kein Stefan Jürgens im März, kein Sonic Health Club im April, und der Frühschoppen am Pfingstmontag musste nun auch abgesagt werden. Demnächst wird sich der Verein wohl Gedanken darüber machen müssen, ob die Jazz- und Blues-Tage im September stattfinden können, oder?
Volkmar Koy: In der Tat sind das Absagen, die schmerzen. Es kommt mit der Riverboat-Party und Larry and the Handjive im Juni noch eine definitiv dazu. Das nächste Konzert wäre dann im August das Open Air mit der Lohmann R&B Kapelle am Domgymnasium. Auch das ist mehr als fraglich. Alle Konzerte haben letztendlich eines gemeinsam: Die Zuschauer sitzen oder stehen zu dicht zusammen, was nach den Richtlinien des Landes Niedersachsen bis Ende August schlicht verboten ist. Das wird der Verein auch nie organisieren können, dass ausreichend Abstände eingehalten werden. Was bei der Domweih nicht geht, das funktioniert logischerweise auch bei einem Konzert nicht. Insofern diskutieren wir im Vorstand – es gab schon mehrere Sitzungen als Video-Konferenz, das hat übrigens hervorragend geklappt –, was letztendlich im September passiert. Stefanie Heinzmann wollen wir natürlich gern in der Stadthalle hören und sehen. Nur, wenn die Bestimmungen nicht gelockert werden, reden wir naturgemäß sowohl über das Eröffnungskonzert als auch über die Jazz- und Blues-Nacht. Folglich sind das alles Dinge, die wir als Verein gar nicht beeinflussen können und wollen. Denn: Gesundheit hat absolut Vorrang.
Wie viel Zeit hat der Verein für solche Entscheidungen? Wann muss er sagen: hopp oder top?
Da wir praktisch für dieses Jahr mit allen Bands Verträge haben, ist der zeitliche Rahmen sehr begrenzt. Meine Stellvertreterin Barbara Rucka ist nur damit beschäftigt, die Dinge auch mit den Ticketanbietern Nordwest und Eventim zu klären. Dabei erhält sie maßgebliche Unterstützung vom Vereinsmitglied und Stadthallen-Managerin Silvia Voige. Und unsere Musikverantwortlichen Heiner Stöve sowie Dieter Rater müssen den Bands erklären, dass es in diesem Jahr wohl nicht klappen wird. Unsere Prämisse ist dabei, die Auftritte möglichst allesamt im Jahr 2021 einzutüten. Arbeiten, die wir alle so in unserem Vereinsleben logischerweise bislang nicht hatten. Dabei geht es aber nicht nur um die Bands. Schatzmeister Joachim Hutzel ist ständig nur am Neu-Kalkulieren. Eine irre Aufgabe.
Was bedeuten die Ausfälle finanziell für den Verein? Droht der Wegfall von Zuschüssen, wenn nichts stattfindet?
Die öffentlichen Zuschüsse und auch einige Sponsorengelder sind sehr streng an die durchgeführten Veranstaltungen gekoppelt. Sollten ab September doch noch unsere geplanten Konzerte stattfinden, erhalten wir zumindest noch Teilbeträge. Unsere ehrenamtliche Vereinsarbeit wird natürlich zukunftsorientiert, unabhängig von Zuschüssen und Sponsoring, zurzeit sehr aktiv betrieben. Wir stehen finanziell zufriedenstellend da. Das wurde auch in der jüngsten Jahreshauptversammlung deutlich. Wenn es irgendwie geht, wollen wir schließlich das kulturelle Leben in und um Verden wieder nach vorn bringen und maßgeblich bereichern.
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Gibt es schon Überlegungen zu einem alternativen Musikgenuss, zum Beispiel durch Wohnzimmer-Konzerte oder ähnliches? Technisch ist ja einiges möglich.
Tatsächlich sind derartige Überlegungen speziell von unseren Technikern im Gange. Die brauchen schließlich auch Einnahmen. Davon leben sie. Plötzlich kommen für den Verein noch ganz andere Dinge auf den Tisch. Wir stehen allesamt derzeit am Rand des Kraters. Eine Überlegung ist, eine Art Open-Air nach dem Vorbild des Freiluft-Kinos zu veranstalten. Erste Gespräche hat es gegeben. Das Ganze muss aber sowohl finanziell als auch genehmigungstechnisch klappen. Da sind die Gedanken erst am Anfang. Alles Neue muss überdacht und auch organisiert werden. Nicht so einfach. Und ins Wohnzimmer könnten wir natürlich gehen. Aber da haben es die Rolling Stones zum Beispiel finanziell etwas einfacher. Wer bezahlt das?
Wir malen jetzt mal den Teufel an die Wand: Wegen der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr nichts mehr stattfinden. Können wir uns dann auf ein – im positiven Sinne – ereignisreiches Jahr 2021 freuen? Was hat der Verein Verdener Jazz- und Blues-Tage dafür so im Köcher?
Es wird auch davon abhängen, wann wir überhaupt wieder veranstalten dürfen. Der Markt ist derzeit so extrem in Bewegung, dass es schwierig ist, was die Planungssicherheit angeht. Ich selbst bin auch betroffen und weiß nicht, wie es weitergeht. Habe Karten für Peter Frampton in Berlin. Das Konzert wurde jetzt komplett abgesagt und nicht verschoben. Der Veranstalter dort weiß nun auch nicht, was er machen soll. So geht es zwar dem Verein Verdener Jazz- und Blues-Tage nicht, aber es könnte 2021 ein interessantes Jahr werden. So haben wir die Frontm3n und Stefan Jürgens für Februar schon engagiert, und im Dezember wollen wir endlich mal wieder ein Weihnachtskonzert in Verden veranstalten, die Verhandlungen mit Tom Gaebel laufen auf Hochtouren. Das sind doch eigentlich schöne Vorzeichen. Was fehlt, ist nunmehr ein Impfstoff für alle, und das möglichst schnell.