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Spahn vor Enquete-Kommission: „Alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“
Jens Spahn muss sich den Fragen der Enquete-Kommission zu den Maskendeals stellen. Linke und Grüne üben scharfe Kritik und schwören Aufklärung.
Berlin – Am Montag, 15. Dezember, trifft sich die Corona-Enquete-Kommission zu ihrer zwölften Sitzung. Es soll um die Beschaffung von Impfstoffen und medizinischen Materialien und die Versorgungssicherheit gehen. Dafür ist der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geladen. Er hatte damals in einem umstrittenen Verfahren Masken zu Fixpreisen beschafft. Es entstanden Kosten in Milliardenhöhe und ein Überschuss an Masken, der bis heute besteht. Jens Spahn verteidigte sein Vorgehen bereits im Juni 2024 in einer Bundestagsdebatte mit den Worten: „Wir mussten in der Not entscheiden.“
Die Enquete-Kommission besteht aus 28 ordentlichen Mitgliedern, davon sind 14 Abgeordnete des Bundestags aus allen Parteien und 14 Sachverständige. Sie sind damit beauftragt, den politischen Umgang mit der Pandemie aufzuarbeiten und bis Mitte 2027 Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen per Bericht vorzulegen. Die Kommissions-Mitglieder der Grünen und der Linken haben im Vorfeld der Anhörung von Jens Spahn angekündigt, seine Rolle in der sogenannten Masken-Affäre klären zu wollen. Die Grünen-Obfrau Paula Piechotta sagte gegenüber der dpa: „Wenn Herr Spahn überzeugt ist, dass alles korrekt war, sollte er vollständige Transparenz unterstützen, statt auszuweichen.“
Jens Spahn wird vor Corona-Enquette-Kommission zur Masken-Affäre befragt
Die Opposition kritisiert an Spahns Krisenverhalten einerseits die Art der Maskenbeschaffung, die zu übergroßen Ausgaben geführt habe. Andererseits steht die Frage im Raum, ob Spahn oder sein Umfeld persönlich von den Maskenverträgen profitiert haben. „Das werden wir herausfinden“, so Piechotta gegenüber der dpa. Gezeigt werden solle, „dass die Selbstreinigungskräfte der Demokratie funktionieren und jemand wie Jens Spahn auch Konsequenzen ziehen muss, wenn er Mist gebaut hat“. Die Opposition dürfte es Spahn nun nicht leicht machen, auch wenn die Enquete-Kommission kein Untersuchungsausschuss ist.
Spahns Ministerium habe „alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“. Verträge seien falsch abgeschlossen, Milliardenklagen ausgelöst worden. Im Sommer hatte der Bericht einer Sonderermittlerin gezeigt, dass Spahn „gegen den Rat seiner Fachabteilungen“ groß in die Maskenbeschaffung eingestiegen sei. Milliardenrisiken entstanden demnach, obwohl mit Beschaffung erfahrene Behörden bereitgestanden und mehrfach gewarnt hätten.
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Auch aus Sicht der Partei Die Linke sind zahlreiche Fragen im Zusammenhang mit den Maskenbeschaffungen weiterhin ungeklärt. „Unübersehbar ist jedoch, dass er einen erheblichen Anteil an dem Milliardendesaster trägt“, erklärte der Obmann der Linken, Ates Gürpinar. Die Akteneinsicht im Rahmen der Enquete-Kommission habe gezeigt, dass diese eingeschränkte Form der Einsichtnahme für eine umfassende Aufklärung nicht ausreiche. „Wir brauchen einen Untersuchungsausschuss zur Maskenaffäre – und zwar zügig“, forderte Gürpinar.
Bundesrechnungshof rügt Überbeschaffung und mangelnde Aufarbeitung von Corona-Zeit
Das Bundesgesundheitsministerium hatte während der Krise auf ein Sonderverfahren zurückgegriffen, bei dem Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen zu festen Konditionen abgeschlossen wurden. An der Ausschreibung beteiligten sich mehr Unternehmen als ursprünglich erwartet. Dadurch kam es zu höheren Masken-Preisen und einer Überbeschaffung. Das rügt auch der Bundesrechnungshof in einer schriftlichen Stellungnahme an die Enquete-Kommission.
Das Bundesgesundheitsministerium erkenne die Vorwürfe bis heute nicht an und lasse eine selbstkritische Aufarbeitung seiner Beschaffungspraxis vermissen. Dadurch sei die Entwicklung klarer Regeln und tragfähiger Strukturen für zukünftige Krisensituationen nicht vorangekommen. Das Ministerium habe die übermäßig beschafften Maskenbestände zwar zur Grundlage einer noch einzurichtenden nationalen Reserve erklärt, bislang fehlten dafür jedoch sowohl eine rechtliche Basis als auch ein schlüssiges Gesamtkonzept.
Die öffentliche Sitzung der Corona-Enquete-Kommission findet am Montag, 15. Dezember, um 14:00 statt. Neben Jens Spahn ist auch die ehemalige Sonderermittlerin Margaretha Sudhof geladen und ein Mitglied des Bundesrechnungshofs. (Quellen: dpa, Corona-Enquette-Kommission) (cdz)