Hohn und Spott im Netz
Bundestagswahl 2021: Vierter im Triell – Ein Poltergeist macht Laschet zur Lachnummer
War er nur Vierter im Dreikampf? Nach dem Triell muss Kanzlerkandidat Armin Laschet bei Twitter viel Hohn und Spott einstecken. Zu Recht? Eine Analyse.
Berlin – Ein Rumms. Ein lautes Poltern. Das Triell zur Bundestagswahl 2021 ist erst wenige Minuten alt, da rumpelt ein Ohren-betörender Lärm durch das TV-Studio in Berlin-Adlershof. „Hupala. Da fällt schon das Studio zusammen“, vermutet Annalena Baerbock (Grüne) cool. Doch die Kanzlerkandidatin irrt offenbar. Hinter dem Krach stecke wohl in Wahrheit Unionspolitiker Friedrich Merz – und zwar „bei dem Versuch, doch noch auf die Bühne zu kommen“, twitterte SPD-Genosse Peter Wittkamp. Es ist der Auftakt zu einer Reihe von Spott-Kommentaren, die das Kanzlerduell bei ARD und ZDF begleiten – und die am Ende vor allem einer abbekommt: Armin Laschet (CDU).
| Deutscher Politiker: | Armin Laschet (CDU) |
| Alter: | 60 Jahre |
| Privat: | verheiratet, drei Kinder |
| Aktuelle Ämter: | NRW-Ministerpräsident, CDU-Parteivorsitzender |
Der NRW-Ministerpräsident hat es in diesen Tagen wahrlich nicht leicht. Nachdem er feixend im Flut-Katastrophengebiet gesichtet worden war und ohne Maske in einen Imbiss gerannt ist, haben sich seine guten Werte in den Wahlumfragen in Luft aufgelöst. Seine CDU liegt hinter der SPD von Olaf Scholz – und Laschet ist plötzlich umzingelt von Kritikern, die ihm den Niedergang persönlich anlasten. Die größten Feinde stecken dabei in den eigenen Reihen.
Bundestagswahl 2021: Armin Laschet (CDU) will Triell für Trendwende in Umfragen nutzen
Beim Triell der Kanzlerkandidaten suchte Laschet deswegen den Befreiungsschlag. Mal ordentlich auf den Tisch hauen, lautete sein Motto. Schließlich erwarteten die Wählerinnen und Wähler keine Sprüche, sondern Klarheit – ein Mantra, das der CDU-Parteichef seit Wochen vor sich hin betet, das aber zumindest die Zuschauerinnen und Zuschauer bei dem Fernsehduell dem Unions-Kandidaten nicht abnehmen.
Am Ende des 90-minütigen Ringkampfes küren sie Scholz mit 32 Prozent eindeutig zum Gewinner, vor Baerbock (26 Prozent). Und dann kommt erst Laschet (20 Prozent). Das geht aus einer Blitzumfrage der Forschungsgruppe Wahlen hervor, die das ZDF im Anschluss an die Live-Sendung veröffentlicht hat. Bei der Einblendung sind jedoch vier Balken in der Grafik zu sehen. Denn 21 Prozent sahen keinen Unterschied zwischen den Kandidaten zum ersten Triell, das von RTL und n-tv zwei Wochen zuvor übertragen worden war.
Wie in Gottes Namen schafft man es, Vierter bei einem Dreikampf zu werden?! pic.twitter.com/VmtMUd5Z2K
— Seyfu (@Seyfu_09) September 12, 2021
Doof für Laschet: Der vierte Balken ist leicht höher als sein eigener. Die Twitter-Gemeinde kriegt sich kaum noch ein vor Lachen: „Armin #Laschet schafft es bei einem #Triell Vierter zu werden. Respekt“, spottet ein Nutzer. „Um Gottes willen“, schreibt ein anderer. Wie schaffe man es Vierter in einem Dreikampf zu werden?
Ergebnisse vom Triell bei ARD und ZDF: Olaf Scholz ist der Gewinner – Hohn und Spott für Laschet
Ja, wie schafft man das eigentlich? Was hat Laschet eigentlich falsch gemacht? Das fragt sich der NRW-Ministerpräsident wahrscheinlich selber. Wie bereits im ersten Triell spielt er auch dieses Mal voll auf Angriff. In den ersten Sendeminuten hat er es vor allem auf Umfrage-König Scholz abgesehen. Razzia im Finanzministerium, Wirecard, Warburg Bank. Bam. Bam. Bam. In kurzen Abständen haute er dem Vizekanzler seine Affären um die Ohren, dass diese tatsächlich einmal kurz rot anlaufen.
