Streit über Sitzplatz

Sitzordnung im Bundestag: FDP will in die Mitte und weg von der AfD

Chritian Lindner (FDP) vor Alice Weidel und Alexander Gauland im Bundestag
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Chritian Lindner (FDP) vor Alice Weidel und Alexander Gauland im Bundestag. Noch sitzen ihre Fraktionen nebeneinander.

Im Bundestag könnte es eine Veränderung geben: Die FDP will die Sitzordnung verändern und in die Mitte aufrücken. Es gab wohl schlechte Erfahrungen mit der AfD.

Berlin – Es ist wohl nicht leicht, neben der AfD-Fraktion im Bundestag zu sitzen. Diesen Eindruck erweckte zumindest FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“. „Wir haben eine neue Sitzordnung im Bundestag beantragt und wir hoffen, dass das durchgeht. Es ist kein Spaß, neben der AfD zu sitzen“, sagte der Politiker und berichtete unter anderem von vulgären und sexuell anzüglichen Kommentaren gegenüber weiblicher FDP-Mitglieder aus den Reihen der AfD.

Nach der Bundestagswahl 2021 könnte nun Dynamik in die Sache kommen: Bei einer möglichen Ampel-Koalition könnten SPD, FDP und Grüne eine Neuregelung veranlassen. Was auf den ersten Blick nach einer Banalität aussieht, ist in Wirklichkeit mehr: Nämlich ein Streit, wer künftig die Mitte der Gesellschaft widerspiegelt.

Parlament: Deutscher Bundestag
Sitz: Reichstagsgebäude, Berlin
Abgeordnete: 735
Legislaturperiode:vier Jahre

Sitzordnung im Bundestag: FDP spricht von unschöner Zeit neben der AfD

Rückblick auf die Zeit nach der Bundestagswahl 2017: Mit dem Einzug der Fraktionen in den 19. Bundestag machte sich am rechten Flügel neben den Freien Liberalen die AfD im Parlament breit. Ganz zum Missfallen der Liberalen, denn ab diesem Zeitpunkt galt die Regel: Rechts sitzt die AfD, gefolgt von der FDP und in der Mitte die Union sowie die Grünen. Im linken Spektrum folgten SPD und Linke. „Eine schöne Zeit war das nicht. Ich weiß, dass sie an vielen Stellen sehr deutlich sind in ihrer Ablehnung – zum Beispiel in Menschen, die zu uns kommen, Flüchtlinge“, erinnerte sich der FDP-Abgeordnete Frank Sitta in einem Beitrag der „Tagesschau“ an die vergangene Legislaturperiode.

Die Sitzordnung im Deutschen Bundestag hat Tradition und lässt sich auf Entwicklungen aus Zeiten der Französischen Revolution zurückführen, informiert der Bundestag auf seiner Internetseite. Zwar fuße das Rechts-Links-Schema auf die französische Anordnung aus dem 19. Jahrhundert, dennoch sei es nicht von vornherein ein Indiz für die tatsächlich vertretene Politik der Parteien. Innerhalb seiner Fraktion kann jeder Abgeordnete jeden beliebigen Platz einnehmen, der nicht besetzt ist. Nur für die Führungskräfte gibt es festgelegte Sitzplätze.

Sitzordnung im Bundestag: FDP will symbolisch neue Kraft der Mitte werden

Auch wenn es offiziell keine Aussagekraft über die politischen Ansichten der Partei hat, wäre ein Umzug der FDP um Parteichef Christian Lindner auch ein symbolischer Akt. Da sich die Liberalen als Partei der bürgerlichen Mitte sehen, würde ein möglicher Umzug auch die Entwicklung der Partei widerspiegeln, erklärte Thomae der „Augsburger Allgemeinen“.

Ein erstes Umzugsgesuch der FDP scheiterte in der vergangenen Legislaturperiode. Durch eine mögliche Ampelkoalition aus SPD, Grüne und FDP könnte die Sache aber eine neue Wendung nehmen: Durch ihre Mehrheit im Plenum und im Ältestenrat könnte eine neue Sitzordnung einfach beschlossen werden. Wie der Politologe Albrecht von Lucke der „Tagesschau“ sagte, wäre das eine gute Möglichkeit: „Auch die SPD hat ein Interesse daran, die CDU/CSU an den rechten Rand zu drücken. Denn die Nähe zur AfD hat eine toxische Qualität. Die AfD ist eine Partei, die diejenigen, die neben ihr sitzen, in die Versuchung bringt, sich sehr stark inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen.“ * kreiszeitung.de ist ein Abgebot von IPPEN.MEDIA.

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