CDU-Zukunft
Armin Laschet: Wer wird nach der Wahl der neue CDU-Vorsitzende?
Armin Laschet hat indirekt seinen Rückzug angekündigt. Nun scharren seine potenziellen Nachfolger mit den Hufen. Eine Umfrage sieht einen Kandidaten vorne.
Berlin – Er hat es endlich getan, wenn auch nicht richtig: Armin Laschet (CDU), Spitzenkandidat der Union und Noch-Vorsitzender der CDU, kündigte am Donnerstagabend an, dass er bereit sei, sich auch der CDU-Spitze zurückzuziehen. Er wolle die Neuausrichtung der CDU selbst regeln, sagte er den versammelten Journalisten. Doch mittlerweile ist klar, dass es auf lange Sicht ein Abschied auf Raten ist und es nicht mehr um die Frage geht, wer Kanzler wird. Wer das Amt des CDU-Chefs demnächst übernehmen wird, ist noch ungewiss. Es gibt aber zumindest einen Kandidaten, der laut einer Umfrage am ehesten für das Amt geeignet wäre.
| Deutscher Politiker: | Armin Laschet |
| Geboren: | 18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen |
| Größe: | 1,72 m |
| Partei: | Christlich Demokratische Union Deutschlands |
Wie das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Funke Mediengruppe herausfand, würden 32 Prozent der Befragten am ehesten den CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen als Laschet-Nachfolger sehen. Allerdings sprachen sich auch 41 Prozent gegen den Politiker aus. 27 Prozent machten keine Angabe oder wollten sich nicht festlegen.
Auf den weiteren Plätzen folgten Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz (31 Prozent Zustimmung, 48 Prozent Ablehnung), Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (30 Prozent Zustimmung, 40 Prozent Ablehnung) und Gesundheitsminister Jens Spahn (30 Prozent Zustimmung, 55 Prozent Ablehnung).
Laschet: Umfrage sieht Norbert Röttgen für das Amt des CDU-Vorsitzenden vorne
Alle drei kommen damit auf ähnlich hohe Zustimmungswerte, allerdings überwiegen die Stimmen, die sie für ungeeignet halten. Interessanter Aspekt: Würden nur die Antworten von CDU- und CSU-Wählern berücksichtigt, ergibt sich ein anderes Stimmungsbild: Merz führt mit 49 Prozent Zustimmung das Feld vor Röttgen an, der auf 46 Prozent Zustimmung kommen würde. Die Meinungsforscher befragten für die Umfrage an 5. und 6. Oktober insgesamt 1012 Menschen.
Wer ist Robert Röttgen?
Norbert Röttgen ist seit 1994 Mitglied der Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2009 war er zudem Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Februar 2020 wollte Röttgen das Amt des CDU-Vorsitzenden übernehmen. Seine Ambitionen blieben aber erfolglos. 2021 unterlag er im ersten Wahlgang Friedrich Merz und Armin Laschet – im Anschluss wurde er bei der Wahl des Bundesvorstandes in das Präsidium gewählt.
CDU-Vorsitzender 2021: Friedrich Merz will keine Kampfabstimmung
Während sich Röttgen bisher noch nicht öffentlich äußerte, machte Merz in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ deutlich, dass er eine erneute Kandidatur bei einer Kampfabstimmung auf einem Bundesparteitag ausschließt. Er habe sich aber nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob er nochmal für das Amt kandidieren werde. „Ob ich nochmal für den Parteivorsitz kandidiere oder nicht, das ist eine Frage, mit der ich mich nicht abschließend beschäftigt habe“, sagte Merz. „Ich schließe eines aus: Ich werde nicht noch einmal in eine streitige Abstimmung auf einem Bundesparteitag gehen.“
Bisher hatte Merz es zweimal versucht, sich an die Spitze der CDU wählen zu lassen. Zweimal unterlag einer seinen Rivalen – zunächst 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, dann Anfang dieses Jahres gegen Armin Laschet. Merz begrüßte es, dass Laschet bei der personellen Neuaufstellung der CDu eine Lösung im Konsens anstrebt.
Ministerpräsident in NRW: Hendrik Wüst soll Nachfolger von Armin Laschet werden
Während der jetzige CDU-Chef in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten war, wird er vom designierten nordrhein-westfälischen Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in Schutz genommen. Am Freitag sagte der CDU-Politiker in Düsseldorf, dass der Umfang der Union mit Laschet falsch sei. Gute Politik lebe nicht nur von richtigen Entscheidungen, sondern auch von einem richtigen Umgang miteinander. „Jeder, der da in den letzten Wochen agiert hat, sollte sich prüfen, ob er diesem Maßstab gerecht wird. Ich habe da an der einen oder anderen Stelle durchaus Zweifel.“
Auch der Umgang von CSU-Chef Markus Söder mit dem angeschlagenen CDU-Chef wird auf breiter Front kritisiert. In einer Umfrage des Civey-Instituts für die „Augsburger Allgemeine“ äußersten sich 48 Prozent der Befragten entsprechend. 36 Prozent hingegen sagten, dass Söder habe sich korrekt gegenüber dem Kanzlerkandidaten verhalten.
Runter gesprochen auf Teilnehmer aus Bayern sah das Ergebnis ausgeglichener aus. 43 Prozent bewerteten das Verhalten als positiv, 41 Prozent als negativ. Auf die Frage, ob Söder nun der neue starke Mann der Union ist, war das Meinungsbild gespalten: 44 Prozent der Befragten glaubten, dass Söder nun die wichtige Führungsrolle übernimmt, 43 Prozent sprachen sich dagegen aus.
Laschet: Politiker kritisieren unfairen Umgang mit dem CDU-Chef
In den Reihen der CDU werden inzwischen weitere Stimmen laut, die das Verhalten gegenüber Armin Laschet und den Umgang mit seiner Person kritisieren. So sagte Peter Neumann (CDU) der „Augsburger Allgemeinen“: „Einer der wunden Punkte in der Union war immer, dass die Partei Armin Laschet nicht geschlossen unterstützt und Markus Söder ihn jeden zweiten Tag unterminiert hat.“ Zu einem ähnlichen Schluss kommt der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, der findet, dass Laschet während des Wahlkampfs generell unfair behandelt wurde.
Als Laschets rheinländische Art kritisiert wurde und der Kanzlerkandidat in Interview aggressiver wurde, hätte es direkt geheißen, er habe an Contenance verloren. „In der Schlussphase konnte er machen, was er wollte, es war immer falsch. Er ist weder überheblich, noch zynisch. Aber genau so wurde er dargestellt“, so Beust. „Auch als Politiker darf man Fairness erwarten und der Umgang mit Armin Laschet war unfair.“
Nach Bundestagswahl: Zukunft der CDU ist weiter ungewiss
Wie es in den kommenden Tagen in den Reihen der CDU nach der historischen Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 2021 weitergehen und nach dem Sitz des Partei-Vorsitzenden streben wird, ist aktuell noch nicht abzusehen, aber dadurch, dass Armin Laschet erklärt hat, dass er gerne die Erneuerung der CDU moderieren möchte, hat er indirekt mitgeteilt, dass sich die Zukunft der Christdemokraten wohl ohne ihn an der Spitze gestalten wird.
Ob Merz, Röttgen oder schlussendlich ein anderer Kandidat die Führung übernehmen wird, wird sich voraussichtlich in der nächsten Zeit entscheiden. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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