Eigener Eingang für Infektiöse
Ärzte reagieren auf Coronavirus-Herausforderung
Verden - „Insgesamt läuft es gut, kassenärztliche Vereinigung, Gesundheitsamt und Ärzte gehen mit der Situation gut um, das Arbeitsklima ist optimal“ – so schätzen Verdener Ärzte den Umgang mit der durch das Coronavirus verursachten Krankheit Covid-19 ein, hat Dr. med. Matthias Nölle, hausärztlicher Internist in der Praxis Am Meldauer Berg und Vorsitzender der Ärztevereinigung Landkreis Verden, in Gesprächen mit Kollegen erfahren, berichtet er auf Anfrage am Telefon. „In der Praxis geht es ruhiger zu als sonst, und auch in anderen Arztpraxen ist es ähnlich“, sagt er.
Dr. med. Hans-Walter Fischer, Pneumologe (Lungenfacharzt), Allergologe, Internist und Ausschussvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Verden, formuliert es so: „Es ist fast langweilig, die Patientenzahl hat sich um die Hälfte reduziert.“ Denn der Kontakt zwischen Patienten, Ärzten und Helferinnen wurde reduziert, und deshalb hat die telefonische Betreuung zugenommen.
In der Praxis von Zahnärztin Angela Homann ist es ebenso: „Wir sind telefonisch für unsere Patienten zu erreichen und behandeln nur Notfälle, also Patienten mit Schmerzen und alles, was man nicht aufschieben kann.“ Zum einen, um ihre Mitarbeiterinnen zu schützen, und zum anderen, weil nicht mehr anfällt. Sie und je nach Bedarf zwei Assistentinnen kommen in die Praxis, fünf weitere Helferinnen und eine Zahntechnikerin bleiben zu Hause. „Ich habe Kurzarbeit beantragt“, sagt Homann.
Erste Anlaufstelle für Verdachtsfälle auf Covid-19 sind die Hausärzte. „Das ist eine gute Regelung in Niedersachsen, weil Hausärzte ihre Patienten kennen. Die Helferin schätzt am Telefon ein, ob es ein Fall für das Testzentrum ist“, stellt Nölle den Ablauf dar. Nennt ein Anrufer andere Beschwerden, wird er zu einer bestimmten Zeit einbestellt, getrennt vom Praxisablauf. In der Praxis Am Meldauer Berg gibt es drei Eingänge: einen für Infektiöse, einen für Formalien wie das Abholen von Rezepten, Überweisungen und Attesten, und den Haupteingang.
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Praxis errichtet Extra-Eingang für mögliche Corona-Patienten
Fischer hat seine Praxis umgebaut und einen weiteren Eingang geschaffen, damit potenziell infektiöse Patienten von den anderen getrennt werden können. Auch wenn er momentan weniger Zulauf verzeichnet: „Es kommen Patienten mit Infekten der oberen Atemwege – das kann Auswirkung der normalen Virusgrippe, Heuschnupfen aber auch Covid-19 sein –, weitere zeigen keine eindeutige Symptomatik, und wieder andere gehören zur Risikogruppe. Jeder Patient wird so behandelt, als ob er ein Virusträger wäre.“ Deshalb arbeiten er und seine Helferinnen in Schutzkleidung, und der Wechsel der Ausrüstung ist aufwendig und dauert.
Zudem werden Patienten mit Atemnot, Lungenerkrankung und Tumorpatienten zur Nachsorge behandelt. Alles in einer Schicht. Kurzarbeit schiebt Fischer hinaus: „Dann kommt womöglich der Ansturm und wir werden gebraucht.“ Anders in der Praxis Am Meldauer Berg: Bis vor Ostern haben sich Ärzte und Helferinnen in zwei Schichten aufgeteilt, die kleinen Kontakt zueinander haben. „Jetzt wollen wir die alte Präsenz zeigen“, sagt Nölle, also alle sechs Hausärzte und der Kardiologe sind wieder gemeinsam in der Praxis.
