Neu-Infektionen unabhängig von Lockerungen
Amtsärztin zu Coronavirus im Kreis Verden: „Keine Hinweise auf dynamische Entwicklung“
Restaurants und Cafés dürfen wieder Gäste bewirten und Ferienwohnungen und Campingplätze nehmen Gäste auf. Die Lockerung der Corona-Einschränkungen lässt wieder eine Ahnung von Normalität aufkeimen. Aber die Angst vor einer zweiten Welle ist immer noch da.
Verden – Anzeichen dafür, dass sich die Lockerungen auf die Infektionszahlen im Landkreis Verden auswirken, sieht Jutta Dreyer bislang nicht. Für die Amtsärztin des Landkreises ist dabei aber nicht nur die moderate Entwicklung im Kreisgebiet bestimmend. Auch die akribisch nachverfolgten Infektionswege gaben ihr keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Lockerungen: „Das hat nichts damit zu tun“, ist sie sicher.
Allerdings bereitet ihr das traditionell ausgelassen gefeierte Himmelfahrtsfest in der kommenden Woche jetzt schon Bauchschmerzen. „Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen“, mahnt die Medizinerin. Die Corona-Krise sei längst nicht vorbei, befürchtet sie. Vorsicht, vor allem Abstandhalten und wenige Kontakte seien weiterhin geboten.
Coronavirus im Landkreis Verden: Regelmäßig neue Erkenntnisse über Sars-CoV-2
Nicht nur in Bezug auf Lockerungen werden Tag für Tag neue Forderungen erhoben oder Erlasse bekannt. Auch über den Erreger Sars-CoV-2, der nicht umsonst den Namenszusatz „neuartig“ erhalten hat, werden Erkenntnisse und Forschungsergebnisse Schlag auf Schlag veröffentlicht.
So beruft sich Jutta Dreyer auf das Robert-Koch-Institut, wenn sie von der Ansteckung über Aerosole spricht. Das Coronavirus könne sich offenbar über die Mikrometer großen Tröpfchen in der Atemluft gut übertragen. Deshalb sei es empfehlenswert, etwa Großraumbüros und eben die gerade erst wieder angelaufenen Restaurants gut zu lüften, um das Infektionsrisiko zu vermindern. Noch besser sei in dem Zusammenhang Außengastronomie, Biergärten und Straßencafés, wo die ansteckenden Wolken schnell weggetragen werden.
Amtsärztin im Landkreis Verden: Neu-Infektionen nicht auf Lockerungen zurückzuführen
Die neuen Infektionen, über die Jutta Dreyer auf der Internetseite des Landkreises Verden und in Pressemitteilungen täglich informiert, könnten nichts mit den gelockerten Einschränkungen zu tun haben. „Die Inkubationszeit ist fünf bis sechs Tage, dann kommen Symptome und der Abstrich wird gemacht. Bis dann das Ergebnis vorliegt, sind durchschnittlich 14 Tage vergangenen“, rechnet Dreyer vor.
Diesmal beruft Sie sich auf die Erkenntnisse des renommierten Virologen Christian Drosten. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass sich die Patienten, deren Infektion aktuell bestätigt wurde, vor den Lockerungen angesteckt haben müssen.
Dass es in den zurückliegenden Tagen auch Sprünge von vier oder fünf Fällen gegeben hat, seien auch keine Hinweise auf eine dynamischere Entwicklung der Epidemie. Am Montag lag es schlicht daran, dass die Fälle über das Wochenende aufgelaufen waren, und am Dienstag wurde die Covid-19-Erkrankung in einer Familie bestätigt. „Da hängt das dann einfach davon ab, wie groß die Familie ist“, erklärte Dreyer.

