Mit den Kindern in Kontakt bleiben

Wie die Lebenshilfe Verden in der Corona-Krise ihren Kunden zur Seite steht

Kreide-Botschaften für die Mitarbeiterinnen vor verschlossener Tür in Thedinghausen. Foto: Lebenshilfe
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Kreide-Botschaften für die Mitarbeiterinnen vor verschlossener Tür in Thedinghausen.

Landkreis – Die Schulen nehmen schrittweise den Betrieb wieder auf, aber Krippen und Kitas bleiben vorerst geschlossen und bieten allenfalls Notdienst an. Von einem Stillstand in den Einrichtungen kann aber keine Rede sein. Viele halten Kontakt und versuchen, durch die Corona-Krise zu begleiten. Die Lebenshilfe im Landkreis Verden, die unter anderem auch Kinder mit Behinderungen in ihren Einrichtungen betreut, ist da besonders gefordert. Das wird aus einer Mitteilung der Organisation deutlich.

„Die Verwaltung muss weiterlaufen. Der Arbeitsaufwand für unsere über 400 Mitarbeiter ist eher gewachsen. Fast stündlich kommen neue Richtlinien und Verordnungen raus, die wir alle koordinieren und umsetzen müssen. Das ist gerade unter den Sicherheitsmaßnahmen eine Herausforderung“, so Antje Jordan, kaufmännischer Vorstand. Auch ihr pädagogisches Pendant im Vorstand, Dr. Eva Berns, weiß, dass eher mehr zu tun ist. „Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen, der mit einem Shut-Down nicht unterbrochen werden kann. Es ist anders und häufig sogar schwieriger“, so Berns.

„Unsere Kunden verlassen sich auf uns, da dürfen wir sie jetzt nicht allein lassen“, erklärt die Vorständin. Die Mitarbeiter der Frühförderung stünden per Telefon für Notlagen rund um die Uhr bereit. Und wie schnell so eine Notlage eintreten kann, zeigt der Fall einer Mutter, die Betreuung für ihr behindertes Kleinkind nur in einer nicht kindgerechten Umgebung angeboten bekommen hatte. Vor Ort durften die Mitarbeiter wegen der Ansteckungsgefahr nicht helfen, fanden aber eine Lösung.

Wenn Familien mit einem behinderten Kind rund um die Uhr, häufig in beengten Verhältnissen, ohne Hilfe auskommen sollen, können Situationen auch eskalieren. „Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, versuchen wir, möglichst schon im Vorfeld unsere Kunden aktiv zu betreuen. So versenden wir Tipps als Mail, Videos oder auch als konventionellen Brief. Auch ein Telefonat kann manche Situation entschärfen“, weiß Mundita Kaeding, Geschäftsbereichsleiterin Frühförderung.

Auch die Kita am Lahof in Achim ist auf eine Notbetreuung heruntergefahren worden. Immerhin werden zwölf Kinder in Kleinstgruppen betreut. Was man vorbeugend tun kann, wird getan. Es gibt strenge Hygieneregeln, die das fünfköpfige Team um Edda Hasselhof-Kuss penibel einhält. Es versucht, was möglich ist, auch wenn manches merkwürdig wirkt. Etwa, wenn Eltern ihre Kinder vor der Kita verabschieden, weil sie nicht hinein dürfen.

„Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wissen wir auch, dass wir uns anstecken könnten, sollte eines der Kinder erkrankt sein“, so Hasselhof-Kuss. „Ich bin froh über jede Mitarbeiterin, die hier ihren Dienst tut, denn wir haben ja zusätzlich doppelte und dreifache Verantwortung, uns nicht selbst oder auch andere außerhalb der Arbeit anzustecken. Ich habe meine Mutter schon seit über vier Wochen nicht mehr gesehen.“

„Wir wissen um die Ansteckungsgefahr“

Dass diese Arbeit nicht als selbstverständlich angesehen wird, zeigt ein Präsentkorb, den eine Mutter aus Dankbarkeit für „die tolle Betreuung“ gespendet hat. Auch andere bedanken sich bei diesen Alltagshelden. Über Ostern gab es vor vielen Einrichtungen der Lebenshilfe „Kreidebotschaften“ an die Mitarbeiter. Kinder haben mit Namen oder anonym ihre Dankesbotschaften vor die Eingänge gemalt. „Es tut den Mitarbeitern gut, wenn ihre Arbeit gewürdigt wird“, so Elisabeth Hennies, Geschäftsbereichsleiterin Elementarpädagogik.

