Unwahrheiten als Kriegseintrittsgrund
Die Lüge als Wegbereiter und Begleiter des Kriegs
Kriege beginnen oft mit einer Lüge, damit kennt sich auch der Westen aus. Im Ukraine-Konflikt sorgt er sich derweil vor False-Flag-Aktionen der russischen Seite.
Washington – Es ist keine neue Erkenntnis in der Politik: Krieg und Lüge liegen nah beieinander. Insbesondere in Zeiten von Massenmedien sind kriegerische Auseinandersetzungen immer auch Informationskriege, es geht um Legitimation und Deutungshoheit. Wie leicht sich Informationen manipulieren lassen, weiß man in den USA selbst gut. Der Westen sorgt sich im Zuge der Ukraine-Krise vor inszenierten Aktionen der russischen Seite. In der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele für Kriege, die mit einer Lüge begonnen haben.
Ukraine-Krise: Der Westen warnt vor Krieg durch False-Flag-Aktionen Russlands
Mit der Ankündigung von Wladimir Putin, die sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk als souveräne Staaten anzuerkennen, spitzt sich die Ukraine-Krise weiter zu, die Sorgen vor einem drohenden Krieg sind groß. Dabei warnt der Westen immer wieder vor False-Flag Aktionen der russischen Seite: Es wird befürchtet, dass auf Grundlage inszenierter Ereignisse eine russische Invasion der Ukraine bevorsteht.
Zuletzt erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass es Hinweise auf derartige Versuche der russischen Seite gäbe. Ein solches Szenario ist eine reale Gefahr, denn es wäre nicht der erste Krieg, der mit einer Lüge beginnt. Zuletzt berichtete Russland, man habe fünf angebliche ukrainische Saboteure erschossen. Die ukrainische Seite wies dies als Falschnachricht zurück, im Westen machten schnell Vermutungen über die befürchtete False-Flag Aktion die Runde.
Moskau hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten als exzellenter Strippenzieher in der Verbreitung von Falschnachrichten erwiesen. Ausgeschlossen werden kann daher wenig – genauso wenig jedoch vieles mit Sicherheit bestätigt werden. Es ist die Krux vergleichbarer Auseinandersetzungen, in denen Aussage gegen Aussage steht: Ein Stück weit bleibt es eine Frage, welcher Eindruck sich aus vielen mosaikartigen Informationen ergibt und auch ein bisschen, wem man glauben möchte. „Gesicherte“ Informationen sind für Außenstehende schwer auszumachen, Wahrheiten von Halbwahrheiten und Lügen oft nicht einfach zu trennen.
Kriege und Lügen: Auch der Irak-Krieg begann mit einer Lüge der USA
George Bush hatte den Westen während seiner Amtszeit 2003 in einen Krieg gegen den Irak geführt, der nicht nur hunderttausende Menschenleben kostete, sondern auch eine ganze Region bis heute ins Chaos gestürzt hat. Auch die Invasion im Irak wurde seinerzeit mit Lügen begründet, Lügen, die die Weltöffentlichkeit in weiten Teilen unhinterfragt übernahm. Sowohl Washington Post als auch New York Times hatten sich im Nachgang dafür entschuldigt.
US-Außenminister Colin Powell stimmte die Welt damals auf Krieg ein: Bei einer Rede im Weltsicherheitsrat 2003 redete er weit über eine Stunde lang über den Irak. Powell erklärte, Saddam Hussein besäße chemische und biologische Massenvernichtungswaffen. Der US-Außenminister schilderte ausgiebig, wie der Irak angeblich Kontrollen der UN-Waffeninspekteure auswich: durch zu Laboren umgebaute Lastwagen. All diese Behauptungen Powells entsprachen nicht der Wahrheit, wie sich später herausstellte. Der Irak-Krieg begann mit einer Lüge.
Geheimdienste, Informationskriege und Lügen – die Unwahrheit als roter Faden
Es gibt zahlreiche Beispiele für Kriege, die mit einer Lüge begannen, Unwahrheiten, die während Kriegen verbreitet wurden, sind noch zahlreicher. Die Lüge ist eine entscheidende Konstante in der Geschichte des Kriegs: über die Gegenseite und ihre Motivation, die eigene, oder tatsächliche und vermeintliche respektive frei erfundene Ereignisse. Insbesondere in Zeiten von Digitalisierung und Massenmedien ist der Informationskrieg ein entscheidender Bestandteil militärischer Auseinandersetzungen, das hat der FSB ebenso verstanden wie andere Geheimdienste – und perfektioniert. Für Außenstehende ist schwer zu unterscheiden, wo die Grenze zwischen verbaler Kriegstreiberei, Lügen und zuverlässigen Informationen verläuft.
In diesen Informationskriegen spielen Geheimdienste eine entscheidende Rolle, nicht nur seinerzeit im Irakkrieg. Auch der Vietnamkrieg begann mit falschen Geheimdienstberichten: Nach einem vermeintlichen Überfall auf einen US-Zerstörer vor Haiphong im Nordvietnam 1964 flogen nur wenig später Kampfflugzeuge über dem kommunistischen Nordvietnam. Es dauerte nur wenige Tage, bis die sogenannte „Tonkin-Resolution“ folgte, auf deren Grundlage ein ebenso erbarmungsloser wie erfolgloser Krieg gegen die Nordvietnamesen geführt wurde. Der Zwischenfall auf hoher See, der wegen dem Namen des Kreuzers als „Zwischenfall von Maddox“ Bekanntheit erlangte, gilt unter Historikern heute als frei erfunden. Ähnlich wie der Irakkrieg begann auch Vietnam mit einer Lüge.
Informationen und Lügen im Krieg: Die Wahrheit wird oft erst Jahre später bekannt
Die Geschichte US-amerikanischer Geheimdienste ist besonders reich an vergleichbaren und ebenso eindrucksvollen Geschichten. Das heißt nicht, dass nur sie in der Vergangenheit Lügen fabriziert haben, es erklärt nur, woher das verbreitete Misstrauen kommt, wenn sich staatliche US-amerikanische Stellen auf Geheimdienstberichte berufen. Daraus lässt sich im Umkehrschluss keineswegs ableiten, dass Berichte über russische False-Flag Aktionen deshalb unwahr sein müssen. Lügen sind kein rein US-amerikanisches Phänomen, wie russische Desinformationskampagnen deutlich zeigen. In vielen Kriegen wird erst mit der Öffnung der Archive Jahrzehnte später deutlich, wie die Ereignisse genau waren. Auch weiterhin gilt: Die Lüge bleibt eine Spielart des Kriegs. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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