Tscheche lässt durchblicken, dass er bei Werder bleibt
Gebre Selassie im Interview: „Ich will mit Werder in Europa spielen“
Bremen – Er ist Werders Dauerbrenner: Theodor Gebre Selassie lebt seit fast sieben Jahren in Bremen, hat in dieser Saison kaum eine Spielminute verpasst – und er geht tatsächlich in die Verlängerung.
Sein im Sommer auslaufender Vertrag hat sich offenbar schon verlängert. Das deutet der 32-jährige Tscheche im Gespräch mit der DeichStube an und erklärt dabei auch, warum er immer besser wird, was er mit Werder noch vorhat und wohin er mit Teamkollege Nuri Sahin reisen möchte.
Herr Gebre Selassie, was machen Sie am 4. Juli?
Das ist doch der Unabhängigkeitstag in den USA, aber was hat das mit mir zu tun?
Nichts – viel wichtiger ist an dem Tag, dass Werders Trainingslager im Zillertal beginnt.
Dann werde ich zum achten Mal dort sein.
Hat sich also Ihr im Sommer auslaufender Vertrag bereits per Option verlängert?
Hmmm. Das könnte so sein (schmunzelt).
Das ist doch schön.
Ja, sehr schön. Aber viel mehr möchte ich dazu noch nicht sagen, da ist Frank Baumann (Sportchef, Anm. d. Red.) der bessere Ansprechpartner.
Mal grundsätzlich gefragt: Wie lange würden Sie gerne noch in Bremen bleiben?
Meinetwegen lebenslang (lacht), also mindestens bis zum Karriereende. Aber das entscheide ich natürlich nicht mehr alleine, sondern mit meiner Familie. Und das ist gar nicht so einfach.
Sie haben mal gesagt, dass Ihre Kinder in Tschechien eingeschult werden sollen. Dann müssten Sie spätestens 2020 zurückkehren.
Das stimmt. Es geht uns dabei vor allem um die Sprache. Tschechisch ist viel schwieriger als Deutsch – und hier lernen unsere Kinder das natürlich nicht so gut. Aber wenn wir irgendwann zurück in Tschechien sind, könnte das zum Problem für sie werden – und das möchte ich eigentlich nicht. Das ist es aber nicht allein.
Was noch?
Heimweh – speziell wegen der Kinder. Die Omas und Opas fehlen uns hier schon sehr. Umgekehrt ist es natürlich genauso – und das finde ich schon schade. Diese Zeit kann man nie mehr zurückdrehen. Aber so ist nun mal das Fußballerleben.
Immerhin: Sportlich könnte es für Sie kaum besser laufen, Sie werden immer stärker, wie machen Sie das nur?
Danke. Ich glaube, das hat viel mit Erfahrung zu tun. Ich habe jetzt die nötige Ruhe, mache mir nicht mehr so einen Kopf, wenn etwas schief läuft.
Das war früher anders.
Das stimmt, das war ganz anders. Aber das ist vorbei.
Sie wirken viel mutiger. Das passt zur mutigen Spielweise, die Trainer Florian Kohfeldt fordert. Gibt es da einen Zusammenhang?
Natürlich. Mir kommt unser offensives Denken sehr entgegen. Da liegen meine großen Stärken. Ich kann nicht nur zusehen, wie die Kollegen angreifen. Da will ich mitmachen. Darf ich das nicht und mache dann hinten irgendwann einen Fehler, und das kann immer mal passieren, dann zieht mich das runter. Deswegen gefällt es mir so viel besser.
Wie schaffen Sie das körperlich, stecken Sie das mit 32 Jahren einfach so weg?
Nein, nein. Letzte Woche im Pokal in Dortmund war ich in der Verlängerung mit meinen Kräften am Ende. Das habe ich auch dem Trainer gesagt. Es war noch so viel drin für uns, da brauchten wir einen frischen Spieler. Johannes Eggestein war sofort voll drin im Spiel – und wir haben gewonnen. Eine gute Entscheidung also.
Aber dafür haben Sie Ihre ersten Pflichtspiel-Minuten in dieser Saison verpasst...
Das stimmt, aber das ist nicht schlimm.
Überhaupt nicht, es ist eher bemerkenswert, wie viel Sie gespielt haben.
Ich bin wirklich froh, dass mein Körper noch so gut mitmacht.
Was tun Sie dafür, ernähren Sie sich anders, trainieren Sie gezielter?