„Wir müssen die Schutzausrüstung gezielt einsetzen“, beschreibt Nölle die Situation vorsichtig und ergänzt: „Es wäre uns lieb, wenn wir wüssten, dass mehr Nachschub kommt.“ Lungenfacharzt Fischer wird deutlicher: „Schutzkleidung ist wichtig, damit wir arbeiten können. Dennoch müssen wir damit vorsichtig umgehen. Der Mangel ist schlimm, viele Kollegen haben Angst und ihre Sorge ist berechtigt. Vor allem an Schutzanzügen herrscht Mangel.“
FFP-2-Schutzmasken müssen eine Woche lang halten
Der Overall besteht aus Vlies und sollte nach der Behandlung jedes Patienten gewechselt werden. „Damit die Anzüge reichen, ziehen wir neue an, wenn sie verunreinigt sind, ansonsten nehmen wir jeden Tag einen neuen“, schildert Fischer. FFP-2-Schutzmasken hat er aus der Landwirtschaft bekommen, und die müssen eine Woche lang halten. Gummihandschuhe werden nach jedem infektiösen Patienten gewechselt. „Noch ist genügend Ausrüstung vorhanden, doch sie geht dem Ende zu“, sagt Zahnärztin Homann. Sie und ihre Mitarbeiterinnen brauchen Brille, Mundschutz und Handschuhe, also den Schutz, den sie auch sonst benötigt. Nur, dass jetzt jede verstärkt darauf achtet, dass alles richtig angelegt wird.
Die Hygiene in der Zahnarztpraxis wurde verschärft. „Alles wird dreimal am Tag und zusätzlich nach jeder Behandlung gereinigt, wir lüften, sooft es möglich ist, vergeben unsere Termine so, dass höchstens zwei Patienten im Wartezimmer sitzen, und versuchen, bei der Behandlung so wenig Aerosol wie möglich zu produzieren“, sagt Homann. Noch ist Desinfektionsmittel vorhanden, doch auch das geht zur Neige, und sie versucht, welches nachzubestellen.
Fischers Helferinnen desinfizieren den Behandlungsraum nach jedem Patienten. „Desinfektionsmittel wird knapp, und wir versuchen, Nachschub zu bekommen“, sagt er. Dagegen bemerkt Nölle keinen Engpass. „Die Flächendesinfektion läuft bei uns wie immer ab“, berichtet er und fügt hinzu: „Hausärzte sterilisieren Geräte nicht mehr selbst, sondern arbeiten mit Einmalmaterial.“
Ärztlicher Bereitschaftsdienst übernimmt an Feiertagen
Sind die Hausarztpraxen geschlossen, also nachts, an Feiertagen und mittwoch- und freitagnachmittags, übernimmt der ärztliche Bereitschaftsdienst. „Der sitzt in gemieteten Räumen am Krankenhaus, ist unter Telefon 116 117 zu erreichen und veranlasst Abstriche, wenn es nötig ist“, sagt Nölle. Schwierigkeiten im Kreis Verden seien ihm nicht zu Ohren gekommen. Dem stimmt Fischer zu: „Die Bereitschaftszentren waren von Anfang an einwandfrei ausgestattet.“
Um den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient so weit es geht zu vermeiden, wird viel telefonisch erledigt. „Beispielsweise, wenn Patienten Medikamente benötigen, aber auch zu Beginn des Quartals brauchte niemand extra in die Praxis zu kommen, um die Versichertenkarte vorzuzeigen, sondern die wird auf Knopfdruck eingelesen“, sagt Fischer. Nölle gibt zu bedenken: „Kommen Patienten ohne Karte, ist der Verwaltungsaufwand für Ärzte größer. Deshalb geht eine Helferin mit Lesegerät vor die Tür, in das die Patienten, assistiert von der Helferin, die Karte selbst hineinstecken.“ Auch bei Zahnärztin Homann sollten Patienten ihre Karte dabeihaben: „Die müssen wir einlesen.“
Von Inka Sommerfeld
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