Immer mehr Menschen im Landkreis Verden krank
Bluthochdruck: Schleichender Tod
Übergewicht, Bluthochdruck, so denken die meisten. Aber auch wer gertenschlank und sportlich ist, kann davon betroffen sein...Also, regelmäßig checken und vorbeugen....Ist ziemlich einfach!
Verden – Übergewicht, dazu starker Raucher, vielleicht noch eine auffällig rötliche Gesichtsfarbe, da fällt selbst dem medizinischen Laien die Diagnose nicht unbedingt schwer: Bluthochdruck. „Komplizierter und vor allem gefährlich wird’s, wenn nach außen auf den ersten Blick keine Symptome zu erkennen sind“, so Jonas Kück, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Verden. Denn: Gertenschlank, sportlich, auch da gilt: Bluthochdruck nicht ausgeschlossen. Nach jüngsten Recherchen der Barmer sind allein im Landkreis Verden insgesamt 37 000 Menschen betroffen. Niedersachsenweit liegt die Zahl bei 2,2 Millionen.
Landkreis Verden: 37.000 Menschen von Bluthochdruck betroffen
Mit dem Bluthochdruck, der Mediziner spricht von Hypertonie, leben, ja, kein Problem, doch ihn einfach passieren lassen, da hebt Jonas Kück warnend den Finger. „Bei nahezu jedem zweiten über 50-Jährigen ist der Blutdruck erhöht. Lange Zeit nahmen wir an, es handele sich um eine unvermeidliche Alterserscheinung“, so Kück. Doch weit gefehlt. Jede und jeder ist mit seinem Körper durchaus seines Glückes Schmied. Denn: „Richtig ist zwar, dass man auch mit einem erhöhten Blutdruck alt werden kann“, so Michael Erdmann, Pressesprecher der Barmer Niedersachsen-Bremen. „Dafür muss der Wert aber sinken.“
Auslöser für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Herzschwäche
Und genau da kommt der Betroffene ins Spiel: „Zunächst sind es einzelne Stellschrauben, an denen jeder Mensch drehen kann“, so Erdmann. Ausschlaggebend für die Höhe des Blutdrucks ist die Lebensführung, wie sich jemand ernährt, ob er regelmäßig und ausreichend körperlich aktiv ist, wie viel Gewicht er auf die Waage bringt und ob er raucht. „Es sind die bekannten, üblichen Faktoren“, sagt Erdmann. Wo nicht gegengesteuert wird, sind die Folgen unausweichlich, das belegen die Zahlen: „Hoher Blutdruck ist und bleibt seit Jahren ein bedeutender Risikofaktor für Krankheiten, die in der Statistik der Todesursachen ganz oben stehen, Auslöser für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Herzschwäche sind“, schildert Erdmann. „In der Reihenfolge nehmen sie die ersten drei Ränge in der Statistik ein.“
Bluthochdruck: Ursache kann zum Beispiel eine familiäre Veranlagung sein
Die Gründe dafür liegen auf der Hand, auch weil der Tod schleichend kommen könne: „Auch deshalb, weil ein erhöhter Blutdruck meist nicht zu spüren ist“, so Kück. Wo ein übergewichtiger vielleicht gewarnt ist, gibt es durchaus sportliche und ernährungsbewusste Menschen, die ebenfalls – allerdings unbemerkt – Bluthochdruck haben: „Ursache kann zum Beispiel eine familiäre Veranlagung sein“, so Erdmann. Auch müsse nicht ausschließlich die rötliche Gesichtsfarbe als Kennzeichen gelten. „In anderen Fällen wiederum kann extreme Gesichtsblässe ein Symptom für Hypertonie sein.“ Nur wenn der Wert extrem hoch ist, kann er manchmal Symptome wie Schwindel und Sehstörungen zur Folge haben.
Dem Bluthochdruck auf die Spur kommen, ist schnell gemacht: „Eigentlich ist es zunächst ganz einfach“, sagt Michael Erdmann. „Den Mini-Check, den gibt es doch schon in der Apotheke. Wer sich nicht wohlfühlt, irgendwelche ungewohnten Anzeichen, körperliches Unwohlsein verspürt, der kann sich ganz unkompliziert den Blutdruck messen lassen.“ Gibt es bestätigte Symptome, sollte man sich in aller Ruhe und beim Arzt gründlich durchchecken lassen. „Dabei verlässt sich der Mediziner nicht auf eine einzelne Messung, sondern bestimmt den Blutdruck an mehreren Tagen“, so Erdmann. Ein normaler Wert liegt bei einem Erwachsenen unter 140 zu 90.
Bluthochdruck: Den Mini-Check, den gibt es doch schon in der Apotheke
Wo Stellschrauben wie Abnehmen, salzarme Ernährung oder Bewegung nur (noch) bedingt helfen, kann die Medizin weiter unterstützen. „Allerdings sollte man, ehe man sich für eine Behandlung mit Blutdrucksenkern entscheidet, die Vor- und Nachteile genau abwägen“, betont Kück. Der Geschäftsführer der Barmer verrät daher sein persönliches Rezept: „Nicht rauchen, gesunde Ernährung, Gewicht halten. Das sind zudem Effekte, die ineinandergreifen. Eine Ernährung mit viel Gemüse und Obst hilft, Gewicht abzubauen. Leichter geworden, fällt auch das Fitnesstraining leichter und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.“
Ursachen von Bluthochdruck: Falsche Ernährung wie der übermäßige Genuss von Fast Food, der Genuss von Getränken mit hohen Zuckeranteil
Trotz aller Warnungen und Ratschläge, sorgen macht den Krankenkassen der Blick in die jüngeren Jahrgänge. „Falsche Ernährung wie der übermäßige Genuss von Fast Food, der Genuss von Getränken mit hohen Zuckeranteil, es sind die klassischen Begleitumstände, die die Weichen für Bluthochdruck im Alter stellen. Da wird in den kommenden Jahren noch einiges auf uns zu kommen“, so Kück. Bedauerlicherweise spiele die Pandemie dem noch in die Hände. „Mangelnde Bewegung aufgrund von Beschränkungen, Vereins- und Schulsport, die wegfallen, da heißt es in Zukunft wieder, massiv gegensteuern und mit attraktiven Angeboten zu helfen“, so Kück. Nachholbedarf gib es zudem in medizinischer Hinsicht. „Arzttermine sind im Zuge von Corona bei vielen, insbesondere bei Risikogruppen, weggefallen. Das wird ein Problem“, sagt Erdmann. Sein Rat deshalb: „Den regelmäßigen ärztlichen Medizincheck, den sollte sich jeder gönnen.“