Auffrischung noch vor dem Sommer
Booster-Impfung: Experte für vierte Impfung nach vier bis sechs Monaten
Kommt der Booster nach dem Booster? Zwar hat ein großer Teil der Menschen bisher keine Auffrischungsimpfung erhalten, dennoch wird über die vierte Impfung gesprochen.
München – Steigende Inzidenzen, eine großangelegte Booster-Kampagne und die Bedrohung durch die Omikron-Virusvariante: Das Coronavirus hat Deutschland weiterhin fest im Griff und zwingt die Bundesländer erneut zu einer Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen. In Niedersachsen hat die Landesregierung die ursprüngliche Weihnachtsruhe verlängert und schränkt damit das öffentliche Leben erneut stark ein. Während in den ersten Bundesländern laut Robert Koch-Institut bereits 50 Prozent der Menschen ein drittes Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden, denken Gesundheitsexperten bereits an den vierten Pieks: Der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner mahnt zur zügigen Vorbereitung auf die vierte Corona-Impfung.
| Behörde | Robert Koch-Institut |
| Hauptsitz: | Berlin |
| Gründung: | 1. Juli 1891 |
| Behördenleitung: | Präsident: Lothar H. Wieler |
Booster-Impfung in Deutschland: Experte für Viertimpfung nach vier bis sechs Monaten
„Für mich wäre eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung eine adäquate Maßnahme“, sagte der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing der Deutschen Presse-Agentur. Während bundesweit die Booster-Kampagne läuft, denkt der Mediziner also schon weiter. Die vierte Corona-Schutzimpfung ist hierzulande noch eine Rarität – in anderen Ländern laufen derzeit bereits die Viertimpfungen. Internationales Aufsehen hatte Israel erreicht, als das Land Anfang des Jahres die vierte Corona-Impfung für Menschen über 60 Jahre einführte. Derweil wird in Deutschland eine Debatte über die Impfpflicht geführt.
Nach knapp zwei Wochen sind 250.000 Menschen in Israel bereits zum vierten Mal geimpft worden. Auch in anderen Ländern, etwa den USA, das Vereinigte Königreich oder Dänemark, werden ausgewählte Personengruppen, die bereits ihre Auffrischungsimpfung erhalten haben, erneut geimpft. Deutschlands nördlicher Nachbar hatte am Donnerstag flächendeckend dazu aufgerufen, dass sich Menschen über 60 Jahre auch ein viertes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen sollen. Eine derartige Empfehlung steht in Deutschland derzeit noch aus.
Noch keine Empfehlung von Stiko für Viertimpfung: Experte warnt vor Omikron-Welle
Auch Wendtner verwies darauf: Aufgrund mangelnder Daten hat die Ständige Impfkommission (Stiko) noch keine Empfehlung zur Viertimpfung gegeben. Dennoch macht der Experte klar, dass Warten, etwa auf einen angepassten Impfstoff gegen die Omikron-Virusvariante, keine Option sei. „Ich fürchte aber, das wird zu lange dauern“, sagte Wendtner. Vor April sei nicht mit neuen Impfstoffen zu rechnen, allerdings würde Deutschland schon jetzt vor einer Omikron-Welle stehen. Die Corona-Variante führt derweil zu besonderen Symptomen bei Nägeln und Haut.
„Man muss eine Viertimpfungs-Kampagne jetzt schon vorbereiten, auch von der Verfügbarkeit der derzeit zugelassenen Impfstoffe her. Da dürfen wir nicht erst daran denken, wenn wir März oder April haben“, so Wendtner. Er verdeutlichte zudem, dass die Viertimpfung bereits jetzt von Relevanz sei. Etwa für Menschen, „die im Spätsommer einen Boost bekommen haben“. Dazu würden unter anderem Beschäftigte im Gesundheitswesen und besonders gefährdete Menschen zählen.
Omikron-Welle: Karl Lauterbach setzt auf Verlangsamung
Während Wendtner zur umsichtigen Planung im Kampf gegen das weitere Pandemiegeschehen in Deutschland mahnt, spricht sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angesichts der Omikron-Welle dafür aus, vorerst von schärferen Alltagsauflagen abzusehen. „Ich glaube, dass wir jetzt in ein schwieriges Fahrwasser kommen“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Aktuell reiche das Paket mit Gegenmaßnahmen aber aus. Die Strategie sei, die Infektionswelle zu verlangsamen und zu strecken. In dieser Zeit sollen so viele Menschen wie möglich mit Auffrischimpfungen geboostert werden.
Booster-Impfung: Vierte Impfung laut Experten für immunschwache Menschen
Ähnlich wie in Israel, wo Menschen mit Immunschwäche, Menschen ab 60 Jahren und medizinisches sowie Pflegepersonal für Senioren die zweite Booster-Impfung erhalten, würde Sebastian Ulbert, Impfstoff-Forscher vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, auch in Deutschland vorgehen und bei der Frage nach der vierten Impfung zwischen immungesunden und immunschwachen Menschen unterscheiden. Die Gabe einer vierten Dosis kommt für Ulbert damit vorerst nicht für alle infrage, sondern primär für Ältere und Risikogruppen.
Eine entsprechende Einschätzung gibt laut n-tv auch der Münchner Internist und Fachimmunologe Hendrik Schulze-Koops ab: Eine vierte Impfung werde nur Patienten empfohlen, die entweder einen Immundefekt haben oder schwere immunsuppressive Therapien bekommen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.