Putins Motive

Mutmaßlich russische Drohnen über Niedersachsen: Expertin prangert „riesige Sicherheitslücke” an

Russische Drohnen bewegen sich anscheinend ungestört über Deutschland. Eine Drohnen-Sachverständige macht auf gravierende Sicherheitslücken aufmerksam.

Hannover – Drohnen sind ein essenzieller Bestandteil des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Beide Seiten nutzen die unbemannten Flugobjekte für Angriffe. Doch nicht nur über der Ukraine, sondern auch über Niedersachsen werden laut eines Berichts des NDR immer wieder Drohnen gesichtet, die möglicherweise aus Russland stammen könnten. Diese tauchen etwa über Industrieanlagen in Stade oder Wilhemshaven auf.

Auch Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat sich zur Thematik geäußert. „Die Lage ist ernst“, sagte sie dem NDR. „Wir stellen fest, dass diese hybride Kriegsführung vor allen Dingen von Russland bis tief nach Niedersachsen reicht.“
Der NDR schreibt weiter, dass es sich offenkundig auch um größere Drohnen handle, die an militärische Bauweisen erinnern. Die Innenministerin dazu: „Wir haben Erkenntnisse darüber, dass die Drohnen Russland zuzuschreiben sind.“

Russische Drohnen über Deutschland werden wohl gar nicht erst bemerkt

Im NDR-Interview spricht die Sicherheits- und Verteidigungsexpertin Ulrike Franke über diese alarmierenden Sicherheitslücken. Eine davon sei die Überwachung des Luftraums an sich: Dem Laien sei „das wahrscheinlich nicht klar, aber wir haben tatsächlich in der Bundesrepublik relativ wenig Möglichkeiten, diese Drohnen überhaupt erst mal zu bemerken. Der Luftraum wird nicht umfassend überwacht. Man ist nicht in der Lage, die Drohnen nachzuverfolgen und vor allen Dingen – etwas gegen sie zu tun“, prangerte die Politikwissenschaftlerin an.

„Das ist ein riesiges Sicherheitsloch“, sagt sie. Letztendlich müssten Polizei und Bundeswehr anerkennen, dass es diese Gefahr gebe. Auch wenn es akutell „keine Handhabe“ gegen die Drohen gebe. „Selbst wenn die Drohnen gesichtet werden, passiert oft gar nichts, weil es keine Möglichkeiten gibt, sie abzufangen, abzuschießen, sie zu verfolgen“, erklärt die Frau, die seit fünfzehn Jahren am Thema Drohnentechnologie arbeitet.

Russische Drohnen über Deutschland: Kritische Infrastruktur muss „sofort“ geschützt werden

Falls wirklich Russland der Ursprung der Drohnen ist, spekuliert Franke über mögliche Motivationen des Kremls. Ein direkter Angriff auf einen Nato-Staat sei im Moment nicht denkbar, nur ein „Austesten“. So könne sich Russland fragen: „Inwieweit wird denn darauf reagiert? Werden diese Drohnenflüge überhaupt gesichtet? Wenn ja, werden sie abgefangen? Was kann denn der deutsche Staat, die Polizei, die Bundeswehr?“ Dieser Erkenntnisgewinn sei „total interessant ist für mögliche zukünftige Operationen, Spionage oder auch Sabotage.“ Putins Drohnen drangen auch zuletzt in Nato-Gebiet ein und sorgten für einen Alarmstart von Bundeswehr-Jets.

Eine Drohne (Symbolfoto).

Und auch militärische Angriffe seien hinsichtlich der Fähigkeiten der Drohnen „absolut möglich“, auch wenn dies eine „wahnsinnige Eskalation“ bedeuten würde. Die Flugraumüberwachung sei deshalb das erste, das man angehen müsse. „Wir müssen uns dieser Gefahr bewusster werden und einfach mehr Technologie und Systeme einsetzen“, schlägt sie vor und nennt Flughäfen, kritische Infrakstruktur und Bundeswehrstandorte als potenzielle Ziele, die es ihrer Meinung nach „jetzt sofort“ zu schützen gelte. Hierbei könne man „Funksignale stören, damit Drohnen nicht fliegen können und den Link zum Piloten verlieren.“ Abschießen sei auf zivilem Gebiet gefährlich und deshalb oft nicht möglich. Franke ist derzeit Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations in Paris.

