Was wollen Sie vor Ort erreichen? Diese Zeitung fragt in Serie – Kandidaten antworten
Was wollen die Bundestagskandidaten für den heimischen Wahlkreis erreichen? Achter Teil unserer Serie zur Wahl am 23. Februar.
Am 23. Februar wird ein neuer Bundestag gewählt. Sieben Parteien im Wahlkreis Osterholz-Verden haben dafür Direktkandidatinnen und -kandidaten aufgestellt. Aber welche politischen Ansichten vertreten sie? Wem davon soll ich meine Erststimme geben? Um den Leserinnen und Lesern die Wahlentscheidung zu erleichtern, hat diese Zeitung den sieben politischen Akteuren acht von Redakteur Michael Mix überlegte Fragen zu unterschiedlichen Themenfeldern gestellt und sie um Antworten in vorgegebener Länge gebeten. Heute erscheint die letzte Folge dieser Serie.
Die achte Frage: Was wollen Sie im Bundestag für den heimischen Wahlkreis erreichen? Welches Anliegen brennt Ihnen da auf den Nägeln?
Özge Kadah (SPD): „In der letzten Zeit habe ich viele Gespräche vor Ort geführt. Die Menschen in unserer Region wünschen sich konkrete Verbesserungen im Alltag: Gute Kitas und Schulen, bezahlbaren Wohnraum, bezahlbare Lebensmittel und weniger bürokratische Hürden. Sie wollen einfach von A nach B kommen, in Zeiten des Wandels mitgedacht werden und in Würde altern können. Durch eine gute Wahlkreisarbeit möchte ich den Alltag der Menschen hier vor Ort erleichtern. Mein Ziel ist es, meine Heimat zu stärken. Abgeordnete zu sein, bedeutet für mich, die Interessen der Menschen in unserer Region mit vollem Einsatz zu vertreten und auch nach der Wahl vor Ort ansprechbar zu bleiben. Dabei kommt es nicht darauf an, große Sprüche zu klopfen, sondern vielmehr darauf, beharrlich Lösungen zu erarbeiten und unsere Region nachhaltig zu stärken.“
Dr. Gero Hocker (FDP): „Durch namhafte Ansiedlungen im Wahlkreis Osterholz-Verden sind in den vergangenen Jahren zahlreiche zusätzliche Jobs entstanden. In einigen Kommunen haben sich die Pendlerströme aus Bremen in die Umlandgemeinden sogar umgekehrt. Das ist eine große Chance für unsere Region. Wir brauchen deswegen moderne Infrastruktur, neue Mobilitätsangebote, weniger Stundenausfall an unseren Schulen und bessere – auch mehr private – Kinderbetreuungsangebote. Und vor allem: Menschen, die sich in unserer Region ehrenamtlich engagieren, ob im Sportverein, bei der Feuerwehr, beim THW, bei der Betreuung von zu pflegenden Familienangehörigen, in der Kommunalpolitik oder im Umweltschutz. Sie müssen mehr Wertschätzung und auch steuerliche Anreize erhalten, sich zu engagieren. Denn ohne sie wäre unsere Gesellschaft nicht lebenswert!“
Dr. Lena Gumnior (Bündnis 90/Die Grünen): „Erstens: Viele in unserem Wahlkreis waren vom Hochwasser im Winter 23/24 betroffen. Ich möchte, dass wir uns besser gegen Extremwetter wappnen, damit niemand Angst um sein Zuhause haben muss. Wir müssen Flüssen und ihren Auen wo immer möglich durch Renaturierung mehr Raum geben. Für den Ernstfall brauchen wir Hochwasserschutzanlagen und einen verlässlich ausgestatteten Katastrophenschutz. Aber wir dürfen die Ursache für Extremwetterereignisse nicht vergessen: Die Klimakrise muss konsequent bekämpft werden. Zweitens: Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland häusliche Gewalt. Ich möchte, dass alle Frauen und Mädchen sicher sind. Und schnell und kostenlos Hilfe bekommen, egal, wo sie wohnen. Deswegen setze ich mich für das Gewalthilfegesetz und den Anspruch auf einen Platz in einer Schutzunterkunft ein.“
