Schlechte Stimmung und düstere Erwartungen

Die Wirtschaft im Landkreis Verden leidet an Corona

Mit dem Shutdown verringerten sich auch die Reparaturen. Foto: Handwerkskammer/Harnack
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Mit dem Shutdown verringerten sich auch die Reparaturen.

Landkreis - Die Stimmung in der Wirtschaft ist nicht gut. Auch im Landkreis Verden kämpfen viele Betriebe in Handel, Handwerk und Industrie mit den Auswirkungen der Pandemie. Schließungen, Auftragseinbrüche und Verzögerungen bei den Zulieferern sorgen auch im Kreisgebiet dafür, dass die Corona-Krise droht, zu einer wirtschaftlichen zu werden.

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Corona-Krise schon vor Wochen angekommen. Im Amtsgericht stapeln sich aber noch keine Insolvenzanmeldungen. Das allerdings ist kein Hinweis auf die solide Lage in den Betrieben, sondern einfach ein Element des milliardenschweren Rettungsschirms, den die Bundesregierung über dem Wirtschaftsraum in der Republik aufgespannt hat. „Die Insolvenzantragspflicht ist bis September aufgeschoben“, stellte der Sprecher des Gerichts, Richter Jörg Dreher, klar. Deshalb gebe es bislang keine Hinweise auf Auswirkungen auf die Betriebe.

Der zeitweise Shutdown wird in Gastronomie, Tourismus oder Logistik kaum ohne Wirkung bleiben. In einer IHK-Umfrage in den zurückliegenden Wochen beklagen mehr als die Hälfte von 61 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum weiterhin den kompletten oder teilweisen Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sei gering und 41 Prozent der Betriebe hätten von anhaltenden Stornierungen berichtet. Ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet über das gesamte Jahr gerechnet einen Umsatzrückgang um mehr als 50 Prozent.

Einen „Konjunktureinbruch im Handwerk“ liest die Kammer Braunschweig-Lüneburg-Stade aus ihrer Frühjahrsumfrage heraus: „Die Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres war gut, dann kam Corona. Die Geschäftsaussichten unserer Handwerksbetriebe haben sich massiv verschlechtert“, sagt der stellvertretende Kammerhauptgeschäftsführer Matthias Steffen. Ende März, zum Zeitpunkt der Umfrage, waren die Auswirkungen der Corona-Krise deutlich zu spüren. 83 Prozent der Betriebe sind von Umsatzeinbrüchen betroffen, 62 Prozent von Auftragsstornierungen. Umsatzrückgänge um 63 Prozent wurden gemeldet.

Mehr als jeder zweite Auftrag ist weggebrochen. Ein Drittel der Betriebe meldet Probleme durch ausgefallenes Personal, 27 Prozent verzeichnen Lieferschwierigkeiten beim Einkauf von Material oder Vorprodukten. „Ein Viertel ist von teilweisen oder kompletten Betriebsschließungen betroffen“, fasst die Kammer zusammen.

„Viele dieser Probleme haben auch unsere Mitglieder“, berichtete der Präsident des Unternehmensverbands Rotenburg-Verden (URV), Wolfgang Reichelt. Selbst wenn die Produktion trotz stockender Zulieferungen noch laufe, könnten Unternehmer- Kollegen die Ware nicht ausliefern, weil das Personal fehle. Kein Wunder also, dass viele von ihnen sich an den Verband wendeten, um sich über Steuerstundungen, finanzielle Hilfen und Kurzarbeitsbestimmungen zu informieren.

„Unsere 160 Mitgliedsbetriebe sind hier gut aufgehoben und vertreten“, ist Reichelt von seinem Verband überzeugt. „Wir haben gute Drähte zu vielen offiziellen Stellen“, erklärte der Präsident. Vernetzungen könnten auch schon mal helfen, wenn es irgendwo hakt.

Das Handwerk blickt mit Sorge in die Zukunft.

Der Verdener Unternehmer selber leidet allerdings nicht so sehr unter Corona-Folgen wie viele seiner Kollegen. „Wir profitieren davon, dass wir so international aufgestellt sind. Block Transformatoren hat Fabriken auf drei Kontinenten und 39 Vertretungen mit 1000 Mitarbeitern überall auf der Welt.“ Dennoch spürt auch Block die Folgen: „Bis jetzt hatten wir sieben Prozent Einbußen und erwarten übers ganze Krisenjahr gerechnet ein Minus von zehn Prozent.

In den nicht handwerklichen IHK-Betrieben klagt ein Drittel der Befragten über Liquiditätsengpässe und 63 Prozent über den Rückgang ihres Eigenkapitals. Auch im Handwerk bewerten 72 Prozent der Betriebe die Liquiditätshilfen aus dem Berliner Rettungspaket als wichtigste Unterstützungsmaßnahme.

„Besonders stark trifft es Handwerke, die ihr Ladengeschäft schließen mussten, sowie personennahe Dienstleister wie Friseure oder Kosmetiker“, sagt Kammer-Geschäftsführer Steffen. Bäcker und Fleischer litten unter geschlossenen Cafés, weniger Laufkundschaft und fehlendem Catering-Geschäft. Gesundheitshandwerke wie Augenoptiker, Hörgeräteakustiker oder Zahntechniker spürten die Verunsicherung der Kunden und die gesunkene Zahl der Arztbesuche.

Bei den Kfz-Handwerken sei der Handel weggebrochen. „Aber auch Reparaturen gehen zurück, wenn weniger Autos unterwegs sind“, sagt Steffen. Selbst im Bau- und Ausbauhandwerk gebe es Umsatzrückgänge und Auftragsstornierungen, wenn auch im geringeren Maße.

Trotz der Corona-Krise wollen 80 Prozent der Handwerksbetriebe ihr Personal halten oder sogar aufstocken. Hilfreich ist hierbei die Kurzarbeit, von der 57 Prozent Gebrauch machen wollen. Lediglich zwölf Prozent schließen auch Kündigungen nicht aus. Die IHK-Umfrage berichtet, dass bereits 35 Prozent der Betriebe über Personalabbau nachdenkt. Bei 61 Prozent sei das aber noch kein Thema. Bereits zum Beginn des Monats meldete die Agentur für Arbeit Nienburg-Verden, dass für 13 500 Männer und Frauen Kurzarbeit angemeldet worden sei. Im April war die Arbeitslosigkeit im Kreisgebiet um 13,5 Prozent angestiegen und einen Einbruch gab es bei den neuen Stellen, die die Arbeitgeber zur Besetzung angemeldet hatten.

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