Mehr als nur online
Verdener Kirchen setzen Zeichen zu den Festtagen an Ostern
Verden - Videogottesdienste, Andachten, die ausliegen oder an der Kirchtür hängen, und ein virtuelles Abendmahl: Mit viel Kreativität versuchen die Pastoren neue Wege, um ihre Schäfchen zu erreichen. In Zeiten in denen sich wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus die körperliche Gemeinschaft der Gläubigen verbietet, bereiten die evangelischen Christen ihr höchstes Fest vor. Zumindest ein sichtbares Zeichen setzen die Verdener Gemeinden mit einem Banner am Dom.
„Die Kirchen können sich nicht äußern“, klagt Dieter Sogorski. Der Pastor der Verdener Domgemeinde hat jetzt schon seit Wochen keinen richtigen Gottesdienst mehr geleitet. Wegen der Einschränkungen bleiben die Kirchen geschlossen und auch die religiösen Versammlungen sind abgesagt.
Ostern ist etwas Besonderes im Kirchenjahr und da reicht dem Geistlichen das symbolische Geläut von den Kirchtürmen nicht. Morgens, mittags und abends soll es die Mitglieder trotz Versammlungsverbots daran erinnern, dass sie eine Gemeinschaft sind. Auch nicht die kleinen Andachten und Denkanstöße sind Sogorski genug, die Diakon Christian Wietfeldt zum Mitnehmen am geschlossenen Domeingang aufgehängt hat.
Ein Banner hängt jetzt am Renaissance-Giebel des Domgemeindezentrums und stimmt mit seiner düsteren Gestaltung auf die dunkelste Stunde in den Geschichten des Neuen Testaments ein, die Kreuzigung Jesu, die am Karfreitag festlich begangen wird. „Das Banner soll auch die Leiden all der Leute einbeziehen, die jetzt von der Corona-Krise betroffen sind“, erklärt Sogorski, als er sich mit Wietfeldt und dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Jens Wilkens daran macht, das Banner anzubringen.
Kirche wollte etwas handfestes: Online kein Ersatz für Gemeinschaftserlebnis
„Das hat gefehlt“, stellt der Kirchenvorstand zufrieden und mit einem erleichterten Seufzer fest. Das sei doch etwas Handfestes, diese „Online-Geschichten“ behagen ihm nicht. Ein Ersatz für das echte Gemeinschaftserlebnis im Gottesdienst kann das für ihn nicht sein.
Das schwarze Plakat soll noch den Karfreitag über hängen bleiben und wird dann gegen ein helles farbiges ausgetauscht, wenn es Ostern wird und Sogorski mit seinen Schäfchen das christliche Freudenfest der Auferstehung feiert. Die Gottesdienstfeier allerdings wird dann wieder ausschließlich virtuell sein müssen, Gemeinschaft auf sichere Distanz per Video aus dem Internet. Die Verbindung zum heimischen PC sollen die Kirchgänger über die Internetseite des Kirchenkreises (www.kirchenkreis-verden.de) herstellen können.
Ostern vom Balkon: Aktion des ZDF auch in Verden
Etwas stärker dürfte das Gefühl von „Glaubensgemeinschaft“ werden, wenn es gelingen würde, am Sonntag ab 10.15 Uhr allenthalben das Osterlied erklingen zu lassen. „,Ostern vom Balkon’ könnte ein Höhepunkt des Festes werden, meint Kerstin Dierolf von der Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis. Das Posaunenwerk der Landeskirche lädt ein, um 10.15 Uhr mit Trompeten und Posaunen oder auch mit Gesang das Gesangbuchlied: „Christ ist erstanden“ anzustimmen. Die Aktion schließt an den vom ZDF ausgestrahlten Fernsehgottesdienst (Beginn 9.30 Uhr) an, sodass die Übertragung übergeht in Live-Musik von Plätzen, Kirchtürmen und Balkonen.
Wer dann noch etwas Erbauung an den Festtagen benötigt, findet an den Verdener Kirchen Postkarten zum Mitnehmen, berichtet Sogorski. Darauf haben die Seelsorger Grüße und Andachten für alle Mitglieder ihrer Gemeinde geschrieben.