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Lindner und Habeck: Männerbund rauft sich für die Ampel zusammen
Sie sind wie Feuer und Wasser: Robert Habeck und Christian Lindner. Dennoch schmieden sie zusammen die Ampel-Koalition. Aber wie lange hält die Zweckgemeinschaft?
Berlin – Der eine steht gerne barfuß im Watt, der andere trägt Maßanzug und Aktenkoffer: Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP). Die beiden Parteivorsitzenden könnten schon rein äußerlich nicht unterschiedlicher sein. Doch derzeit müssen sie sich zusammenraufen. In der Rolle der Königsmacher sondieren der Liberale und der Grüne nach der Bundestagswahl 2021 federführend die Möglichkeiten für eine Ampel-Koalition mit der SPD. Und damit prallen zwei Alphatiere aus unterschiedlichen Welten aufeinander. Doch kann das funktionieren?
Robert Habeck (Grüne)
Christian Lindner (FDP)
Parteivorsitzender
Parteivorsitzender
52 Jahre alt
42 Jahre alt
verheiratet, vier Söhne
verheiratet
Lindner und Habeck – noch vor wenigen Wochen galten sie als Konkurrenten. Und jetzt plötzlich sollen sie Verbündete sein? Nicht wenige Beobachter reiben sich verwundert die Augen. Tatsächlich laufen die Verhandlungen für eine neue Ampel-Regierung auf den ersten Blick harmonisch. Auch am Dienstag setzten die Parteien ihre Gespräche fort, unter anderem zur Legalisierung von Cannabis.
Ampel-Sondierung: Christian Lindner (FDP) und Robert Habeck (Grüne) führen Koalitionsgespräche
Im Gegensatz zu den Treffen mit der Union dringt bei den Ampel-Partnern nichts nach außen, was nicht nach außen soll. Vor jedem Termin das gleiche Bild: Alle Sondierer gehen wortlos an den wartenden Journalisten vorbei. Kein Statement. Nichts. Und: Lindner und Habeck kommen stets zusammen mit Co-Parteichefin Annalena Baerbock (Grüne) zum Tagungsort. Soll heißen: Seht her, wir können miteinander, wenn es sein muss.
Im Wahlkampf hatten sich Lindner und Habeck noch ordentlich geneckt. Vor allem der Liberale nahm immer wieder die Art und Wortakrobatik von Habeck aufs Korn. Er bezeichnete den studierten Philosophen als „cremig“ und „Begriffsklempner“. Denn Habeck lehne den Begriff Schulden ab, weil er von Schuld komme, ätzte Lindner. Stattdessen empfehle der Grüne das Wort Kredit.
Habecks Sinn für Humor traf er damit nicht. Der Ober-Grüne soll das alles andere als lustig empfunden haben. Ohnehin pflegte er eine gesunde Distanz zu Lindner. Zwar lieben beide Sport, doch am Ende des Tages seien sie eher nicht auf einer Wellenlänge, berichtete unlängst das RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND) unter Berufung auf Insider. Wegen des kühlen Verhältnisses der beiden Parteivorsitzenden liefen grün-gelbe Abstimmungen eher über die Fraktionsspitzen. Doch mit Beginn Ampel-Gespräche haben Lindner und Habeck jetzt trotz aller Differenzen das Heft des Handels in die Hand genommen.
Ampel-Koalition: Habeck gilt bei den Liberalen als verlässlicher Verhandler
Bereits 2017 verhandelte er in Schleswig-Holstein und im Bund ein Regierungsbündnis mit. In beiden Fällen ging es um ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP. Im Land klappte es. In Berlin scheiterte das Vorhaben an den Liberalen. Aber Habeck ist ihnen als Verhandler in guter Erinnerung geblieben. Allen voran FDP-Vizechef und Lindner-Vertrauter Wolfgang Kubicki ist voll des Lobes: Man könne mit Habeck „zu Lösungen kommen, an die keiner zuvor gedacht hat“, sagte Kubicki, der den Grünen auch aus gemeinsamen Tagen in Schleswig-Holstein gut kennt.
Positiv fiel den Liberalen auf, dass Habeck nicht verbohrt an seinen Positionen festhält. Mit den Worten „da haben sie einen Punkt“ soll er durchaus zu Kompromissen bereit sein, wenn sie argumentativ gut vorgetragen werden. Andersherum räumt er aber auch nicht einfach so aus Jux und Dollerei die Zugeständnisse ein. „Die vertrauensvolle Atmosphäre und das Bemühen, der Form nach, auch einen anderen Stil zu prägen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch lange nicht durch ist und dass die Differenzen zwischen den Parteien teilweise erheblich sind“, stellte Habeck unmissverständlich nach den jüngsten Ampel-Gesprächen* klar.
Ampel-Koalition: Wer wird Minister? Habeck und Lindner wollen keinen Streit um Posten
Tatsächlich liegt zwischen FDP und Grünen noch eine lange Liste mit inhaltlichen Knackpunkten, die noch aus dem Weg geräumt werden müssen. Doch in einem Punkt sind sich Lindner und Habeck einig: Wenn sie ihre Parteien in die Regierung führen wollen, dann brauchen sie einander – egal, ob in einem Bündnis mit CDU oder SPD.
Trotz aller Differenzen sind beide schlau genug, nicht allzu viele Animositäten zwischen sich geraten zu lassen. Auch keinen Streit um einen Ministerposten. Zwar schielen beide auf das Finanzministerium. Für Lindners FDP kommt der Sprung in ein Ampel-Bündnis einem politischen Lager-Wechsel gleich. Das sei dann für die Liberalen im Gegensatz zu den Grünen die größere Zumutung, gestand Habeck, der auch schon als Klimaschutzminister gehandelt wurde, erst kürzlich ein.
Gut möglich, dass die FDP dafür dann eine Kompensation erhält und Habeck beim Griff nach dem Finanzministerium gegenüber Lindner zurücktritt. Ob barfuß oder mit Anzugschuhen spielt dann keine Rolle mehr. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MMEDIA.