Sondersitzung zu Gasspeicherständen

Drohender Gas-Mangel? Grüne fordern Antworten von Reiche – „sollte endlich ihrer Arbeit nachkommen“

Die Gasspeicher leeren sich zunehmend. Energie-Ökonomin Kemfert warnt vor Preisrisiken. Die Grünen kritisieren den Kurs von Wirtschaftsministerin Reiche.

Angesichts bedenklich niedriger Gasspeicherstände in Deutschland fordern die Grünen Antworten von der Bundesregierung. „Katherina Reiche sollte endlich ihrer Arbeit als Wirtschafts- und Energieministerin nachkommen und für mehr Planungssicherheit für die Wirtschaft und Unabhängigkeit sorgen“, sagt Grünen-Parteichef Felix Banaszak gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Der Wirtschaftsministerin wirft er vor, „die Gaskunden bei historisch niedrigen Füllständen der deutschen Gasspeicher in falscher Sicherheit“ zu wiegen. 

Drohender Gasmangel? Wirtschaftsministerin Reiche muss Rede und Antwort stehen. (Symbolbild)

„Wir wollen wissen, was das Ministerium unternimmt, um gut durch den Winter zu kommen“, sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur. „Wie plant die Ministerin die Regeln rasch anzupassen, um die Speicher wieder zu füllen? Und wie schätzt die Bundesregierung die Abhängigkeit von Trump bei LNG ein?“ Antworten auf diese Fragen soll Reiche nun in einer Sondersitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie am Dienstag (17. Februar) liefern.

Sondersitzung zum Gasmangel: Grüne fordern Antworten - Reiche gibt Entwarnung

In dem Grünen-Antrag für die Sondersitzung heißt es, die Gas-Füllstände seien historisch niedrig und binnen eines Monats um 25 Prozent gesunken. Meteorologisch gehe der Winter noch viele Wochen, bei gleichzeitiger Prognose für weiterhin tiefste Temperaturen in großen Teilen des Landes. Entsprechend hoch sei der Gasbedarf zum Heizen, neben dem üblichen Gasbedarf der deutschen Industrie. 

Reiches Ministerium hingegen hatte Anfang Februar Entwarnung gegeben: Demnach bestehe keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. ⁠Man beobachte die Lage sehr genau, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums laut Bericht der Nachrichtenagentur AFP. „Wir sehen derzeit keine Versorgungsengpässe.“

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Niedrige Gasspeicherstände: Klimaökonomin Kemfert warnt vor Preisrisiken

Auch Klimaökonomin Claudia Kemfert erklärt gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media: „Kurzfristig ist die physische Versorgung nicht akut gefährdet.“ Deutschland sei europäisch gut eingebunden; eine Gasmangellage gebe es nicht. Allerdings mahnt die Energieökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Niedrige Speicherstände erhöhen jedoch Preisrisiken und machen anfälliger für Kälteperioden oder geopolitische Spannungen. Versorgungssicherheit ist immer auch Preisstabilität.“

Als Ursache für die niedrigen Gasspeicherstände benennt die Ökonomin ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: „Teils geringere wirtschaftliche Anreize zur frühen Befüllung bei schwankenden Großhandelspreisen, veränderte Marktbedingungen nach dem Auslaufen staatlicher Stützungsmechanismen sowie Kostenrisiken für Speicherbetreiber.“ Die Einspeicherung könne sich verzögern, wenn Marktanreize nicht ausreichend gesetzt und gesetzliche Vorgaben zum Füllstand der Speicher angepasst würden, führt Kemfert aus. „Auch kalte Perioden und eine weiterhin relevante Gasnachfrage im Strom- und Wärmesektor wirken sich aus.“