Doch dann, nach einer Viertelstunde, hat Laschet sein Pulver verschossen. Er wirkt ein bisschen wie ein Läufer bei einem 10.000 Meter-Lauf, der wie von der Tarantel gestochen aus dem Startblock schießt und allen davon rennt – nur um dann hinter der ersten Kurve japsend stehen zu bleiben und die Arme erschöpft auf die Knie zu stützen, während das Feld locker an ihm vorbeijoggt.
Vierter im Triell: Bei Twitter lacht man über Laschet und den Ausgang des Kanzlerduells
Die Rolle des Chefanklägers ist für Laschet eine schwierige. So trägt er seine eigenen Probleme mit im Wahlkampf. Wortgewaltig und polternd mit erhobenem Zeigefinger fordert er von Scholz und Baerbock ein klares Bekenntnis zum Umgang mit der Linkspartei. Doch bei der AfD und speziell zu den Ambitionen von Ex-Verfassungsschutzchef und Rechtspopulist Hans-Georg Maaßen, der für die CDU in Südthüringen kandidiert, wird er schon kleinlauter.
Moderator: Wie stehen sie zu Hans-Georg Maaßen? #Triell
— Der Gazetteur (@dergazetteur) September 12, 2021
Armin Laschet: pic.twitter.com/q3uy0XkcHX
Ob er Maaßen wählen würde? „Ich wähle in Aachen“, weicht Laschet aus. Auch auf Nachfrage wird er nicht konkreter. Alle, auch Maaßen, müsste sich seinem Kurs als Bundeskanzler unterordnen, sagt er nebulös. Rausschmiss? Für die Aufstellung der Kandidaten seien die Parteimitglieder vor Ort selber zuständig, betont der Parteichef – und fängt sich bei Twitter lustige Bilder von Männern ein, die schneller springen können als der eigene Schatten.
+++EIL+++
— Emma Kohler (@Emmanzipation) September 12, 2021
Laschets Mauer gegen Rechts wurde gesichtet. #Triell pic.twitter.com/j4hCnhvkJ7
Dennoch versucht Laschet so etwas wie den Eindruck von Klarheit zu vermitteln. Die Brandmauer gegen Rechts stehe in der CDU, sagt er mit festem Blick in die Kamera – während bereits zeitgleich die ersten Twitter-Nutzer Bilder von löchrigen Gartenzäunen zeigen.
Bundestagswahl 2021: SPD vor CDU – Wähler haben feines Gespür für Inszenierungen
Die Wählerinnen und Wähler haben durchaus ein feines Gespür für schiefe Inszenierungen. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Triell fuhr Laschet maßgeblich Attacken auf Scholz. Doch dadurch kommt er eher wie ein Oppositionspolitiker rüber, der dem langjährigen Regierungsmitglied seine Unzulänglichkeiten vorwerfen will.
Doch Laschet ist nicht in der Opposition. Er ist Chef der größten Regierungspartei. Und er ist Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. In den zurückliegenden vier Jahren gab es kaum eine Entscheidung, die Laschet nicht in irgendeiner Form mit beeinflusst hätte. Diese Tatsache kann er durch seine Rumpelstilzchen-Attacken nicht kaschieren. Und das ist das eigentliche Problem von Laschet beim Ausgang der Trielle.
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Doch trotz der Tiefschläge: Die Union bemüht sich wacker um Contenance. Pflichtschuldig kürte CSU-Chef Markus Söder Laschet im Anschluss zum Sieger. Und Laschet selber verwies auf die erfolgreiche Kommunalwahl in Niedersachsen, wo die CDU stärkste Kraft geworden ist. Das gebe Rückenwind und zeige, dass man Umfragen nicht für voll nehmen sollte, ließ er am Tag nach dem Triell wissen.
Da mag er sogar Recht haben. Doch wenn er sich irrt und Scholz doch Bundeskanzler wird? Dann ist es nicht ausgeschlossen, dass Friedrich Merz es doch noch auf die Bühne schafft. Zumindest bei der CDU. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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