Die Krise fordert und fördert in nie geahnter Weise die Kreativität der Mitarbeiterinnen, weiß Hennies von den Kollegen. So verfassen sie Anleitungen für die Kinder mit Ideen für Spiele oder Basteleien. In Videos lesen sie Geschichten vor, singen Lieder oder geben praktische Tipps fürs Homeoffice. „Wir versuchen mit unseren Kindern im engen Kontakt zu bleiben und auch, um die Eltern mit dieser ungewohnten Situation nicht alleine zu lassen“, so Hasselhof-Kuss. In der Kita am Lahof werden nicht nur digitale Kanäle genutzt, das Team hat sich etwas zur direkten kontaktlosen Kommunikation einfallen lassen: An einem Panoramafenster steht der so genannte „Frühlingsbaum“, an dem Basteleien der Kinder hängen, die sie zu Hause gestalten und dann in den Briefkasten der Kita legen. So können die Kinder mit ihren Eltern bei einem Spaziergang sehen, was die Kinder alles gezaubert haben.

Lotta hat zu Hause den Setzling für das Hochbeet in ihrem Hort Blender gezogen.

„Wir versuchen, die Projekte weiterzuführen, die wir schon vor der Corona-Schließung angefangen haben. So haben wir allen Kindern Pflanzsäckchen für die Anlage unseres neuen Hochbeets geschickt, damit sie zu Hause selbst die ersten Keimlinge ziehen können“, berichtet Kirsten Piontek, Leiterin der Krippe Blender. Auch die Mitarbeiterinnen der Einrichtung haben den Kindern Lieder als Videobotschaft verschickt, die die Kinder in der Krippe gemeinsam mit ihnen gesungen haben. „So haben unsere Kinder immer auch ein wenig Blender Krippe in ihren Kinderzimmern zu Hause. Wir machen halt, wie alle, das Beste aus der derzeitigen Lage. Nie zuvor war der enge Zusammenhalt so wichtig, und das ist sehr schön zu erleben. Trotzdem sind wir froh, wenn wir wieder zum Alltag zurückkehren dürfen“, sagt Piontek.

Dass die Betreuung von Kindern mit Behinderungen besonders zeitintensiv ist, kann man sich leicht vorstellen. Wer dazu noch Homeoffice hat, ist besonders gefordert. Auch die Likedeeler Schule versucht, den Eltern beizustehen. „Unsere Kinder verstehen die Situation schon sehr gut und helfen auch, so gut wie sie können, mit. Aber die intensive Betreuung, die wir ihnen sonst bieten können, ist zu Hause nur sehr schwer leistbar. Da kann man auch mal ungeduldig werden“, weiß Sonja Scheibe, stellvertretende Leiterin der Likedeeler Schule.

Coronapäckchen kommen gut an

Um möglichst gut aus der Distanz zu helfen, werden wöchentlich „Coronapäckchen“ gepackt und die Schüler nehmen sie begeistert an. In den Päckchen sind nicht nur Hausaufgaben, sondern auch Backrezepte, Fotopuzzle und Ideen für etwas Sport zu Hause. Das Ganze wird ebenfalls mit Videobotschaften ergänzt, die bei den Schülern immer ganz besonders gut ankommen.

Völlig andere Aufgaben haben die Mitarbeiter der Offenen Hilfen. Die Teams der ambulanten Dienste versuchen den behinderten Menschen mit Beratung am Telefon zu helfen, gestalten Kontakte kreativ auf einem Spaziergang etwa, um den Mindestabstand einzuhalten, oder leisten Botendienste. „Es ist eine Herausforderung, alle neuen Regeln zum Infektionsschutz umzusetzen. Für unsere Kunden ist das alleine oft gar nicht durchführbar“, so Oliver Geweke, Geschäftsbereichsleiter der Offenen Hilfen. „Zum Teil sind unsere Angebote eingestellt, aber auch wir erfüllen einen gesellschaftlichen Auftrag und wollen jetzt niemanden im Stich lassen. Wir haben allerdings auch Risikopatienten unter unseren Kunden. Wenn Sie beispielsweise im Rollstuhl sitzen, ist die Lunge meist nicht so ausgebildet. Wir haben früh angefangen, uns kreativ mit Schutzleidung zu versorgen, haben Dinge aus dem Malerbedarf zweckentfremdet, selbst Masken genäht und viel zum Schutz improvisiert“, so Geweke weiter. Inzwischen ist die Versorgungslage besser. Dies sei auch notwendig für die Assistenzen, aber auch für die Mitarbeiter, die demnächst wieder in der Schulassistenz tätig werden. Die Mitarbeiter im Freizeitdienst, für die Geweke auch zuständig ist, arbeiten schon an Exit-Szenarien, damit es so schnell wie möglich wieder Angebote für behinderte Menschen gibt.

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