Gasspeicher: Claudia Kemfert fordert „mehr strategische Klarheit“

Die Grünen hatten im Zuge der Debatte um die niedrigen Gasspeicherstände harte Vorwürfe an Reiche gerichtet. Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner sagte gegenüber dpa: „Ministerin Reiche macht ihren Job nicht.“ Die Debatte um die Arbeit der Wirtschaftsministerin müsse sachlich geführt werden, plädiert Kemfert: „Entscheidend ist, ob vorausschauend gehandelt und transparent kommuniziert wird, wie Speicher rechtzeitig gefüllt und Preisspitzen vermieden werden.“ Doch auch die Energieökonomin kritisiert: „Hier ist mehr strategische Klarheit nötig.“

Reiche steht unter Druck: Während der Wirtschaftsaufschwung auf sich warten lässt, brachte jüngst ein geleakter Gesetzentwurf die Wirtschaftsministerin weiter in Bedrängnis. Reiche plant demnach Reformen beim Ausbau der Stromnetze und der erneuerbaren Energien. Der Netzausbau könne nicht mit dem Bau von Anlagen Schritt halten, heißt es in dem Entwurf. Deshalb soll in besonders belasteten Gebieten im Falle, dass Wind- und Solaranlagen gedrosselt oder abgeschaltet werden, keine Entschädigung mehr für neue Anschlüsse gezahlt werden. Netzbetreiber sollen diese Gebiete für die Dauer von zehn Jahren als „kapazitätslimitiert“ ausweisen können, wenn im vergangenen Jahr mindestens drei Prozent der Stromeinspeisung aufgrund von Engpässen abgeregelt werden mussten.

Kritik an Reiches Politik: „Mit dem Netzpaket würgt sie die Erneuerbaren Energien ab“

Kritik an den Vorhaben kam unter anderem von Umwelt- und Wirtschaftsverbänden. Es bestehe „die Gefahr, dass Investitionen ins Stocken geraten, Projekte verschoben oder gestrichen werden und erhebliche Rechtsunsicherheit entsteht“, hieß es laut AFP in einer gemeinsamen Erklärung. „Das würde nicht nur Klimaziele gefährden, sondern auch fatale Folgen für Energiepreise haben und somit Wirtschaft und Verbraucher:innen belasten.“

Und auch Felix Banaszak kritisiert bezogen auf den Entwurf der Wirtschaftsministerin: „Mit dem Netzpaket würgt sie die Erneuerbaren Energien ab, statt uns aus fossilen Abhängigkeiten zu befreien.“ Der Vorwurf des Grünen-Co-Vorsitzenden: „Katherina Reiche versucht offenbar, Deutschland um jeden Preis in der Gas-Abhängigkeit zu halten.“

Mit Blick auf die Gas-Speicherstände könnte sich die Situation für Reiche weiter zuzuspitzen, schreibt etwa das Wirtschaftsmagazin Surplus. Bereits vor Wochen habe die Industrie bei besseren Speicherständen eine Gasmangellage durchgespielt: „Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnte das die angeschlagene Industrie weiter belasten und auch Wirtschaftsministerin Reiche ihren Job kosten.“

Energieökonomin: „Je geringer der fossile Importbedarf, desto höher die Versorgungssicherheit“

Energieökonomin Kemfert fordert vor dem Hintergrund der niedrigen Gasspeicherstände drei konkrete Schritte: „Eine klare Speicherstrategie inklusive einer strategischen staatlichen Gasreserve als zusätzliche Absicherung gegen Extremrisiken“, sagt sie gegenüber unserer Redaktion. Zweitens brauche es stabile und verlässliche Marktanreize zur rechtzeitigen Befüllung.

Als dritten Punkt nennt Kemfert eine konsequente Reduktion der Gasabhängigkeit durch mehr Erneuerbare, Effizienz und Elektrifizierung – insbesondere im Wärmesektor. „Langfristig gilt: Je geringer der fossile Importbedarf, desto höher die Versorgungssicherheit und desto stabiler die Preise.“ (Quelle: Eigene Recherche, AFP, dpa, Surplus) (pav)

Rubriklistenbild: © Foto von ODD ANDERSEN / AFP, Peter Kneffel/dpa

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