Auch das Festnetz erlebt eine Renaissance

Corona im Landkreis Verden: Parteien tagen per Videokonferenzen

Der Grünen-Kreisvorstand mit Stefan Okrongli (o.v.l.), Susanne Hüneke, Karin Labinsky-Meyer, Boris Oberheitmann, Gitta Stahl und Doris Gerken tagt per Videokonferenz.
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Der Grünen-Kreisvorstand mit Stefan Okrongli (o.v.l.), Susanne Hüneke, Karin Labinsky-Meyer, Boris Oberheitmann, Gitta Stahl und Doris Gerken tagt per Videokonferenz.

Verden – Die große Politik auf Landes- sowie Bundesebene flimmert derzeit in jeder Sondersendung zur Coronakrise über den Bildschirm. Aber was passiert eigentlich bei den Parteien vor Ort im Landkreis Verden, abseits von den Notsitzungen der teilweise ausgedünnten Räte? Wie halten die Funktionäre Kontakt mit der Basis, wo doch alle möglichen Versammlungen oder Parteitage abgesagt worden sind?

„Aus Sicherheitsgründen wurden alle Veranstaltungen der SPD und ihrer Abgeordneten bis auf weiteres abgesagt“, bestätigt der SPD-Geschäftsführer Roland Güttler. Die Gremien vom Ortsverein über die SPD im Kreis Verden bis zum Bezirk Nord-Niedersachsen hätten ebenfalls ihre Sitzungen verschoben oder arbeiteten mittels Telefonkonferenzen oder zunehmend mit Videokonferenzen weiter zusammen. „In diesen Zeiten müssen wir die Bevölkerung und auch unsere Mitglieder schützen, dies gilt auch für die SPD-Arbeitsgemeinschaften, wie die AG60plus, die im Landkreis Verden fast 500 Mitglieder mit über 60 Jahren hat. Da versteht sich von selbst, dass Veranstaltungen ausfallen oder sich auf elektronischem Wege zumindest im Vorstand abgestimmt wird“, erläutert Güttler. Er selber und weitere Mitarbeiter seien auch im Homeoffice tätig, um die Parteiarbeit weiter fortzuführen.

„Es hilft allen, wenn besonders gefährdete Menschen gesund bleiben“

Besonders zu älteren Parteifreunden suchten die Christdemokraten im Landkreis Verden den direkten Kontakt per Telefon. So erreichte beispielsweise Wladimir Sabelfeld im Gemeindeverband Dörverden über 50 Mitglieder persönlich und erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen. In der kontaktarmen Zeit, besonders für Senioren, hat er sich über die allgemeinen Fragen während der Krise unterhalten und auf Hilfestellungen wie „Dörverden hilft“ (Telefon 04234/94215) hingewiesen. „Es hilft allen, wenn besonders gefährdete Menschen gesund bleiben. Alle haben sich über den Anruf gefreut“, berichtet er. Auch aus dem Stadtverband Verden meldeten sich Vorstandler telefonisch bei den Mitgliedern und gaben auch Tipps für Hilfen.

SPD-Geschäftsführer Roland Güttler regelt viel am Telefon.

Der Kreisvorstand der CDU hält unterdessen Kontakt per Videokonferenz, um bestimmte Fragestellungen auch mit der Kreistagsfraktion abzustimmen. „Die Kommunalpolitik auf Kreisebene muss zusätzlich zu den Fragestellungen der Coronakrise mittelfristig weiterlaufen. Dazu müssen wir auch schon in diesen Tagen Themen besprechen, damit es nach Corona zügig weiter geht“, sagt Kreisvorsitzender Adrian Mohr. Eine geplante Mitgliederbefragung zum neuen Bundesvorsitz der Partei musste jedoch verschoben werden.

Die Grünen des Landkreises Verden tagen per Videokonferenz

Ganz auf die digitalen Medien setzen auch die Grünen im Landkreis, dessen Vorstand nun auch per Videokonferenz tagt. „Mit „grünen Wolken“ – Vernetzungs- und Datenaustauschplattformen – können wir begegnungsfrei und fern der datenschutzrechtlich fragwürdigen E-Mail-Programme Daten aller Art austauschen. Jetzt sind wir gezwungen, auch vor Ort den schönen Worten gute Taten folgen zu lassen. Und wir sind da schon ganz gut aufgestellt“, erklärt Geschäftsführerin Gitta Stahl. So sei die Vorstandsarbeit des Kreisvorstandes nun vollständig ins Netz verlegt worden, was laut Stahl schon längst überfällig gewesen sei, weil sich die Teilnehmer über den ganzen Landkreis verteilten. „Kommunikation und politische Arbeitsprozesse galt es zu sichern. Jetzt ist der „Dialog digital“ Realität geworden, konstatiert Stahl. Die Plattform gehöre nicht umsonst zu den Marktführern, welche auch die Europaabgeordneten nutzen sollen.

CDU-Kreisvorsitzender Adrian Mohr (r.) hält Kontakt zum Vorstand.

„Sollte uns das Pandemiegeschehen also noch länger ausbremsen, werden wir wohl auch zur Kreismitgliederversammlung per Videochat einladen und mit dieser Lösung brauchbare Versammlungen abhalten“, schaut sie voraus. Konkret geplant sei, schon die Neumitgliederversammlung am 8. April erstmals über „Dialog digital“ anzubieten und damit Neuland in der Basisarbeit der Partei zu betreten. Auch überregional seien die Grünen gut digital vernetzt, damit die grünen Themen weiter bearbeitet werden könnten.

Die Liberalen mussten wegen der Coronakrise auf ihr traditionelles Spargelessen verzichten. Mit einer Gutscheinaktion soll der Verlust für die Gastronomin kompensiert werden. Inzwischen konzentriere man sich in der FDP ganz auf die Bewältigung der Krise unter Mitwirkung in den lokalen Gremien. „Es geht nicht darum, mit eigenen Vorschlägen politische Diskussionen in Stadt und Kreis loszutreten, aber es wird auf das Kleingedruckte geachtet“, sagt Kreisvorsitzender Christoph Pein. (lee)

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