Ampel-Koalition
Cannabis-Legalisierung: Verkauf nur durch geschultes Personal
Die Ampel-Koalition hat sich auf die Legalisierung von Cannabis geeinigt. Doch einige Fragen sind noch ungeklärt. Dazu gehört: Wer darf das Hanf verkaufen?
Berlin – Die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken ist das erklärte Ziel einer Bundesregierung, für die aktuell eher die Pandemiebekämpfung im Vordergrund steht. Zwar hat sich die neue Regierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Cannabis-Legalisierung verständigt, bis zur Umsetzung des Vorhabens könnte es allerdings noch dauern, trotzdem: Justizminister Marco Buschmann (FDP) arbeitet bereits an Vorgaben zum Verkauf. Besonders geschultes Personal ist ihm ein Anliegen.
| Name: | Marco Buschmann |
| Partei: | Freie Demokratische Partei |
| Amt: | Bundesjustizminister |
Verkauf von Cannabis soll im Rahmen der Cannabis-Legalisierung nur durch geschultes Personal erfolgen
Zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken bedarf es konkreter Vorgaben. Buschmann fordert, Verkäuferinnen und Verkäufer müssten sich gut mit der Substanz auskennen und auch über mögliche Risiken Bescheid wissen. Auf diese Weise sollen Suchtkranke an Verkaufsstellen erkannt werden, um riskantem Cannabis-Konsum entgegenzuwirken.
In Niedersachsen hatte sich zuletzt der Innenminister des Landes, Boris Pistorius (SPD), skeptisch zur Hanf-Freigabe geäußert. Pistorius sorgt sich um den Jugendschutz. Der Direktor des Instituts für Suchtforschung in Frankfurt, Prof. Dr. Heino Stöver, hatte im Interview mit kreiszeitung.de eine andere Perspektive auf Cannabis-Legalisierung und Jugendschutz präsentiert: Er erklärte „kein Dealer fragt heute nach dem Alter“. Stöver sagt, die kontrollierte Abgabe von Cannabis im Rahmen der Legalisierung „bietet definitiv Jugendschutz“, besonders indirekt. Auch er befindet jedoch, es müsse besser aufgeklärt werden.
Cannabis-Legalisierung: Apotheken könnten Cannabis verkaufen – Burkhard Blienert neuer Anti-Drogenbeauftragter
Unklar ist auch noch, an welchen Orten Genuss-Cannabis nach der Cannabis-Legalisierung verkauft werden darf. Buschmann erklärte dazu, auch Apotheken könnten sich um Lizenzen zum Verkauf bewerben. Welche genauen Voraussetzungen für diese Lizenzen erfüllt werden müssen, ist weiter unklar. Als Abgabestellen kommen indes nicht nur Apotheken infrage. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Buschmann, man wolle den Kreis „möglicherweise auch weiter ziehen“.
Die Verzögerungen hängen auch damit zusammen, dass das Bundesgesundheitsministerium mit der Pandemiebekämpfung bereits alle Hände voll zu tun hat. Das Ministerium von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der nun Burkhard Blienert (beide SPD) zum Anti-Drogen-Beauftragten der Bundesregierung machen will, ist bei Änderungen im Betäubungsmittelgesetz federführend verantwortlich – in der Behörde liegen die Prioritäten aktuell allerdings nicht bei der Legalisierung. Zuletzt standen nicht nur in Niedersachsen neue Beschlüsse zur Eindämmung der Omikron-Variante im Vordergrund. Virologe Christian Drosten hatte erst kürzlich erklärt „Omikron macht die Regeln“ – ein Stück weit gilt das auch für die Cannabis-Legalisierung.
Suchtexperte fordert Aufklärung über unschädliche Konsumformen im Rahmen der Cannabis-Legalisierung
Der Suchtexperte Prof. Dr. Heino Stöver betont im Interview mit kreiszeitung.de indes noch einen ganz anderen Punkt: Er fordert einen breiten Diskurs über möglichst unschädliche Konsumformen von Cannabis, im Fachjargon spricht man von „harm-reduction“. Er selbst sieht in der Renaissance des Rauchens von Joints eine der größten Gefahren der Cannabis-Legalisierung. Ebenso wie beim Rauchen von Zigaretten ist der Verbrennungsprozess höchst krebsfördernd.
Stöver sagt, es sei „das absolut falsche Signal“, die Bevölkerung wieder ans Rauchen zu gewöhnen. Im Bereich des Cannabis-Konsums gäbe es deutlich weniger schädliche Applikationsformen, die in anderen Ländern, wo Cannabis bereits legalisiert ist, bereits erprobt wurden – der Suchtexperte verweist konkret auf das Inhalieren über sogenannte Vaporizer. Die Aufklärung über Risiken beim Rauchen hält Stöver für einen der entscheidenden Bestandteile der Legalisierungsdebatte.
Bis zur endgültigen Cannabis-Legalisierung wird es aufgrund der pandemischen Lage wohl noch etwas dauern. Hinzukommt, dass es durchschnittlich 175 Tage dauert, bis Gesetzgebungsprozesse in Deutschland durchlaufen sind. Konsumenten müssen sich noch gedulden – wie lange genau, ist unklar. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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