Quarantäne und Telefondienst

Corona im Landkreis Verden: Telefone des Gesundheitsamtes stehen nicht still

Das Telefon von Jutta Dreyer und ihrem Team steht nicht still.
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Das Telefon von Jutta Dreyer und ihrem Team steht nicht still.

Das Telefon ist derzeit eines der wichtigsten Arbeitsmittel im Verdener Gesundheitsamt. Allein neun Fachkräfte im Fachdienst des Landkreises sind seit dem ersten Coronavirus-Fall Anfang März damit beschäftigt, die Infektionsketten positiv getesteter Personen zu durchleuchten und Kontaktpersonen zu ermitteln.

Landkreis – Kein neuer Corona-Patient ist seit Freitag im Kreisgebiet nachgewiesen worden. Das ist seit dem zehnten März das zweite Mal. Und wieder konnten zwölf Covid-19-Erkrankte als genesen entlassen werden. Damit sinkt die Zahl der Patienten auf 14 Betroffene. Sechs von ihnen sind in stationärer Behandlung, die übrigen in häuslicher Quarantäne.

„Wir haben weit über 1 000 Telefonate geführt, um abzuklären, welche Kontaktpersonen es im Umfeld von infizierten Patienten gibt“, erklärt Amtsärztin Jutta Dreyer. „Nur durch das akribische Nachverfolgen der Kontakte und einer Unterquarantänestellung maßgeblicher Kontaktpersonen, haben wir die Chance, die Virusausbreitung einzudämmen“, erklärt die Leiterin der Gesundheitsbehörde in einer Pressemitteilung des Landkreises.

Dreyers Mitarbeiterinnen müssen schnell handeln, wenn ein Patient positiv getestet wurde. Sie befragen sie am Telefon, mit wem sie in den Tagen vor dem Ausbruch Kontakt hatten. Maßgeblich sei der Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Bei mehr als 15 Minuten in enger räumlicher Nähe müsse man von einem erhöhten Infektionsrisiko ausgehen. Diese so genannten Kontaktpersonen ersten Grades würden sofort kontaktiert und nach einer weiteren Befragung unter Quarantäne gestellt. „Kontaktpersonen zweiten Grades, bei denen der Kontakt zu einer infizierten Person kürzer ausfiel, beraten wir und animieren sie zur Vorsicht.“

Die bislang 113 Covid-19-Erkrankten und weitere 399 Kontaktpersonen stellte die Amtsärztin seit dem Erstausbruch im Kreis unter Quarantäne. 98 Infizierte sind inzwischen wieder gesund, weitere 341 Verdachtsfälle konnte sie aus der Quarantäne entlassen. 66 Infizierte sind männlich, 47 weiblich. 78 Virus-Infizierte leben im Nordkreis, 35 im Südkreis. „Bei den Erkrankten in den ersten Wochen handelte es sich mehrheitlich um Urlaubsrückkehrer aus Skigebieten im Alpenraum“, so Dreyer.

Für Verdachtspersonen gelte eine 14-tägige Quarantäne ab dem Zeitpunkt des Kontaktes zu einer infizierten Person. Sie dürfen dann weder ohne Erlaubnis das Haus verlassen noch Besuch empfangen. Sie müssen ihren Zustand selbst beobachten und darüber ein fortlaufendes digitales Tagebuch führen.

Wer positiv getestet wurde kann die Quarantäne frühestens 14 Tage nach Symptombeginn beenden, vorausgesetzt, dass zu dem Zeitpunkt mindestens 48 Stunden lang keine Symptome auftraten. Anderenfalls werde die Quarantäne verlängert. „Die Aufforderung, sich in häuslicher Quarantäne abzusondern, ist keine Bitte“, betont Dreyer, „sondern eine Anordnung nach dem Infektionsschutzgesetz.“ Wer sie nicht befolgt, müsse mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Der Virus beschäftigt mit Kontaktpersonenrecherche, Quarantäneanordnungen und -Überwachung, Gesundheitsberatung, sowie die Abstimmung mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen, wo sich sonst drei Mitarbeiterinnen um den Infektionsschutz kümmern, 25 Personen in Dreyers Fachdienst, darunter vier Ärztinnen und eine ärztliche Honorarkraft. Daneben bleiben den Mitarbeitern die gewohnten Aufgaben, Kinder- und Jugendmedizin, Zahngesundheit, amtsärztliche Begutachtung, Trinkwasserüberwachung und Sozialpsychiatrischer Dienst. „Wir können nicht alles auf Eis legen. Insbesondere die Not psychisch kranker Menschen ist in den Wochen der Krise spürbar gestiegen“, weiß Dreyer.  kle

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