Sabotage auch in der Ostsee – Nato vereinbart neues Maßnahmenpaket

In Niedersachsen schlug zuletzt Innenministerin Daniela Behrens (SPD) vor, Polizei und Bundeswehr neu aufzustellen. Die Außenminister der Nato-Staaten haben generell neue Abwehrmaßnahmen gegen Angriffe unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges beschlossen. „Sowohl Russland als auch China haben versucht, unsere Länder zu destabilisieren und unsere Gesellschaften durch Sabotageakte, Cyberangriffe, Desinformation und Erpressung mit Energie zu spalten“, sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte nach einem zweitägigen Treffen am Mittwoch (4. Dezember 2024) in Brüssel. Deshalb sei ein neues Maßnahmenpaket vereinbart worden.

Die Fregatten der Bundeswehr – Kriegsschiffe im aktiven Einsatz

Baden-Württemberg-Klasse: Fregatten „Baden-Württemberg“ (Foto), „Nordrhein-Westfalen“, Sachsen-Anhalt“ und „Rheinland-Pfalz“
Baden-Württemberg-Klasse: Fregatten „Baden-Württemberg“ (Foto), „Nordrhein-Westfalen“, Sachsen-Anhalt“ und „Rheinland-Pfalz“ © IMAGO/Oliver Wunder
Fregatten der Sachsen-Klasse: „Sachsen“, „Hamburg“ und „Hessen“ (Foto).
Fregatten der Sachsen-Klasse: „Sachsen“, „Hamburg“ und „Hessen“ (Foto). © IMAGO / Pond5 Images
Fregatten der „Brandenburg“-Klasse: „Brandenburg“, „Schleswig-Holstein“, „Bayern“ (Foto) und die „Mecklenburg-Vorpommern“
Fregatten der „Brandenburg“-Klasse: „Brandenburg“, „Schleswig-Holstein“, „Bayern“ (Foto) und die „Mecklenburg-Vorpommern“ © IMAGO/Mc3 Andrew Langholf/U.S. Navy
Die „Köln“-Klasse besteht aus den Fregatten „Köln“, „Emden“, „Augsburg“ (Foto), „Karlsruhe“, „Lübeck“ und „Braunschweig“.
Die „Köln“-Klasse bestand aus den Fregatten „Köln“, „Emden“, „Augsburg“ (Foto), „Karlsruhe“, „Lübeck“ und „Braunschweig“. Keines von ihnen ist mehr aktiv. © IMAGO/Norbert Fellechner
Die Fregatten der „Bremen“-Klasse: Die „Bremen“, „Niedersachsen“, „Rheinland-Pfalz“ (Foto), „Emden“, „Köln“, „Karlsruhe“, „Augsburg“ und die „Lübeck“
Die Fregatten der „Bremen“-Klasse, die „Bremen“, „Niedersachsen“, „Rheinland-Pfalz“ (Foto), „Emden“, „Köln“, „Karlsruhe“, „Augsburg“ und die „Lübeck“ sind mittlerweile alle außer Dienst gestellt. © IMAGO/Sven Eckelkamp

Mutmaßliche Sabotage gab es zuletzt in der Ostsee: Zuletzt waren im November innerhalb kurzer Zeit Schäden an zwei Glasfaserkabeln im Meer aufgetreten. Dabei handelte es sich um ein Kabel, das zwischen Schweden und Litauen verläuft sowie eins zwischen Finnland und Deutschland. Die Ursache dafür ist in beiden Fällen noch unklar. Die schwedischen Behörden ermitteln wegen möglicher Sabotage. Ein chinesischer Frachter steht hierbei im Zentrum der Ermittlungen. Russland probte zuletzt auch auf Nato-Gewässern den Ernstfall. (cgsc mit dpa)

Transparenzhinweis: Wir haben in diesem Artikel nachträglich die Äußerungen von Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) ergänzt, wonach Erkenntnisse vorliegen, dass die Drohnen Russland zuzuschreiben sind. Zudem haben wir die Überschrift nachgeschärft.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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