„Im leeren Museum zu stehen, ist schon traurig"

Das Deutsche Pferdemuseum zur Corona-Zeit: Trotz Schließung einiges zu tun

Historisches Fotomaterial aus dem Archiv Menzendorf sichten Christoph Neddens (l.) und Reinhard Röpke.
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Historisches Fotomaterial aus dem Archiv Menzendorf sichten Christoph Neddens (l.) und Reinhard Röpke.

Verden – „Wie läuft das jetzt eigentlich im Museum? Wenn keine Gäste kommen, habt ihr doch gar nichts mehr zu tun, oder?“ Diese oder ähnliche Fragen hören die Mitarbeiter des Deutschen Pferdemuseums (DPM) in Verden jetzt häufig, wie Verwaltungsleiterin Ina Rohlfing berichtet. Denn wegen der Corona-Pandemie sei auch das DPM seit sechs Wochen für den Publikumsverkehr geschlossen, so Rohlfing.

Bereits vor Inkrafttreten der behördlichen Anordnungen hatte die Museumsleitung in Abstimmung mit dem Vorstandsvorsitzenden Rainer Kiel entschieden, das Museum bis auf Weiteres zu schließen. Auch alle geplanten Veranstaltungen, Vorträge und Workshops sowie sämtliche Angebote der Museumspädagogik wurden bis in den Mai hinein abgesagt. Das gilt auch für den für Ende Mai vorgesehenen Themenabend „Donnerhall – der Jahrtausendhengst“.

„Die Schließung und die Absagen des Veranstaltungsprogramms sind sehr schmerzlich. Wir bedauern dies sehr – vor allem, weil wir im Januar und Februar mit sehr guten Gästezahlen ins neue Jahr gestartet sind und auch die Veranstaltungen im März und April teils schon ausgebucht waren“, fasst Ina Rohlfing die Situation zusammen. „Im leeren Museum zu stehen, ist schon traurig. Trotz allem sind die angeordneten Maßnahmen zu Eingrenzung des Virus natürlich absolut notwendig und nachvollziehbar.“

DPM sucht Ersatztermine für nach Corona

Nun gilt es Ersatztermine für die abgesagten Veranstaltungen zu finden und die Planungen für die Sonderausstellungen 2020 voranzutreiben. Das gesamte Team hofft, dass das Museum am Holzmarkt möglichst bald wieder öffnen darf – zumindest für den einzelnen Besucher. „Zutrittskontrollen sind ohnehin Standard im Museumsalltag, und mit seiner Ausstellungsfläche von 1. 600 Quadratmetern bietet das Museum ausreichend Platz für einen entspannten Besuch unter Wahrung der vorgegebenen Abstandsregelungen“, so Rohlfing.

Bis zur Wiedereröffnung kommt beim DPM-Team trotz fehlender Gäste keine Langeweile auf. So wird die Zeit beispielsweise genutzt, um in der Ausstellung Vitrinen zu öffnen, Exponate zu kontrollieren, zu pflegen und neu anzuordnen.

Museumsräume und Trauzimmer erstrahlen un neuem Glanz 

Der sogenannte Stuckraum, der einen Teil der pferdekundlichen Bibliothek beinhaltet und auch als städtisches Trauzimmer genutzt wird, erstrahlt nach einer umfassenden Reinigung im neuen Glanz. Über mehrere Tage wurden allein in diesem Raum Hunderte historischer Bücher abgesaugt und begutachtet.

Mitarbeiter des Museumsshops helfen nun im Fotoarchiv aus und unterstützen dort den zuständigen Kollegen Christoph Neddens bei der Inventarisierung und Dokumentation eines umfassenden Fotobestandes aus dem Nachlass der bedeutenden Fotografenfamilie Menzendorf. Diese laut Rohlfing wird die wohl bedeutendste und älteste Fotosammlung rund ums Thema Pferd umfasst über 400. 000 Aufnahmen. „Die Berliner Familie Menzendorf hat über einen Zeitraum von 100 Jahren ein einzigartiges und bedeutendes Fotoarchiv aufgebaut, das die Geschichte von Pferdesport und Zucht in Deutschland ab 1900 eindrucksvoll und nahezu lückenlos dokumentiert“, so die Expertin.

Kunsthistorikerin Christine Rüppell inventarisiert einen Ehrenpreis der Amazone Käthe Franke.

Derweil kümmert sich Christine Rüppell als wissenschaftliche Leiterin um die Inventarisierung von Neuzugängen. Sie nimmt die Objekte sorgfältig in Augenschein, vermisst, fotografiert, bewertet den Erhaltungszustand, vergibt Inventarnummern, bestimmt Art und Ort der Lagerung und hält alles in der Sammlungsdatenbank fest. Zugleich ist sie als Kuratorin für die inhaltliche Ausarbeitung der nächsten Sonderausstellung zuständig, entwickelt Konzept und die Story der Ausstellung, schreibt Texte, recherchiert Objekte und organisiert den Leihverkehr. Museumspädagogin Maren Lippitz erarbeitet Programme und Aktionen für Kindergruppen, Schulklassen und Familien und schaut, wie sich Ausstellungsinhalte zielgruppengerecht vermitteln lassen.

„Der Museumsalltag ist vielfältig und gespickt mit den unterschiedlichsten Aufgaben“, betont Ina Rohlfing. Allerdings finde der überwiegende Teil der täglichen Arbeit im Depot, den Archiven, der Ausstellungsplanung, der Veranstaltungsorganisation, der Verwaltung und der Vermittlung mehr oder weniger im Verborgenen statt. Zu tun gebe es für das Team des Deutschen Pferdemuseums also immer was, auch montags, und auch zu Corona-Zeiten.

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