Hergen Ramme (Volt): „Für unseren Wahlkreis will ich erreichen, dass der Bund die Länder und Kommunen bei der Stärkung der öffentlichen Nahverkehrsmittel unterstützt, sodass wir uns auch auf dem Land ohne Auto besser fortbewegen können. An vielen Orten in unserem Wahlkreis gibt es ein ähnliches Problem: das Aussterben der Fußgängerzonen. In Verden zum Beispiel gibt es aktuell das Problem, dass es weder einen guten öffentlichen Nahverkehr gibt, noch genügend Parkplätze. Lokale Geschäfte müssen gefördert werden, dass sie zum Beispiel ihre Angebote auch online anbieten können und sich Events für die Aufwertung des Einkaufserlebnisses leisten können.“
Susanne Rosilius (AfD): „Für meinen Wahlkreis Osterholz-Verden setze ich mich mit ganzer Kraft dafür ein, die Wirtschaft anzukurbeln, neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende Unternehmen zu stärken. Besonders wichtig ist mir, die Kommunen zu entlasten und sicherzustellen, dass sie finanziell handlungsfähig bleiben. Es darf keine neuen Aufgaben geben, die ohne ausreichende Finanzierung auf die Kommunen abgewälzt werden. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern möchte ich eine starke, lebenswerte Region gestalten, in der Chancen genutzt und Probleme lösungsorientiert angegangen werden. Mit Zuversicht und Tatkraft arbeite ich daran, unsere Heimat zukunftsfähig zu machen.“
Andreas Mattfeldt (CDU): „,Verantwortung braucht Erfahrung´ – damit werbe ich bei der Bundestagswahl wieder um das Vertrauen in meiner Heimat. Mit meiner langjährigen Erfahrung als Gemeinderatsmitglied, Bürgermeister, Kreistagsmitglied und Bundestagsabgeordneter möchte ich dazu beitragen, dass unsere Heimat auch in Zukunft liebens- und lebenswert ist. Auch aus der Oppositionsrolle heraus habe ich viel für den Wahlkreis erreichen und Bundesförderungen einwerben können. Als Unternehmer bereitet mir aber die Wirtschaftslage und als Mensch der Region das Leben in unserer Heimat eine gewisse Sorge über die Zukunft. Daher werde ich mich unter anderem für den Ausbau einer noch besseren Internetversorgung einsetzen. Darüber hinaus: Zwingend erforderlich ist auch eine bessere Ladeinfrastruktur, eine bessere medizinische Versorgung mit Ärzten und funktionierenden Krankenhäusern, die Autobahnabfahrt Achim-West, Stadtsanierung und das Anpassen unserer Städte und Gemeinden an veränderte Klimabedingungen.“
Herbert Behrens (Die Linke): „Unser Investitionsprogramm für die Schaffung bezahlbaren sozialen Wohnraums würde sich auch auf die heimische Baubranche positiv auswirken. Allerdings setzen wir weniger auf Neubau als auf die energetische Sanierung und die Modernisierung im Bestand. Gut für die Menschen im Wahlkreis würden sich unsere Pläne für die Verbesserung im Bildungssystem auswirken. Die Einstellung von Lehrkräften für berufliche Bildung würde Zukunftschancen auch in den ländlichen Räumen bieten. Nicht zuletzt ein deutlich besserer öffentlicher Personenverkehr würden diese ebenfalls stärken. Zur Verkehrspolitik gehört zudem, dass die gefundenen Kompromisse zur alten Y-Trasse nicht wieder einseitig aufgekündigt werden. Die Wiederherstellung der kommunalen Handlungsfähigkeit könnte manches Schwimmbad retten und gute Schulen garantieren.“