Ich esse immer noch so wie früher. Aber ich arbeite deutlich mehr im Kraftraum. Wenn ich zwei Tage nichts gemacht habe, dann fühle ich mich nicht stark genug. Da muss ich was tun.
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Früher haben Sie gerne auch den Rückpass zum Torwart gespielt...
...und dann wurde von außen von den Fans gerufen: ,Nach vorne!’ (lacht). Daran kann ich mich noch gut erinnern.
Inzwischen ruft das keiner mehr, Sie haben sich großen Respekt bei den Fans erarbeitet, sind zu einem Publikumsliebling geworden. Spüren Sie das?
Schon ein bisschen. Das ist natürlich angenehmer. Aber ich musste mir diesen Respekt auch über die Jahre erarbeiten. Deswegen schätze ich das umso mehr. Ich bin sehr, sehr gerne in Bremen. Ich habe hier auch schwierige Zeiten erlebt. Und da merkt man, wie die Menschen wirklich sind. Das weiß ich jetzt. Und ich kann sagen: Wir fühlen uns hier sehr wohl.
Wie wichtig ist Ihnen Fairness – auf und neben dem Platz?
Sehr wichtig. Der Umgang mit anderen Menschen muss immer respektvoll sein, das erwarte ich einfach. Fouls gehören zum Spiel, aber dann entschuldigt man sich.
Klappt das mit jedem Gegner?
Leider nicht immer. Man spürt das sehr schnell, wenn dem Gegenspieler der Respekt fehlt. Und wenn der auch noch zehn Jahre jünger ist, ärgert mich das wirklich, dann kann ich auch anders.
Sie bleiben aber stets besonnen, sind in Ihrer Werder-Zeit noch nie vom Platz geflogen, waren auch noch nie nach der fünften Gelben Karten gesperrt. Wie geht das als Außenverteidiger, der einfach auch mal foulen muss?
Also erst mal probiere ich immer, den Ball zu spielen (lacht). Früher wurde sogar gesagt, dass ich zu nett bin. Ich musste lernen, auch mal clever zu foulen, wenn es nötig ist. Das gehört dazu, man muss dabei aber niemanden verletzen.
Haben Sie als Fußballer noch einen Traum?
Natürlich! Ich will mit Werder in Europa spielen. Das wäre geil!
Wie realistisch ist das?
Wir sind dran, alles ist möglich. Wir müssen einfach weiter punkten.
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Da kommt der nächste Gegner ganz passend: Von Ihren zehn Duellen mit der Hertha haben Sie nur das erste verloren. Wie geht es diesmal aus?
Diese Statistik kannte ich gar nicht. Ich hoffe natürlich, dass wir gewinnen. Das Spiel ist extrem wichtig. Wir brauchen jetzt die Punkte.
Anders als beim 4:0 gegen Augsburg wird Zlatko Junuzovic nicht als Glücksbringer dabei sein. Wie war es, den guten Freund mal wieder zu sehen?
Es war zu kurz (lacht). Zladdi hatte leider nicht so viel Zeit, er musste mit seiner Familie relativ schnell weiter nach Hamburg. Aber ich habe mich gefreut, wir haben eine Stunde lang gequatscht.
Wie sehr fehlt er Ihnen als Freund in Bremen?
Schon sehr. Wir haben viel mit den Familien zusammen gemacht. Aber wir sind auch mal alleine Essen gegangen, das war schon schön. Jetzt gehe ich mit Jiri Pavlenka, aber nicht mehr so oft. Meine Frau freut sich...
Wollen Sie irgendwann noch mal mit Zlatko Junuzovic in einem Verein spielen?
Schön wäre es, aber das wird nicht mehr klappen. Wir haben immerhin vereinbart, im Sommer zusammen Urlaub zu machen – mal gucken, ob mit den Familien oder alleine (lacht).
Apropos Reise: Ihr Teamkollege Nuri Sahin möchte mit Ihnen nach Äthiopien. Er war dort im vergangenen Jahr, um eine Stiftung zu unterstützen, und Ihr Vater stammt von dort. Wann wird gebucht?
Das ist eine gute Idee. Ich habe es schon lange in meinem Kopf, mit meinen Eltern dorthin zu fliegen. Ich war mal als ganz kleines Kind dort, seitdem nicht mehr. Und ich finde es gut, wie Nuri sich da engagiert. Aber wir müssen schauen, wie es terminlich klappt. Solange ich noch spiele, könnte es schwierig werden.
